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Der Wert der Frauenarbeit

Gesellschaft & Soziales

Der „Equal Pay Day“ macht auf die ungleiche Bezahlung zwischen Frauen und Männern aufmerksam. Seit 6. Oktober arbeiten demnach die Oberösterreicherinnen „gratis“. Die Gründe für die Einkommensunterschiede sind vielfältig.
 

Ausgabe: 42/2020
13.10.2020
- Lisa-Maria Langhofer
Kinderbetreuung wird oft nicht als Arbeit gesehen.
Kinderbetreuung wird oft nicht als Arbeit gesehen.
© photophonie/stock.adobe

„Arbeit wird von Männern definiert“, sagt Maria Eicher von der Diözesanen Frauenkommission in Linz. Die Arbeit von Frauen werde anders bewertet, das werde spätestens bei der Familiengründung klar: „Der Mann bringt das Geld nach Hause, die Frau hört zu arbeiten auf, heißt es. In Wahrheit hört sie aber nur mit der Erwerbsarbeit auf.“ Sich um Kinder, Haushalt oder oft auch um die pflegebedürftigen Eltern zu kümmern, werde jedoch nicht als Arbeit gesehen. „Die Zeit, die Frauen dafür aufwenden, sollte in die Pensionsberechnung einfließen“, ist Eicher überzeugt.

 

Einkommensschere

Frauen in Oberösterreich verdienen laut Statistik Austria im Durchschnitt um rund 24 Prozent weniger als Männer. Nach Ende der Erwerbstätigkeit wird der Einkommensunterschied sogar noch deutlicher: In der Pension bekommen Frauen in Österreich etwa 40 Prozent weniger als Männer. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Frauen verbringen mehr Zeit mit Kindererziehung und Pflegearbeit, arbeiten öfter in Teilzeit und gelangen schwerer in gut bezahlte Führungspositionen. „Darüber hinaus sind Männer bei Gehaltsverhandlungen hartnäckiger. Frauen geben schneller auf“, meint Eicher. 

 

Gerechte Verteilung

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist möglich, ist Eicher überzeugt. „Wenn beide Stunden reduzieren, wird die Arbeit gerechter verteilt. Was es braucht, ist eine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Wochenstunden und das bessere Bekanntwerden des freiwilligen Pensionssplittings, das Eltern für die Jahre der Kindererziehung vereinbaren können.“ Dabei kann der erwerbstätige Elternteil Teile seiner Kontogutschrift an den Erziehenden übertragen. Jener Elternteil, der sich der Kindererziehung widmet, erhält dafür eine Gutschrift im Pensionskonto.
Auch die Katholische Frauenbewegung setzt sich für Maßnahmen wie die Arbeitszeitverkürzung oder ein Grundeinkommen ein,  wie die ehrenamtliche Vorsitzende Paula Wintereder erklärt: „Care-Arbeit, also Sorgearbeit, wird überwiegend von uns Frauen erledigt, und das mit geringer Wertschätzung und spärlicher Entlohnung. Diese Arbeit gehört massiv aufgewertet, im privaten wie im beruflichen Sektor.“«

Maria Eicher, Vorsitzende der Frauenkommission der Diözese Linz.
Maria Eicher, Vorsitzende der Frauenkommission der Diözese Linz.
© privat
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