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Erschreckend aktuell: Horvaths „Glaube, Liebe, Hoffnung“

KULTUR_LAND

Ödön von Horvath schrieb „Glaube, Liebe, Hoffnung. Ein kleiner Totentanz in fünf Bildern“ im Jahr 1932. Das Stück wirkt absolut heutig. Die etwas kühle Inszenierung von Joachim Gottfried Goller legt die Vereinzelung in der Gesellschaft offen. Die Liebe bleibt auf der Strecke. 
 

Ausgabe: 06/2026
03.02.2026
- Elisabeth Leitner
Doch am höchsten steht die Liebe (nach Korinther 13,1–13), Szene mit „der Anderen“. Elisabeth (rechts: Lorena Emmi Mayer) kämpft vergeblich um ein selbstbestimmtes Leben. Am Ende treibt sie nicht die verlorene Liebe, sondern der Hunger ins Wasser.
Doch am höchsten steht die Liebe (nach Korinther 13,1–13), Szene mit „der Anderen“. Elisabeth (rechts: Lorena Emmi Mayer) kämpft vergeblich um ein selbstbestimmtes Leben. Am Ende treibt sie nicht die verlorene Liebe, sondern der Hunger ins Wasser.
© PETRA MOSER

Dies versinnbildlicht auch die hoch nach oben gebogene Rampe, die das Bühnenbild (Bühne und Kostüme: Julia Neuhold) dominiert. Wer kommt nach oben, wer erreicht Wohlstand und beständige Verhältnisse? Es wird in dieser Inszenierung in den Kammerspielen viel heruntergepurzelt in die Niederungen des Lebens. Unten angekommen kämpft Hauptfigur Elisabeth mit Würde und Anstand um ein selbstbestimmtes Leben.

 

„Es soll ja noch schlechter werden. Aber ich lass den Kopf nicht hängen“, sagt die junge Frau trotz aller widrigen Umstände und man wünscht ihr, einmal möge das Glück auf ihrer Seite sein. Doch nicht einmal in der Anatomie ist sie erfolgreich: Der Oberpräparator will für ihren toten Körper nichts im Voraus zahlen. Es gibt ohnehin genug Leichen. 

 

Immer scheitert sie an den Menschen, den gesellschaftlichen Umständen, daran, dass sich letztlich jeder selbst der Nächste ist. Bürokratische Hürden (wie ein fehlender Gewerbeschein, für den 150 Mark zu bezahlen sind) sowie generell Arbeitslosigkeit und Hunger sind ständige Lebensbegleiter der einfachen Menschen. Das eigene Glück, die eigene Karriere ist jenen, denen die junge Frau begegnet, dann doch am nächsten. Auch die Männer können, wollen sie letztlich nicht retten. 

 

Elisabeth – von Lorena Emmi Mayer mit viel Körpereinsatz dargestellt – hat ein Alter Ego in Form von Alice Peterhans, die als Musikerin und Sängerin emotionale Welten ausleuchtet und verdichtet (Musik: Imre Lichtenberger Bozoki). Ein Kunstgriff, der aufgeht und überzeugt. „Die Andere“ schwebt in der ersten Szene vom Himmel, einer Gottesmutter gleich. Überzeichnet und persifliert sind auch andere Bevölkerungsgruppen wie etwa die Polizei, was zum Teil ins Klamaukhafte führt. Mehr emotionale Tiefe hätte manchen Figuren gutgetan, hätte die Wunde mehr offen gelegt (Dramaturgie: Andreas Erdmann). Eine Wunde, die auch heute noch blutet. Glaube, Liebe, Hoffnung, Solidarität: Wir brauchen sie heute genauso dringend wie damals.    


Landestheater, Kammerspiele, noch bis 15. März 

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