Pokern: Geld und Menschenkenntnis am grünen Tisch gewinnen
Pokern boomt. Die Zahl der Pokerspieler steigt rasant an. Was ihn an dem Spiel fasziniert und worauf es dabei ankommt, erzählt der 21-jährige Mathematikstudent Johannes Eder aus Lichtenberg.
Ausgabe: 2012/44, Pokern, Geld, Menschenkenntnis, Glück, Spiel, Johannes Eder,
30.10.2012
- Paul Stütz
Hatte Pokern früher ein eher verruchtes Image, so ist das Spiel längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Millionengewinne von Profi-Pokerspielern garantieren eine große Aufmerksamkeit, wie es bei den derzeit über die Bühne gehenden Poker-WM in Las Vegas der Fall ist. Johannes Eder, 21, ist seit fünf Jahren aktiver Pokerspieler und hat aus „Spaß“ damit angefangen. Bald kristallisierte sich eine Gruppe heraus, die sich beim Spiel immer mehr in die taktischen Raffinessen vertiefte. „Für mich war es bald reizvoll, geringe Geldsummen zu gewinnen. Und ich will beweisen, dass ich das Spiel beherrsche“, erzählt der 21-Jährige, der 2010 in Wien Studentenmeister im Pokern wurde (mit einem Preisgeld von gut 600 Euro).
Vom Pokern leben. Vom großen Geld hat er jedoch nie geträumt. „Es fehlt mir die nötige Bank Roll, das Geld dafür, dass ich bei großen Turnieren mitspielen kann.“ Seine Begabung für logisch-mathematisches Denken wäre zumindest eine gute Grundvoraussetzung dafür. Denn Pokern sei vom Glück beeinflusst, aber eben nicht nur. „Ich glaube wenn ich das Studium schmeißen würde und Pokern als Fulltime-Job betreiben würde, könnte ich davon leben.“ Eine Profi-Pokerkarriere strebt er jedoch ausdrücklich nicht an, wie er sagt. Von Pokern werde in den Medien oft ein falsches Bild vermittelt, meint Johannes Eder. Das könne einen den „Kick geben“, werde aber überschätzt. Am wichtigsten ist eine große Merkfähigkeit für die gespielten Karten und Menschenkenntnis. „Das ist eine Fähigkeit, die einem auch im normalen Leben hilft. Ich glaube, ich kann im privaten Kreis besser einschätzen, was jemand denkt und fühlt.“
Wenig Probleme durch Pokern. Und die Gefahren des Pokerns? „Ich glaube nicht, dass Pokern das große Problem ist. Mich schockiert es vielmehr, wenn ich in ein klassisches Casino gehe. Dort verspielen Pensionisten Tausende Euro an den Automaten. Im gewöhnlichen Casino spiele ich gegen die Bank, im Poker-Casino gegen die Mitspieler“, meint Johannes Eder.