Mehr als drei Viertel (78,7%) der Österreicher/innen sind mit ihrer Lebenssituation sehr zufrieden bzw. zufrieden. Rechtzeitig vor dem Nationalfeiertag hat die Statistik Austria ihren Bericht „Wie geht’s Österreich?“ veröffentlicht. Basis des Berichtes sind vor allem Daten zur Wirtschafts- und Einkommensentwicklung, zum Konsumverhalten, zur Gesundheit und zur ökologischen Entwicklung. Und da gibt der Bericht trotz der schönen Ausgangszahl durchaus Grund, über manche Entwicklungen näher nachzudenken. So etwa ist es durch soziale und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen gelungen, trotz des Wirtschaftseinbruches im Krisenjahr 2009 die Haushaltseinkommen relativ stabil zu halten. Seither aber ist das Pro-Kopf-Einkommen kuntinuierlich zurückgegangen, während die Gesamtwirtschaft gewachsen ist. Die Verteilung des gemeinsam erwirtschafteten „Kuchens“ durch den Markt funktioniert nicht mehr so richtig. Unterstrichen wird das auch dadurch, dass sich der Trend des Auseinanderklaffens von niedrigen und hohen Einkommen unvermindert fortsetzt. Auch die Zahl der Armutsgefährdeten, immerhin 1,4 Millionen Österreicher/innen, hat sich seit dem Krisenjahr nicht vermindert. Auch für diese Gruppe, in der sich besonders viele Mehrkindfamilien, Alleinerziehende, Zuwanderer und Menschen mit Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt befinden, hat die wieder angelaufene Konjunktur nichts abgeworfen. Sie bleiben weiter am Rande, auch ihre Kinder – denn Armut verhindert in Österreich nach wie vor vielfach eine chancengerechte Ausbildung. Man darf sich mit den „Zufriedenen“ freuen, aber die Herausforderung sind die Ausgegrenzten. Auf ihre Bedürfnisse sollte man mit einem geschärften Blick hin- und nicht hinwegschauen.