Siebzig Jahre sind seit dem Tod ihres Mannes Franz Jägerstätter vergangen, jetzt ist Wirklichkeit geworden, wonach sie sich gesehnt und was sie auch immer wieder einmal vertrauten Menschen gegenüber ausgesprochen hat: „Ich freue mich, dass ich meinen Franz wiedersehe.“ Obwohl sie in den letzten Wochen manchmal nicht mehr ansprechbar war, konnte sie ausgerechnet an ihrem letzten Lebenstag tun, was sie Jahrzehnte hindurch gemacht hat: Besuch empfangen, intensiv zuhören und ein Lächeln schenken. Elisabeth Jungmeier, Mitglied von Pax Christi und eine Vertraute der Familie, war die letzte Besucherin: „Ich habe ihr einen lieben Brief von der amerikanischen Jägerstättergruppe ‚Friends of Franz‘ vorgelesen. Als ich fertig war, hat sie gelächelt. Das werde ich nie vergessen, das ist mir ein kostbares Vermächtnis.“
Dank der Großfamilie Jägerstätter
Wie viele Menschen von ihr verstanden, aufgemuntert oder getröstet weggegangen sind, ist nicht zu zählen. Stellvertretend für die vielen betont Diözesanbischof Ludwig Schwarz: „Für ihr Lebens- und Glaubenszeugnis sage ich ein herzliches Dankeschön und Vergeltsgott. Franziska Jägerstätter wird für unsere Diözese ein wichtiges Vorbild im Glauben bleiben.“ Der Bischof spricht auch der Familie Jägerstätter sein Beileid aus: „Es ist einzigartig, dass wir vom seligen Franz Jägerstätter die Gattin, die Töchter und die Familie dazugeschenkt bekamen und dass dadurch sein Zeugnis weiterlebt.“ Franziska Jägerstätter hatte drei Töchter, vierzehn Enkel und siebzehn Urenkel.
Fröhlich und gläubig
Dass Franziska Jägerstätter Zeit ihres Lebens ein so froher und auch humorvoller Mensch war, war nicht selbstverständlich. Nach der Hinrichtung ihres Mannes am 9. August 1943 kamen harte Jahre. Im „Jägerstätter-Haus“ am Stubentisch sitzend, zeigte sie bei einem Besuch auf das Herz-Mariä-Bild im Herrgottswinkel: „Die Mutter Gottes hat mir geholfen, dass ich das alles tragen konnte.“
Lasten tragen
Wie schwer ihre Last drückte, ließ sie sich nicht anmerken. Wie sie damit umging, hat sie zum Vorbild gemacht. Beim Vorbereiten des Begräbnisses fassten St. Radegunder Pfarrgemeinderäte ihr Lebenszeugnis so zusammen, erzählt Diakon Johann Niederreiter: „Die Franziska ist uns ein Vorbild im Beten und im Tragen, was das Leben bringt.“ Sie ist dabei nicht verbittert, ganz und gar nicht. „Wie sie sich freuen konnte!“, sagt Erna Putz. Die Jägerstätterbiografin hatte eine besondere Nähe zur Ehefrau des NS-Opfers. Wenn sie durch Wien gegangen sind, blieb Franziska Jägerstätter oft stehen und zeigte auf ein Haus: „Schau, wie schön.“ „Ich habe von ihr das Sehen gelernt“, meint Putz: „Sie hat mich angesteckt mir ihrer Freude.“
Aufbahrung und Begräbnis
Franziska Jägerstätter ist bis Donnerstag im Jägerstätter-Haus aufgebahrt, Freitag und Samstag in der Aussegnungshalle am Friedhof St. Radegund. Der Begräbnisgottesdienst findet am Samstag, 23. März, um 14 Uhr auf dem Platz vor der Pfarrkirche St. Radegund statt. Die Witwe des seligen Franz Jägerstätter wird in der Grabstätte ihres Mannes an der Kirchenmauer bestattet.