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„Die Kommunion verweigere ich nicht“

Gramastetten hat einen neuen Fachausschuss „Menschen in jeder Beziehung“. Wie die Pfarre mit Geschiedenen, Wiederverheiraten und Homosexuellen umgeht, erklärt Pfarrer Pater Reinhold Dessl.
Ausgabe: 2012/49, Menschen in jeder Beziehung, Kommunion, Dessl, Gramastetten, Geschieden, Wiederverheiratet, Homosexuell
04.12.2012
- Paul Stütz
In der Pfarre Gramastetten wurde ein Fachausschuss „Menschen in jeder Beziehung“ installiert? Aus welchem Grund?
P. Reinhold Dessl: Wir möchten wirklich offen sein für jede Form der Beziehung. Das ist keine Abwertung von Ehe und Familie, aber es soll den Bogen weiter spannen. Es gibt immer mehr Patchwork-Familien. Was ist Ihr eigenes Ideal von Familie?
Ich glaube, man muss zuerst die Realität wahrnehmen, wie sie ist. Und dass sich die Formen von Familien verändert haben im Lauf der Jahrhunderte. Ganz subjektiv erlebe ich, dass die kirchliche Ehe überhaupt kein Auslaufmodell ist. Ich spüre bei den Paaren viel Vertrauen in die Zukunft. In welcher Art der Familie sind Sie selbst aufgewachsen?
Ich komme aus einer klassischen Mühlviertler Bauernfamilie: Eltern, Großeltern, fünf Kinder. Wie ist Ihnen dieses Zusammenleben in Erinnerung?
Es war für uns Kinder immer jemand da oder zumindest in der Nähe. Ich glaube, das ist etwas Entscheidendes. Ganz positiv ist mir die gegenseitige Unterstützung der Generationen unter einem Dach in Erinnerung. Welches Umfeld kann eine Pfarre schaffen, damit mehrere Generationen zusammenkommen?
Generell sind die Treffpunkte der Pfarre für alle offen. Zum Beispiel der Pfarrball, der von der Katholischen Jugend der Pfarre und Poly-Schülern organisiert wird, da sind wirklich alle Generationen beteiligt. Wie können Sie die Jungen motivieren?
Für mich ist ein Schlüssel, dass ich den Jugendlichen was zutraue. Ich bin nie von ihnen enttäuscht worden. Der Sonntagsmessbesuch geht überall zurück. Ist eine Pfarre wie Gramastetten noch ein gemeinschaftsstiftender Punkt?
Das glaube ich schon, wir decken außerdem mit unseren Veranstaltungen unter der Woche einiges ab. Wir sind auch insofern offen, dass sich bei uns viele Vereine des Ortes treffen. Machen Sie bei den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen der Pfarre einen Unterschied, was deren Beziehungsstatus betrifft? Wenn Ihnen jemand von Scheidungen erzählt oder Wiederheirat?
Ich möchte wirklich vorurteilsfrei auf alle zugehen und alle einladen in der Pfarre mitzuarbeiten. Auch jene, deren Ehe gescheitert ist bzw. die wiederverheiratet sind. Sie sind vollwertige Mitglieder der Pfarre. Das steht außer Zweifel. Auch kirchenrechtlich. Ein heikler Punkt ist die Kommunion für Geschieden-Wiederverheiratete. Wie machen Sie das in Ihrer Pfarre?
Das mache ich so wie hoffentlich alle Priester. Es wird niemand zurückgewiesen, der zur Kommunion geht. Jetzt gehe ich davon aus, dass jene, die kommen, sich auch etwas denken dabei. Was denken Sie über Priester, die jemanden zurückweisen bei der Kommunion?
Mir ist kein Beispiel bekannt. Diese Beispiele gibt es aber. Haben Sie Verständnis, wenn ein Priester sagt: Ich kann bei euch  Wiederverheirateten nicht mit, ihr lebt in Sünde, ich will nicht, dass ihr bei mir zur Kommu­nion geht?
Ich mag die Gewissensentscheidung eines Priesters respektieren. Aber ich kann es nicht nachvollziehen, wenn jemand zurückgewiesen wird. Auf keinen Fall soll jemand öffentlich bloßgestellt werden. Schlüsselpunkt für die Kirche muss der Ausspruch Jesu sein: „Ich bin nicht gekommen zu richten, sondern zu retten.“ Haben Sie den Eindruck, dass sich Leute leichtfertig scheiden lassen?
Ich denke grundsätzlich, dass die meisten oft jahrelang ringen und dann einen Schlussstrich ziehen. Was verständlich ist. Ich sehe aber nicht in die Leute hinein. Wie schaut es bei homosexuellen Beziehungen aus. Hat da die Offenheit der Pfarre Grenzen? Wie gehen Sie als Seelsorger damit um?
Möglichst vorurteilsfrei. In allen Beziehungen, wo Verantwortung übernommen wird, können Werte gelebt werden. Das heißt, einen homosexuellen Pfarrgemeinderat könnte es bei Ihnen geben?
Die Frage hat sich noch nicht gestellt. Und wenn sie sich stellen würde?
Da müssten wir darüber reden. Ganz allgemein gesagt: Was braucht es, damit Beziehungen gelingen?
Wichtig ist, miteinander zu reden. Beziehung ist was Schönes, aber auch Arbeit, mitunter Schwerarbeit. Das kann ich Paaren nachvollziehen, weil ich es in der Klostergemeinschaft erlebe, wie fordernd Beziehung ist. Ich möchte ermutigen zur Beziehungsarbeit. Da gehört Auseinandersetzung, Konfliktfähigkeit dazu. Und Gnade, das ist die göttliche Dimension in jeder Beziehung.
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