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Wir Kinder der Leichtigkeit von Dirk von Petersdorff

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Über ein „Ende der Geschichte“ schrieb um 1990 der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama: Demokratie, Marktwirtschaft und Liberalismus hätten sich durchgesetzt, das Ringen der Mächte und Ideologien sei vorbei, lautete die These.

Ausgabe: 13/2026
24.03.2026
- Heinz Niederleitner

Mittlerweile ist die „Geschichte“ wieder da: Vielerorts ist die Demokratie in Gefahr, die Marktwirtschaft kämpft mit Krisen und gesellschaftlicher Liberalismus ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Wie kam es so weit und wie gehen wir damit um? 


Der Literaturwissenschaftler und Autor Dirk von Petersdorff (geb. 1966) hat ein Buch über das „Lebensgefühl“ seiner Generation geschrieben: Ende der 1970er- Jahre gingen die großen „Erzählungen“ vom Fortschritt – sowohl jene des Kommunismus als auch jene des Westens – zu Ende. Es folgte das, was man als Postmoderne bezeichnet hat: Plötzlich war in Gesellschaft und Kultur vieles (nebeneinander) möglich. Und heute? „Die Freiheit des Heraustretens aus den Weltanschauungen ist also geblieben, aber sie zeigt sich von ihrer Schattenseite: als Unsicherheit“, schreibt Petersdorff. Sein Buch ist ein großer Essay („Versuch“), welcher der Entwicklung nachgeht und am Schluss Lebensformen der Gegenwart vorrangig anhand von Literatur beschreibt. Das könnte man als Tour de Force durchdrücken, Petersdorff macht es leichtfüßig und zieht Philosophie, Geschichte, (pop-)kulturelle Phänomene und selbst Erlebtes heran. Am Schluss behandelt er das heute verbreitete Bedürfnis nach Schutz aufgrund der beschriebenen Unsicherheit. Er findet hier interessanterweise das alte Bild des Zeltes über seine eigene Biografie wieder. „Ein Zelt kann ein Bild für jenen Raum sein, den Literatur aufspannt“, schreibt er. In der allgemeinen Schwere erinnere Literatur an eine vergangene Leichtigkeit, die wiederkehren könne und solle.


Ist Petersdorffs Versuch geglückt? Die Frage sollte vielleicht besser lauten, wie sehr sich andere Menschen aufgrund des autobiografischen Anteils auf das Buch einlassen können. Der Rezensent konnte Erfahrungen wiedererkennen, andere sind ihm fremd. Auch wenn das Buch Gemeinsames enthält, ist es für das „Wir“ im Titel etwas zu autobiografisch.


Bedenkenswert ist zudem, dass Petersdorff von einer privilegierten Position aus schreibt: Nur ein (kleiner) Teil seiner Generation hatte die Chance, sich auf Philosophen wie Lyotard einzulassen oder Literaten privat zu treffen. Zeigen muss sich auch, ob das Bild von der Literatur als Zelt nicht vorschnell zu einem neuen Biedermeier (ver-)führt. Gesteht man Petersdorffs Buch aber den Versuchscharakter zu, ist es zu empfehlen.

Dirk von Petersdorff: Wir Kinder der Leichtigkeit. Unsere Geschichte seit den Siebzigern.  C.H.Beck Verlag, München 2026, 176 Seiten,   € 24,95
Dirk von Petersdorff: Wir Kinder der Leichtigkeit. Unsere Geschichte seit den Siebzigern. C.H.Beck Verlag, München 2026, 176 Seiten, € 24,95
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