Familie Holzner aus Kleinreifling will – nur für den Eigenbedarf – ein kleines Windrad errichten. Sie bewirtschaftet einen Bauernhof. Der Standort des Windrades wäre in der Wiese, mehr als 400 Meter vom Nachbarn und 110 Meter von der Bundesstraße entfernt.
„Wäre.“ – Denn die Behörde hinter einer Politik, die für alternative Energien und ein Umdenken im Energiebewusstsein wirbt, sorgt für ein bis dato flügellahmes Windrad.
Geänderte Rechtslage
Am 23. April 2012 erteilte die Gemeinde die Baubewilligung. So ging die Familie an die Vorbereitungen, das Land hatte nur eine Bekanntgabe nach dem Elektrizitäts-Wirtschafts- und -Organisationsgesetz gefordert. Diese sandte Familie Holzner am 19. Juli 2012 ab und erhielt zwei Wochen später die Mitteilung, dass sich mit 1. Juni 2012 die „Rechtslage in Bezug auf Errichtung und Betrieb von Stromerzeugungsanlagen geändert hat“ und somit ab einer installierten Engpassleistung von 5 kW eine elektrizitätsrechtliche Errichtungs- und Betriebsbewilligung notwendig sei. „Warum“, hadern Bernhard und Burgi Holzner, „hat uns die Behörde nicht vorher darauf aufmerksam gemacht?“ Sie ließen sich aber nicht entmutigen und stellten den Antrag. Mehrere Schallmessungen in unterschiedlichen Distanzen wurden verlangt, was höchst aufwändiges Messen erfordert und wozu auch das Wetter passen muss. Dass die Erzeugerfirma für ihre Windkraft-Anlagen Schallmessungen hat, reichte nicht aus.
Mit Energie AG handelseins, aber ...
Familie Holzner will ein 10-kW-Windrad auf einem 15 Meter hohen Mast errichten. Der Stromverbrauch von 7700 kW im Jahr soll größtenteils geerntet werden. Mit der Energie-AG gibt es seit 17. August 2012 einen Vertrag, wonach diese den nicht privat gebrauchten Strom abkauft. Das Land OÖ aber, und da gleich vier verschiedene Abteilungen der Direktion Umwelt und Wasserwirtschaft, war noch mit dem Windrad-Ansuchen befasst. Am 28. September 2012 wurde die in die amtlichen Windmühle geratene Familie Holzner aufgefordert, noch fehlende Unterlagen nachzureichen, was diese am 10. Dezember erledigte. Nur in einem Punkt konnte sie nicht entsprechen – ein erneuter Versuch der Erzeuger-Firma, die geforderte Schallmessung durchzuführen, ist gescheitert.
Landesrat Rudi Anschober
Auf Anfrage der KirchenZeitung Mitte Februar 2013 zeigte sich Landesrat Rudi Anschober interessiert an einer guten und raschen Lösung. Er verstand den Unmut von Familie Holzner über unkoordinierte Behörden – dass der Bürger an all jene Ämter, die in ein- und derselben Sache befasst sind, gleiche Unterlagen senden muss, statt dass sich diese Behörden vernetzen. Aber diese Vorgangsweise sei im AVG vorgesehen. Bis Redaktionsschluss hat sich nichts getan, außer dass Familie Holzner eine weitere Unterlage nachbringen muss.
„Ich kann das Gerede nicht mehr hören!“
Bernhard Holzner – er ist auch Lehrer an der „Bergbauernschule“ LFS Hohenlehen, die ein biologisch/ökologisches Profil hat – ist schwer enttäuscht: „Ich kann das Gerede von der Energiesparmesse und vom Energiesparen nicht mehr hören!“ Die Familie fühlt sich im Stich gelassen. „Wir beuten die Erde aus, belasten mit unserer Wirtschaftsweise die Umwelt und die Zukunft unserer Kinder. Das Windrad soll auch ein Zeichen sein, da gibt es Menschen, die anders denken, anderes wollen, den Kindern keine große Hypothek hinterlassen wollen.“ Die Mühlen der Behörde aber drehen sich langsam. Und damit dreht sich das Windrad noch nicht. Die viel beschworene Alternativ-Energie bräuchte einen Energie-Schub.
Photovoltaik
Die Pfarre Asten hat zum Jahreswechsel eine böse Überraschung erlebt: Ab 0 Uhr war am 1. Jänner in der Theorie das Internetportal für die Antragstellung zur Förderung einer Photovoltaikanlage geöffnet. Alleine: Man kam nicht durch. Professionelle Unternehmen, so der Verdacht, hätten für viele Kunden gleichzeitig eingereicht und damit die Leitungen blockiert. Gutgläubige Einzel-Antragsteller hätten keine Chance gehabt. Landesrat Rudi Anschober kündigte an, dafür einzutreten, dass solches nicht mehr passieren kann.