Im Pfarrheim Linz-Hl. Geist wurlt es. Die Großen gehen, die Kleinen kommen. Zehn Kinder sitzen mit ihren Mamas im Kreis. Sie winken, stampfen, blödeln und singen mit voller Begeisterung. Sissy und Lisa begrüßen die Kleinen. Jedes Kind mit seinem Namen. Und das schon seit fast zwei Jahren.
Noch ein paar Minuten, dann beginnt die Spielgruppe. Mama Eva trägt den bald zweijährigen Tobias auf dem Arm. Jedes an die Wand gemalte Tier wird begutachtet und benannt. Schaf. Kuh. Frosch. Und natürlich weiß Tobias genau, welche Geräusche die Tiere machen. Mit fünf Monaten ist Tobias zum ersten Mal in die Spielgruppe gekommen. Mit ihm Jakob, Florian, Alexander, Nina, Anja und Greta. Im Lauf der Monate gesellten sich noch ein paar Kinder dazu. Die familiäre Atmosphäre, die gleichen Anfangs- und Endrituale gefallen Eva Schlager-Hahn besonders: „Nie vergessen werde ich die Geburtstagsfeiern meiner beiden Kinder“, sagt die engagierte Mama von Tobias und Simon. Dass Feste in der Gemeinschaft gefeiert und Botschaften transportiert werden, hält sie für wichtig und schätzt das auch in dieser Gruppe.
Leuchtende Augen
Mit dem Lied „Hallo, hallo, schön, dass du da bist!“ beginnt die wöchentliche Runde. Die Puppe Lisa begrüßt gemeinsam mit Leiterin Sissy jedes Kind einzeln. Die leuchtenden Augen der Kinder und die Begeisterung am Spiel, die die Kleinen dabei entwickeln – das lässt auch heute noch das Herz von Sissy Kickingereder (54) höher schlagen. Nach 20 Jahren Spielgruppen-Praxis zeigt sie keinerlei Ermüdungserscheinungen und kann sich noch immer für die Anliegen der Kleinen erwärmen. Singen, tanzen, spielen, kreativ gestalten, im Raum bewegen, einmal still sein und zuhören, sind Elemente einer Spielgruppe. Rituale, immer wiederkehrende Lieder, Spiele und Texte lieben die Kleinen. Nicht ganz 90 Minuten dauert eine Einheit. Einmal wöchentlich trifft sich die Gruppe in der Pfarre Linz-Hl. Geist, die um die zehn Kinder mit ihren Mamas vereint. Über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren entstehen Freundschaften untereinander, die viele Jahre andauern, weiß Kickingereder aus eigener Erfahrung.
In die Eltern-Rolle hineinwachsen
In Oberösterreich gibt es insgesamt 182 SPIEGEL-Treffpunkte des Katholischen Bildungswerks. An die 300 Kinder hat sie als Leiterin in der Pfarre Linz-Hl. Geist seit 1995 begleitet, dazu Eltern und hin und wieder Großeltern. Frauen bilden die große Mehrheit, aber auch Väter kommen immer öfter. Sie erlebt, wie Frauen in ihre neue Rolle als Mama hineinwachsen und wie die Freude bei ihnen wächst. „Für Mütter ist es wichtig, Kontakte aufzubauen zu jenen, die sich in einer vergleichbaren Lebenssituation befinden, und mir ist es wichtig, dass Frauen Anerkennung, Bestätigung und Wertschätzung als ,Mutter‘ erfahren, denn Mutter-Sein ist einer der schönsten und wichtigsten Berufe der Welt!“, sagt Sissy Kickingereder, selbst Mama von drei mittlerweile erwachsenen Kindern. Durch die eigenen Kinder ist sie vor über 20 Jahren mit Spielgruppen in Kontakt gekommen und hat kurz darauf selbst eine Spielgruppe übernommen.
Gesellschaftlicher Wandel sichtbar
„Es ist schade, dass sich heute kaum Mütter finden, die eine Spielgruppe leiten wollen“, stellt sie fest. Der gesellschaftliche Wandel macht auch vor einer Spielgruppe nicht Halt: Die Kinder gehen früher in Krabbelstube und Kindergarten. „In den zwei Jahren, die sie in der Spielgruppe sind, besuchen die Kinder auch noch den Babyschwimmkurs und das Mutter-Kind-Turnen. Ich habe den Eindruck, dass Kinder heute zu viel belastet werden und zu viele Eindrücke bekommen.“ Umgekehrt erleichtern Spielgruppen den Einstieg in Krabbelstube und Kindergarten. Die Kinder werden sicherer im Umgang und können sich in einer Gruppe besser eingliedern, erzählt Sissy Kickingereder, die mehrere Gruppen in der Pfarre ehrenamtlich leitet. Nicht nur für Tobias und Jakob ist mit Ende des Schuljahres Schluss in der Spielgruppe. Im Herbst beginnt zwar nicht der Ernst des Lebens, aber doch ein neuer Abschnitt: die Krabbelstuben-Zeit. „Alle Kinder gehen jetzt nach Hause!“ heißt das Schlusslied, das vorher noch etliche Male gesungen wird. Wie schön!