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Das gekaufte Weihnachten

„Wenn jemand die Erdenbewohner von außen beobachten würde, würde er sich über ein solches Verhalten wundern, das bisweilen selbstmörderisch ist.“ Papst Franziskus in der Umweltenzyklika „Laudato si‘“.
Ausgabe: 2015/49, Weihnachten, Einkaufshektik, Advent, Konsumdrang
01.12.2015
- Ernst Gansinger
© Jrgen Flchle - Fotolia
„Es gibt nicht zwei Krisen nebeneinander, eine der Umwelt und eine der Gesellschaft“, schrieb der Papst in seiner Enzyklika, die heuer im Juni veröffentlicht worden ist.  Es gebe „eine einzige und komplexe sozio-ökologische Krise“, setzt er fort.  

Advent-Hektik


Diese Krise zeigt  sich  im  Advent ausgeprägt. Etwa, wenn in Wels wegen der „Welser Weihnachtswelt“ an den Sonntagen Geschäfte mit Erlaubnis von Landesrat Dr. Michael Strugl geöffnet haben. Oder wenn der Feiertag 8. Dezember zum Einkaufstag geworden ist. Und wenn die Kaufhektik Städte und Kaufhäuser überflutet.  

Selbst versorgen


An der Universität Linz haben Soziologie-Studentinnen und Studenten mit Universitätslektor Dr. Andreas Hunger zum „Wert der Subsistenz“ gearbeitet und ein Buch im Trauner-Verlag veröffentlicht. Das spröde Wort Subsistenz meint „Bestand“, „Selbstständigkeit“. Der Mensch kann für sich sorgen. Er ist nicht notwendigerweise bloßer Konsument. Andreas Hunger sieht die universitären Erkenntnisse nahe bei den päpstlichen Mahnungen. „Die industrialisierte Welt sieht die Natur nur noch als Raum, aus dem herausgeholt und in den entsorgt wird. So zerstören wir die Natur“, mahnt Hunger.  

Wert der Mühe


Wir haben gelernt: Der Markt macht es besser. Die Konsumphilosophie sieht den Menschen als belieferungsbedürftiges Mangelwesen. „Wir werden unserer eigenen Fähigkeiten entfremdet“, meint Hunger und sieht einschneidende Folgen dieses Marktglaubens, weil wir zu den Dingen, die wir brauchen, keine Beziehung mehr haben. Wir wissen nicht mehr um die Mühe dahinter. „Wer Karotten selber zieht, weiß, was er dazu an Arbeit einbringen muss.“

Sonntags-Öffnung und 8. Dezember


Gegen die Welser Geschäftsöffnung an den vier Adventsonntagen (eh nur ohne Mitarbeiter, so die Erlaubnis) liefen viele Sturm. Unter anderem die „Allianz für den freien Sonntag“. Deren Sprecher Christian Öhler, Pfarrer von Bad Ischl und Geistlicher Assistent der Katholischen Aktion der Diözese Linz, verwies darauf, dass letztes Jahr einige der betroffenen Geschäfte in Wels widerrechtlich geöffnet und dafür Strafe bezahlt haben. Öhler weiter: „Was ist das Bekenntnis der Landesregierung zum arbeitsfreien Sonntag wert, wenn dem Druck und dem ungesetzlichen Handeln einiger weniger nachgegeben wird?“ Die Kirche wendet sich seit Jahren auch gegen das Aufsperren der Geschäfte am Feiertag, 8. Dezember. Er wird als „Kauf-nix-Tag“ beworben, und es wird angeregt den Feiertag bewusst zur Erholung, für soziale Kontakte und als Familientag zu nutzen. Die Katholische Aktion Wien stellt dem Kauf-Fieber ein Ruhe-Motto gegenüber: „Verschnaufen vom Kaufen“.

Konsum-Unterwerfung


Warum wird die Konsum-Unterwerfung immer noch mehr? Warum denkt der Mensch nicht um? Diese Frage beantwortet der Soziologe Andreas Hunger unter anderem mit dem Verweis darauf, dass es Mühe macht, für sich selbst zu sorgen. Und Mühe wird nicht geschätzt. Für sich selbst sorgen, Subsistenz leben, könne man auch in der Stadt, ohne einen Garten zu haben, etwa durch bescheidenen Lebensstil und sparsamen Umgang mit der Energie. Auch trösten ist eine Selbstversorgungs-Leistung, und wiederverwenden, reparieren, Socken stopfen ...

Dem Besonderen entgegengehen


Effizienzdenken sickert in alle Lebensbereiche. „Es zerstört unser Zusammenleben, das zum Teil auch irrational und emotional ist.“ Der Advent wäre ein Ausrichten darauf, dass Besonderes kommt. Dem Menschen, so Hunger, fällt jedoch wenig ein, wie er dem Besonderen begegnen soll. Da helfe der Markt. Er bietet an: Kauf, schenk! – Pseudolösungen. – Selbstgemachtes und geschenkte Zeit würden dem Besonderen viel eher entgegenkommen. Subsistenz würde durch die ihr innewohnende Mühe erfahren lassen, dass der Mensch vieles nicht braucht. Dabei würde er die eigenen Fähigkeiten entdecken und Mut gewinnen, sie einzusetzen.  
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