BRIEF_KASTEN
Arm ist, wer es nicht kann und niemanden hat, der ihm vorliest. Wie ein Mensch, der in der fremden Stadt unterwegs ist, steht er da, und er kann die Schilder nicht lesen, die ihm zeigen, wo er sich befindet und wie weit es noch ist. „Heilig“ nennen die Christengemeinschaften die Schrift, deren Weisheiten, Gleichnissen, Deutungen und Erzählungen sie folgen und in deren Worten sie auch beten. Die Ursprünge des Glaubens, die Verheißungen Gottes, sind nachlesbar. Das Christentum ist so etwas wie eine Lesegemeinschaft – mit einer heiligen Schrift als ihre große Gemeinsamkeit. Kein einfaches Buch ist es, sondern eines, das gedeutet sein will. Da kommt es nicht so sehr darauf an, wie schnell und viel jemand liest, sondern ob sich ein Mensch zu Herzen nimmt, was er gelesen und verstanden hat. Die Buchstaben der Schrift werden zu Gesichtszügen und Fußspuren des Lebens. Sie prägen den Weg. Beim Essen ist es vielen Menschen sehr bewusst: Es ist wichtig, dass man auf die Nahrungsmittel achtet: woher sie kommen, wie sie erzeugt wurden. Auch die Seele will mit Bedacht genährt sein, denn es ist nicht gleichgültig, wes Geistes Kinder Menschen sind.
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