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Weisen, Gstanzln, Schlager während der Corona-Krise: von Herzograd aus in alle Welt

Täglich grüßt der Musikant

Gesellschaft & Soziales

Ein Ständchen für die Nachbarschaft bringt Bernd Kirisits täglich live um 18 Uhr und verschickt seinen musikalischen Gruß an Freundinnen und Freunde in aller Welt – und das seit Mitte März.

Ausgabe: 16/2020
14.04.2020
- Elisabeth Leitner
Eine perfekte Kulisse fürs Gstanzlsingen.  Teresa (13 Jahre) hat viel Geduld und eine ruhige Hand. Sie macht Regie und Kamera, ihr Vater Bernd Kirisits spielt täglich ein Ständchen für seine Nachbarn und Freunde in aller Welt.
Eine perfekte Kulisse fürs Gstanzlsingen. Teresa (13 Jahre) hat viel Geduld und eine ruhige Hand. Sie macht Regie und Kamera, ihr Vater Bernd Kirisits spielt täglich ein Ständchen für seine Nachbarn und Freunde in aller Welt.
© Kirisits

„Was ist los, Bernd? Ich hab heute noch nichts gehört!“, ruft die Nachbarin besorgt bei Familie Kirisits an. Die Uhr zeigt „18.10“. Der tägliche Musikgruß von Bernd Kirisits wird schon erwartet. Seit der Corona-Krise gibt es täglich um 18 Uhr ein Ständchen von ihm. Er erfreut damit nicht nur die Nachbarn ringsum, sondern auch über 150 Menschen, die via Whatsapp den Musikgruß aus Herzograd bekommen. Bernd Kirisits kann die Nachbarin beruhigen, es ist alles in Ordnung: „Ich war noch in der Arbeit, aber ich packe schon aus!“ Bernd Kirisits ist im Brotberuf Leiter des Anzeigenverkaufs bei den Oberösterreichischen Nachrichten. Die Musik ist sein Hobby und seine Leidenschaft. Erst zum 40. Geburtstag hat er die Knopfharmonika als Geschenk bekommen, dann hat es noch fünf Jahre gedauert, bis er sich einen Lehrer gesucht und zu üben begonnen hat. Jetzt ist er bald fünfzig und spielt täglich – und das mit Freude.

 

Gstanzl singen

Der Musikant, der immer gut gelaunt in die Kamera lächelt, stellt sich auf seine Terrasse. Musikinstrumente, Notenständer, Noten sind platziert, seine beiden Kamerafrauen Sabine (Ehefrau) und Teresa (Tochter) sind bereit. Zuerst ertönt ein Signal mit dem Jagdhorn. Dann spielt der freundliche Musikant auf der „Quetschn“ ein Lied – und seit Neuestem singt er auch manchmal dazu. Am Sonntag gab´s gar ein Gstanzlsingen in mehreren Etappen. Die Nachbarn und Freunde waren begeistert.

 

Aus aller Welt

Die Nachrichten werden via Smartphone in die ganze Welt verschickt und von dort auch beantwortet: „Danke, Bernd! Super warst. Jol sierült, bravo! Godt gaet. Super! Bernd, es ist eine Freude mit dir! You are the master!“ Aus Ungarn, Amerika, Kroatien, Italien und Südamerika trudeln die Kommentare ein. Sie machen die Whats-app-Gruppe zu einer kleinen Gemeinschaft.
Musik tut gut. Warum er täglich zum Musikinstrument greift? – Da muss er nicht lange nachdenken. Er macht es für seine Freunde, seine Nachbarn und für seine Eltern: Sein Vater Josef ist 87 Jahre und seine Mutter Herta wird bald 82 Jahre alt. „Für die zwei spiele ich ganz besonders!“, sagt Bernd Kirisits leise. Und man merkt, dass ihm das nahegeht. Die Musik hilft, tut gut. Sie ist Balsam für die Seele, sagt man gemeinhin. Und viele erleben es so. Denn kaum schickt Kirisits seinen Musikgruß aus, kann man auch schon die Rückmeldungen lesen. Der Musikant aus Herzograd gehört mittlerweile fix zur Corona-Zeit. Er ist der freundliche Begleiter, der mit Musik, seinen netten Begrüßungen und Glückwünschen an die jeweiligen Geburtstagskinder die Herzen erfreut und Abwechslung in den Corona-Alltag bringt.

 

Üben, üben, üben

Wer glaubt, dass Bernd Kirisits sich einfach hinstellt und spielt, der täuscht sich. „Seit der Corona-Zeit übe ich täglich. Ich habe mir sogar neue Noten bestellt. Ich will jeden Tag ein neues Lied spielen. Das muss ich auch üben“, erzählt er. Seine Kamerafrauen unterstützen ihn tatkräftig. Mancher musikalische Gruß muss gleich mehrmals aufgenommen werden, bis er passt. Der Musikant und seine Crew machen es gerne. „Ich höre damit sicher nicht auf!“, sagt Kirisits – und geht wieder üben. Die Krise ist noch lange nicht vorbei, da braucht es noch viele Gstanzln. Und eines ist klar: Die Musik darf ruhig bleiben. Auch ohne Corona.

 

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Beim Musizieren muss man ganz bei der Sache sein: „Da gibt´s kein Handy und nichts anderes!
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© Kirisits
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