In der Reihe Kunst & Geschichte_n stellt Experte Lothar Schultes Persönlichkeiten vor, die in Kunst und Geschichte wichtige Spuren in Oberösterreich hinterlassen haben.
Die abschlossene Reihe "alt & kostbar" finden sie hier.
Dies versinnbildlicht auch die hoch nach oben gebogene Rampe, die das Bühnenbild (Bühne und Kostüme: Julia Neuhold) dominiert. Wer kommt nach oben, wer erreicht Wohlstand und beständige Verhältnisse? Es wird in dieser Inszenierung in den Kammerspielen viel heruntergepurzelt in die Niederungen des Lebens. Unten angekommen kämpft Hauptfigur Elisabeth mit Würde und Anstand um ein selbstbestimmtes Leben.
„Es soll ja noch schlechter werden. Aber ich lass den Kopf nicht hängen“, sagt die junge Frau trotz aller widrigen Umstände und man wünscht ihr, einmal möge das Glück auf ihrer Seite sein. Doch nicht einmal in der Anatomie ist sie erfolgreich: Der Oberpräparator will für ihren toten Körper nichts im Voraus zahlen. Es gibt ohnehin genug Leichen.
Immer scheitert sie an den Menschen, den gesellschaftlichen Umständen, daran, dass sich letztlich jeder selbst der Nächste ist. Bürokratische Hürden (wie ein fehlender Gewerbeschein, für den 150 Mark zu bezahlen sind) sowie generell Arbeitslosigkeit und Hunger sind ständige Lebensbegleiter der einfachen Menschen. Das eigene Glück, die eigene Karriere ist jenen, denen die junge Frau begegnet, dann doch am nächsten. Auch die Männer können, wollen sie letztlich nicht retten.
Elisabeth – von Lorena Emmi Mayer mit viel Körpereinsatz dargestellt – hat ein Alter Ego in Form von Alice Peterhans, die als Musikerin und Sängerin emotionale Welten ausleuchtet und verdichtet (Musik: Imre Lichtenberger Bozoki). Ein Kunstgriff, der aufgeht und überzeugt. „Die Andere“ schwebt in der ersten Szene vom Himmel, einer Gottesmutter gleich. Überzeichnet und persifliert sind auch andere Bevölkerungsgruppen wie etwa die Polizei, was zum Teil ins Klamaukhafte führt. Mehr emotionale Tiefe hätte manchen Figuren gutgetan, hätte die Wunde mehr offen gelegt (Dramaturgie: Andreas Erdmann). Eine Wunde, die auch heute noch blutet. Glaube, Liebe, Hoffnung, Solidarität: Wir brauchen sie heute genauso dringend wie damals.
Landestheater, Kammerspiele, noch bis 15. März
In der Reihe Kunst & Geschichte_n stellt Experte Lothar Schultes Persönlichkeiten vor, die in Kunst und Geschichte wichtige Spuren in Oberösterreich hinterlassen haben.
Die abschlossene Reihe "alt & kostbar" finden sie hier.
BÜCHER_FILME_MUSIK
KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>
MEIST_GELESEN