BRIEF_KASTEN
Während sich Europa im 21. Jahrhundert hinter Stacheldraht versteckt, um die aus afrikanischen Ländern fliehenden Menschen fernzuhalten, wählte der Sklavenhandel eine andere Form der Menschenverachtung. Millionen Männer, Frauen und Kinder wurden als lebende Güter zur Ankurbelung der Wirtschaft aus vielen Teilen Afrikas nach Nordamerika verfrachtet. Und das, nachdem sich europäische Wirtschaftsflüchtlinge Nordamerika durch Völkermord angeeignet hatten. Wenn am 25. Mai 2020 ein 46-jähriger Mann am Boden liegend langsam erstickt, während zwei Männer auf ihm sitzen und einer in seinem Nacken kniet, dann ist das wie ein böses Sinnbild, wie eine Verdichtung dessen, was schon passiert ist. George Floyd wurde verdächtigt, dass der Geldschein, um den er sich soeben Zigaretten gekauft hatte, gefälscht war. Deshalb wurde die Polizei geholt. Die zu oft strapazierte Frage, ob Amerika oder Europa rassistischer sei, ist irrelevant. Wo beginnt Gewalt? Und wie werden wir sie los? Mit dieser Hypothek einer gewaltvollen Geschichte! Doch halt. Auch die Vergangenheit war nicht nur gewaltvoll. Mitten durch die Geschichte der Gewalt bahnt sich die Liebe ihr verzweigtes Kanalsystem. Bewässern lohnt sich.
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