„Es ist ein Armutszeichen, dass wir im drittreichsten Land der EU über Armut reden müssen“, meinte Caritasdirektor Franz Kehrer bei einer „Sozial“-Diskussion in Wels am 21. März. „Aber wir müssen es“, setzte er fort, etwa über die Wohn-Armut.
An der Diskussion, zu der das Soziale Netzwerk Wels eingeladen hatte, nahmen weiters teil: der Präsident der Volkshilfe Österreich, Univ.-Prof. Josef Weidenholzer – er ist auch EU-Parlamentarier –, Landeshauptmanns-Stellvertreter Josef Ackerl und Primar Werner Schöny, Vorstandsvorsitzender von pro mente Österreich.
Druck machen
Ihr Befund fiel ziemlich einheitlich aus: Die Armut wird mehr, sie bedroht Jung und Alt, Alleinerziehende, Migrant/innen. Die Armut ist oft nicht sichtbar, sie ist verschämt und vielfältig. Das Budget reicht nicht, um alle Aufgaben zu erfüllen. In den Sozialeinrichtungen nimmt daher die Belastung der Mitarbeiter/innen zu. Ein guter Teil der Diskussion wurde zur Strategie gegen die Armut geführt. Das für Soziales zuständige Mitglied in der Oö. Landesregierung, Josef Ackerl, wies mehrmals darauf hin, dass eine sozialere Politik eine bessere budgetäre Austattung brauche. Sozialpolitik oder neoliberale Politik laute die Entscheidung. Die Bürger/innen müssten Druck machen, meinte Weidenholzer. Kehrer pflichtete dem bei. Ackerl bat darum, nicht bei ihm Druck zu machen, sondern bei denen, die für das Budget zuständig sind.
Sozial oder neoliberal
Wohin neoliberale Politik führt, berichtete bei einer anderen Veranstaltung in Linz die Griechin Katerina Notopoulou. Sie arbeitet ehrenamtlich mit vielen anderen in der „Klinik der Solidarität“ in Thessaloniki und war auf Einladung von „weltumspannend arbeiten“ (ÖGB) einige Tage in Österreich. Die Klinik versorgt Menschen, die keine Krankenversicherung haben, was schon auf 40 Prozent der Griechen zutrifft. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei über 60 Prozent.
Bewältigbar
Zurück zur Welser Diskussion: Die sozialen Aufgaben der Zukunft sind zu bewältigen, im psychischen wie im materiellen Bereich, in der Pflege wie bei der Integration. Das braucht Wertschätzung der Sozial-Arbeit, was sich u.a. in der Bezahlung ausdrückt, Dialog aller Beteiligten, Solidarität und auch Ehrenamt. Die Caritas kann sich hier auf viele Helfer/innen in den Pfarren stützen. Im April sind 8000 von ihnen bei der Caritas-Haussammlung engagiert.