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„Ich habe die Balken einer Statistik gesehen. Es gibt viel zu wenig Lehrstellen. Das ist entmutigend. Ich habe noch keine Lehrstelle gefunden und es ist, als würden all meine Bemühungen nichts bringen.“ Diese Einschätzung von Florian* (15) ist kein Einzelfall. Zuletzt ist die Arbeitslosigkeit vor allem bei jungen Menschen und bei Personen 60+ stark angestiegen. Ende März waren 2.312 Lehrstellensuchende beim AMS in Oberösterreich gemeldet.
Hinter diesen Entwicklungen stehen konkrete Lebensrealitäten und persönliche Erfahrungen von Jugendlichen, die die „Aktionsgemeinschaft zum Tag der Arbeitslosen“ bei Stadtrundgängen zum Thema macht. Beteiligt sind viele Sozialorganisationen und kirchliche Einrichtungen wie Mensch & Arbeit, Caritas und KJ.
Katja Haller, Projektleiterin und Referentin der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung, erklärt: „Wir haben den Stadtrundgang mit arbeitslosen Jugendlichen entwickelt. Es sind junge Menschen aus psychosozialen Einrichtungen im Alter zwischen 15 und 22 Jahren, die ihr Leben unter erschwerten Bedingungen meistern.“ Beim Rundgang sieht man „die Stadt gleichsam durch ihre Augen“.
Jugendarbeitslosigkeit trifft viele junge Menschen in einer Phase, in der sie eigentlich ins Berufsleben starten wollen. Zeitdruck bei der Lehrstellensuche ist für viele arbeitslose Jugendliche belastend. Nuray* (16) sagt: „Ich fühle mich unter Druck, wenn man mir sagt, dass ich so schnell wie möglich etwas finden muss, weil es sonst zu spät ist.“ Aus einer eigentlich offenen Lebensphase wird so ein ständiger Stresszustand.
Hinzu kommt Frustration im Bewerbungsprozess. Vanessa* (18) berichtet: „Wir bemühen uns echt, dass unsere Bewerbungen ordentlich sind. Meistens kommt von den Firmen keine Antwort zurück. Keine Zusage oder Absage. Nichts.“ Diese fehlende Rückmeldung verstärkt das Gefühl von Unsicherheit und Stillstand. Arbeitslos zu sein ist psychisch belastend. Raphael* (19) erklärt: „Was viele nicht sehen, ist, dass psychisch kranke Jugendliche nicht automatisch faul sind. Sie sind nur oft überfordert.“
Besonders schwierig ist die Situation für Jugendliche, die zusätzlich belastende Erfahrungen gemacht haben, wie Mobbing oder Gewalt, oder die mit gesundheitlichen Herausforderungen kämpfen. „Ich war länger krank und habe deshalb meine Lehrstelle verloren. Jetzt bin ich also wieder beim AMS“, berichtet Mathias (18).
Die praxiserfahrenen Expert:innen des Aktionsbündnisses betonen, dass in solchen Situationen verlässliche Unterstützung und niederschwellige Angebote der psychosozialen Begleitung besonders wichtig sind. Unterstützung helfe Jugendlichen, sich zu stabilisieren und Schritt für Schritt Vertrauen und Perspektiven für die eigene Zukunft zu entwickeln. Ein erschwerter Einstieg ins Berufsleben erhöhe das Risiko wiederholter Arbeitslosigkeit, darum sei es wichtig, dem Lehrstellen- und Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
* Namen redaktionell geändert
Linz: Stadtrundgang „Jung. Ohne Arbeit. Mitten in der Stadt.“ am 30. April
(10 Uhr) und 5. Mai 2026 (16 Uhr), Start Hauptbahnhof Linz obere Ebene
Steyr: Stadtrundgang zur Lebensrealität arbeitsloser Menschen „Walking in my Shoes“ am 29. April (16:30 Uhr) und 30. April (9 Uhr), Start Werndl-Denkmal
Traun: Informationen zum Tag der Arbeitslosen am 30. April (7:30 bis 10:30 Uhr), Haus BFI / AK / ÖGB
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