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Mesner mit Herz – Kirche mit Weite

Seit einem Vierteljahrhundert ist Georg Windtner aus der Stfitspfarre St. Florian Obmann der Mesnergemeinschaft in der Diözese Linz. Was die Kirche in Zukunft vor allem brauchen wird ist Ehrlichkeit, sagt er.
Ausgabe: 2012/45, Mesner, Herz, Kirche, Weite, Windtner, Mesnergemeinschaft, Totengräber, Stiftspfarre, Konzil
06.11.2012
- Matthäus Fellinger
Die Nähe zur Kirche prägt den Alltag der Familie Windtner – seit Generationen schon. Georg Windtner stammt aus der bekannten Orgelbauer-Familie aus St. Florian – doch sein beruflicher Weg lief dann anders.
An den Händen von Oma und Opa – Letzterer war Stifts-Zimmermann gewesen – haben die Brüder Windtner damals den Weg in die Kirche gefunden – ganz wörtlich. Man lebte in Sichtweite des Stiftes. Uhr brauchte man damals keine. Der Glockenschlag des Stiftes prägte den Alltag nicht nur der Chorherren und Stiftsangestellten.
1965, kurz vor Ende des Konzils, wurde Georg Windtner Stiftsmesner. Später kam auch noch die Aufgabe des Totengräbers dazu. 43 Jahre lang war das sein Beruf – mehr eine „Berufung“, sagt Windtner. Im kommenden Jahr werden 25 Jahre voll sein, in denen er Obmann der Mesnergemeinschaft in der Diözese Linz ist. Diese wiederum feiert am 14. November ihr 60-jähriges Bestehen in Oberösterreich. Oben am Wilbirgweg, mit einem weiten Blick über das Stift hin in das Land, lebt Georg Windtner mit seiner Frau Christine. Die hl. Wilbirg ist ihm ans Herz gewachsen, gilt sie doch als die Retterin des Stiftes St. Florian, als die Chorherren das im 13. Jahrhundert darniederliegende Stift schon aufgeben wollten. Das Stift selbst hat das Auf und Ab im Lauf der Zeiten immer wieder erlebt. Brände. Glaubenskriege. Die Beschlagnahme durch Hitler.
Der „ausgesetzte“ Posten des Stiftsmesners von St. Florian brachte Georg Windtner mit unzähligen Menschen in Kontakt. Kein Bischof in Österreich, den er nicht wenigstens einmal in der Kirche geführt hätte. Staatsgästen und hochrangigen Besuchern des Landes zeigte er das Stift. Selbst den späteren Papst Benedikt XVI. hat Windtner mit dessen drei Geschwistern durch die Kirche geführt, als dieser in Oberösterreich auf Urlaub war. Doch für Georg Windtner waren die ganz gewöhnlichen Kirchenbesucher genauso wichtig. Die Kinder zum Beispiel – oder die Ministrantinnen und Ministranten, die jedes zweite Jahr beim großen MINI-Tag das Stift in Beschlag nehmen.

Die Zeit der großen Zahlen. Georg Windtner gehört nicht zu denen, die den Wandel der Kirche nur mit Sorge betrachten. Die Zeit hat er gut in Erinnerung, als an einem Sonntag im Stift noch zehn Messen gefeiert wurden. An einem Wochentag wurden ab fünf Uhr früh sieben bis zehn „Einzelmessen“ gefeiert. „Gehalten“, müsste man eigentlich sagen, denn Volk war keines dabei. Für jede Messe galt es, alles vorzubereiten und dann auch wieder wegzuräumen. Das war vor allem Arbeit. Ein „Mitfeiern“ war dem Mesner schwer möglich. 73 Chorherren gehörten zur Ordensgemeinschaft, als Windtner mit seinem Mesnerdienst begann. Heute sind es 37. Der „Ziffernsturz“ gibt Windtner zu denken.

Das Konzil war ein Segen. Das Konzil und die damit verbundene Liturgiereform sieht Georg Windtner als einen großen Segen. Da wurden nicht mehr Einzelmessen an Seitenaltären gehalten, die Priester feierten in Konzelebration. Die Beteiligung der Gottesdienstgemeinde ist viel intensiver geworden. Man wohnte der Messe nicht mehr nur bei, man feierte jetzt gemeinsam. Georg Windtner bezieht das auch auf die innere Teilnahme an den Feiern.
Bei Hochzeiten zum Beispiel. Wie am Fließband wurden sie früher in der auch als Hochzeitskirche beliebten Stiftskirche „abgewickelt“. Zehn Hochzeiten an einem einzigen Samstag, erinnert sich Windtner, war der „Rekord“. Alles war sehr einfach, den Vorschriften entsprechend – aber Feierlichkeit war kaum zu spüren. „Die innere Teilnahme der Menschen an den liturgischen Feiern ist viel deutlicher zu spüren als damals.“ Georg Windtner erzählt von den Firmungen. Bis zu 1900 Buben und Mädchen wurden früher an einem Pfingstsamstag im Stift gefirmt, in vier Durchgängen mit jeweils zwei, drei Firmspendern. Heute sind es hier viel weniger Firmlinge – es gibt ja jetzt die Pfarrfirmungen –, aber wie sie heute zur Firmung kommen, da liegt für Windtner ein großer Unterschied zu früher. „Wie gut die oft vorbereitet wurden, das spürt man – und sie sind viel mehr bei der Sache“. Auch hier gilt für ihn: Die Zahlen haben nachgelassen, aber die Mitfeier ist intensiver geworden.

Zuversicht aus Erfahrung. Eine Veränderung erlebte Windtner unter den Mesnern selbst. Früher waren Mesner „Einzelkämpfer“, erzählt er. Schneider, Bäcker und Schuster – das waren die typischen Mesner-Berufe. Heute ist die Mesnerei weitgehend zur Teamarbeit geworden, und seit schon rund 30 Jahren leisten etwa gleich viel Frauen wie Männer diesen Dienst.
Die Mesnergemeinschaft kümmert sich darum, dass es Begegnung unter Mesnern gibt und dass auch für Fortbildung gesorgt wird. Die Ausbildung und die spirituellen Angebote werden gut angenommen. Am heurigen Mesner-Einkehrtag haben 172 Mesner/innen teilgenommen. Das Priesterseminar war dafür zu klein, so musste man in die Karmelitenkirche ausweichen.
Worauf steuert die katholische Kirche zu? Zu den Pessimisten will sich Windtner nicht zählen lassen. Was die Kirche vor allem brauchen wird, sagt er, ist Ehrlichkeit.
Da kommt er auf Franz Jägerstätter zu sprechen – den seligen Oberösterreicher, der in St. Radegund Mesner war. Bei Jägerstätter-Gottesdiensten ist Windtner, wenn es nur irgendwie geht, immer dabei. Seine Redlichkeit, seine Ehrlichkeit beeindrucken ihn. Vielleicht wird Jägerstätter neben der Immaculata zweiter Mesnerpatron. Die Mesnergemeinschaft bemüht sich darum.

Kirche braucht Weite. Neben der Ehrlichkeit braucht die Kirche auch Weite, meint Windtner. Als Mesnerobmann weiß er darum, dass es in den Kirchen heute genug Platz für alle gibt. „Was mich stört“, sagt er, „ist, wenn Gruppen einer Gesinnung andere nicht akzeptieren wollen – Man darf ruhig konservativ sein, aber man soll nicht verlangen, dass alle anderen das auch sind“, wünscht er sich größere Offenheit. Man kann, so Oberösterreichs erster Mesner, das Rad nicht einfach zurückdrehen. Der Mesnerdienst ist ein Dienst, der die Freude der Menschen stärken soll – sagt Oberösterreichs oberster Mesner.
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