BRIEF_KASTEN
Zum Zukunftsweg „Kirche weit denken“.
Dass auch wir uns als „Nichtamtsträger“ bei der Diskussion über den „Zukunftsweg – Kirche weit denken“ einbringen können, finde ich begrüßenswert. Ja, es muss sich einiges ändern in unserer Kirche. Die aktuellen, leider viel zu späten „Geständnisse“ des Papstes, unseres Kardinals und auch aus Kärnten unterstreichen dies sehr deutlich. Es müssen aber nicht nur Strukturen geändert werden (...). Wollen wir nahe (näher) bei den Menschen sein und die „Kirche weit denken“, erfordert dies ein radikales Umdenken in mehreren grundsätzlichen Fragen und Haltungen:
• Fordern wir die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, vor allem den Zugang zu allen Weiheämtern.
• Sagen wir Ja zu den verschiedenen sexuellen Orientierungen und unterschiedlichen Lebensformen von Männern und Frauen in unserer Gesellschaft – und begleiten wir sie, wenn sie dies wollen.
• Vermeiden wir jede Form einer klerikalen Kirche und fördern wir stattdessen die Bildung von überschaubaren kirchlichen Gemeinden und Gemeinschaften, in denen die Mitglieder engagierten, bewährten Männern und Frauen Funktionen, ihren Fähigkeiten entsprechend, übertragen können. (...)
Aber auch wir, die „Nichtamtsträger“, müssen bereit sein, dazu unseren persönlich möglichen Beitrag zu leisten. Bitten wir Gott, dass er uns die dafür erforderliche Freude, Kraft und Ausdauer schenkt.
Hans Riedler, Linz
Bei den Plänen der Diözese Linz, dem Priestermangel beizukommen, fiel mir sofort das Wort eines Philosophen ein: „Es kann das Richtige nicht im Falschen geben.“
Die Umbenennung von Dekanaten in „Pfarren“ negiert, dass jede „Pfarrgemeinde“ mindestens eine Person braucht, die geistlich-spirituell und theologisch so gebildet ist wie bisher die Priester. Nur so können die richtigen Schwerpunkte gesetzt werden und kann auf das geachtet werden, was wirklich für die Menschen wichtig ist - gegen allen seelsorglichen „Populismus“. (...) Es geht nicht um die Rückkehr zu einem falschen Klerikalismus früherer Zeiten. Aber es braucht Priester(innen), die sich aus Liebe zu den Menschen gut geistlich-theologisch ausgebildet haben und damit die rechte „Übersicht“ haben.
Mit der momentanen Lösung kniet man nieder vor der längst überholten Zölibatsverpflichtung und der Nichtzulassung von Frauen zum Priestertum. In spätestens zehn Jahren sind die jetzigen Veränderungen auch hinfällig, bedenkt man das Durchschnittsalter der Priester.
Bemüht man sich da genug um die grundsätzliche Änderung des „Falschen“, damit endlich das „Richtige“ kommen kann? Damit wir uns wieder ganz mit dem Glauben beschäftigen können und uns mehr auf unseren Herrn Jesus Christus besinnen können und lernen, unsere Glaubensfreude – vor allem von Mensch zu Mensch – weiterzugeben.
Als ungehorsamen, aber sinnvollen Einstieg könnte man die Priester, die ihr Amt wegen Heirat verloren haben (wenn die meisten auch schon relativ alt sind), einladen, Pfarrgemeinden zu leiten. Vielleicht würde das auch an höherer Stelle etwas bewegen.
Mag. Gilbert Schandera, Kurat, Gallneukirchen
Ungemein betroffen und menschlich empfand ich die Reaktion von Kardinal Schönborn im Gespräch mit Frau Doris Wagner. Sehr betroffen machen mich und meine Frau auch die Aussagen von Papst Franziskus und die weltweiten Meldungen vom oftmaligen Versagen des Klerus. Gott sei Dank geht die Kirche in Österreich seit 2010 einen ganz guten Weg, der aber immer noch verbessert gehört. Unterstützt wird er auch von namhaften Personen und Fachleuten. Es ist höchste Zeit, dieses Zudecken und den Mantel des Schweigens in der Kirche aufzuheben. Besonders muss auch an der Vorbeugung gegen dieses Fehlverhalten gearbeitet werden (Wertschätzung der Frau, Ombudsstellen, Kontrolle, Sprechverhalten usw.).
Ich denke, dass die Kirchenobrigkeiten weltweit mit Papst Franziskus an einem Strang ziehen müssen, da ansonsten die Glaubwürdigkeit unserer Glaubensgemeinschaft total am Ende ist. Da brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn nicht nur die Opfer, sondern auch viele andere Menschen der Kirche den Rücken kehren.
Robert Klausberger, Katsdorf
Zu „Linzer Friedensgespräche“
(...) Ich bin verwirrt über die Feststellung von Prof. Brock „Die Kehrseite der Demokratie ist der Krieg“. Welche Wahlen haben die Kriege im letzten Vierteljahrhundert legitimiert? Die Aussage „Die Kehrseite des unheimlich Ressourcen verschlingenden und auf unbegrenztem Wachstum basierenden Neoliberalismus ist Krieg“ würde meines Erachtens zutreffen. „Diese Wirtschaft tötet“, hat Papst Franziskus verlautbart und damit das wahre Übel beim Namen genannt. (...) Es erscheint nach der Lektüre des Artikels der Eindruck, Kriege seien eine – wenn auch traurige – Notwendigkeit. Der Friedens- und Konfliktforscher Prof. Brock versäumt es, in seinen Ausführungen die wahren Kriegstreiber beim Namen zu nennen. (...) Kriege und damit einhergehendes unglaublich großes menschliches Leid sind nicht die Kehrseite der Demokratie, sie sind die hässliche Seite und Folge von wachsender globaler Ungerechtigkeit, wirtschaftlicher Schräglage und sozialer Verwerfung. Die besonders aggressive Politik des Neoliberalismus zieht eine Blutspur durch die Länder des Südens und Ostens und hat die Demokratie in den vergangenen Jahrzehnten in beispielloser Weise ausgehöhlt. Sie führt auf der ganzen Welt zu unmoralischer Ungleichverteilung von Wohlstand und bringt auch in den reichen Ländern das Sozialgefüge aus dem Gleichgewicht. Kriege sind vermeidbar und werden von der Mehrheit der Menschen auf der Welt nicht gewollt. Umbau der Wirtschaft, Energiewende und Abrüstung sind der Weg zum Frieden. (...)
Barbara Holzmann-Hollinetz, Wartberg ob der Aist
Auf dem Titelbild der Ausgabe Nr. 6 ist Papst Franziskus mit dem Großimam Ahmad al-Tayyeb in Zusammenhang mit der Papstreise in die Vereinigten Arabischen Emiraten abgebildet. Als meine Enkeltochter Sarah, 4 Jahre, das Bild ungewöhnlich lange betrachtete, fragte ich sie: „Weißt du, wer da auf dem Foto ist?“ Sie nickte und sagte sehr bestimmt Ja. Meine Überraschung war doch sehr groß. Ich dachte, vom Elternhaus her würde sie das nicht wissen, aber sie geht in
einen Pfarrkindergarten. Ich fragte sie dann noch: „Ja, und wer ist denn das?“ Sie deutete auf Ahmad al-Tayyeb und sagte: „Das ist der, der ‚Ein Stern, der deinen Namen trägt‘ singt.“ Sie meinte den Sänger DJ Ötzi. Oje, das war nicht die Antwort, die ich erwartete – aber ich konnte wenigstens schmunzeln.
N. N., Name der Redaktion bekannt
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