BRIEF_KASTEN
Wer einen Gegenstand – ob Auto, Kaffeemaschine oder auch nur eine Tasse – „praktisch neuwertig“ erwirbt – weil zwar nicht mehr ganz neu, aber kaum gebraucht –, meint, eine besonders günstige Gelegenheit genutzt zu haben. Nur neu sind Dinge perfekt. Je neuer, desto teurer. Mit dem ersten Tag schon beginnt der Wertverlust.
Ein Mensch, neuwertig? Die Wortkombination befremdet. Und doch haben Christinnen und Christen gerade eine Geburt gefeiert. Selbst Könige und Weise werden die Knie vor dem Neugeborenen beugen – einem Kind, das noch gar nichts gelernt, nichts geleistet hat. Aber Gottes Vorsehung – so glauben die Könige oder Weisen aus dem Morgenland – liegt auf dem Kind. Mit der ganzen Liebe Gottes ist es ausgestattet.
Bei Menschen ist es anders als bei den Dingen. Ihr Altern bedeutet keinen Wertverlust. Das Menschwerden hört nicht auf. Erfahrener, gütiger, kräftiger, auch leistungsfähiger wird ein Mensch. Und weiser. Am Ende wird auch ein Mensch verbraucht, erschöpft, an den Organen abgenutzt sein. Doch man entsorgt ihn nicht einfach wie eine alte Kaffeemaschine, wenn er stirbt. Eine Trauer wird sein. Es ist der Preis gewachsener Liebe.
Ein Jahr steht am Anfang – fast neuwertig. Ergriffen soll es werden – als eine günstige Gelegenheit, gefüllt und genutzt, damit es zum guten Jahr wird.
BRIEF_KASTEN
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>