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Papst Franziskus ist tot

WELTKIRCHE_

Das Kirchenoberhaupt starb im Alter von 88 Jahren. Der aus Argentinien stammender früherer Erzbischof von Buenos Aires war seit 2013 der erste Lateinamerikaner im Papstamt.

21.04.2025
- kathpress / ame
© Annett_Klingner auf Pixabay

Papst Franziskus ist tot. Er starb am Ostermontag um 7.35 Uhr im Alter von 88 Jahren in Vatikan an den Folgen einer schweren Lungenentzündung, wie Kurienkardinal Kevin Farrell aus dem Vatikan mitteilte.

 

Papst Franziskus leitete die Weltkirche mit ihren rund 1,4 Milliarden Katholiken zwölf Jahre lang. Der aus Argentinien stammende frühere Erzbischof von Buenos Aires war seit März 2013 der erste Lateinamerikaner im Papstamt. In 2.000 Jahren Kirchengeschichte war er der erste Papst, der sich Franziskus nannte und auch der erste Jesuit auf dem Stuhl Petri.

 

In der Zeit der Sedisvakanz liegt die Leitung der Kirche beim Kardinalskollegium, das derzeit 252 Mitglieder zählt. Von ihnen können jedoch nur 135 an der Wahl des nächsten Papstes teilnehmen, da sie ihr 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

 

Papst Franziskus - Der Lateinamerikaner auf dem Stuhl Petri

 

In 2.000 Jahren war Franziskus das erste Kirchenoberhaupt aus Lateinamerika und der erste Papst, der sich Franziskus nannte. Er wohnte nicht in einem Palast und ging auf die Menschen zu. Seine besondere Zuneigung galt den Benachteiligten: den Häftlingen, den Geflüchteten und den Armen. In Alter und Krankheit war er der erste Papst, der öffentlich einen normalen Rollstuhl benutzte.

 

Doch die Neuerungen, die Franziskus einführte, beschränkten sich nicht auf Äußeres. Er versuchte, die Kirche zum Besseren zu verändern und damit das einzulösen, was die Kardinäle in Rom vor seiner Wahl am 13. März 2013 gefordert hatten. Deshalb widmete er sich mit Nachdruck dem Umbau der römischen Kurie und erließ mehr Gesetze als die meisten Päpste zuvor.

 

Den Umbau des Vatikans zu einem - weiterhin monarchisch regierten - Rechtsstaat konnte Franziskus weitgehend abschließen. Schlussstein war die neue Kurienverfassung, die 2022 in Kraft trat. Er baute Sonderrechte und verschachtelte Strukturen im Apparat ab, stärkte damit aber auch die Macht des Papstes.

 

Stimmrecht für Frauen

 

Ähnlich war es beim Reformprojekt einer neuen globalen Kirchenverfassung, die den Laien auf allen Ebenen der Weltkirche mehr Mitbestimmungsrechte geben sollte. Hierfür berief er eine Weltsynode ein - die erste in der Kirchengeschichte, an der auch Frauen stimmberechtigt teilnahmen.

 

Obwohl er die Institutionen reformierte - von der Vatikanbank bis zum päpstlichen Medienapparat -, ließ Franziskus nie einen Zweifel daran, dass er selbst der eigentliche Entscheider und Kommunikator war. Er sprach an seinen Medienleuten vorbei und ungefiltert zu Journalisten. Seine spontanen Äußerungen, auch zu diplomatischen Themen, brachten seinen Apparat oft in Verlegenheit.

 

Wichtiger als alle Reformen war ihm das, was er in seiner Bewerbungsrede im Vorkonklave am 9. März 2013 über den künftigen Papst gesagt hatte: "Er muss ein Mann sein, der ausgehend von Christus der Kirche hilft, an die Ränder der menschlichen Existenz zu gehen." In diesem Geist predigte er eine Kirche, die offen sein sollte für alle Menschen - auch für jene, die anders glauben, leben und lieben, als es die Kirche lehrt.

 

"An die Ränder gehen" war ein Leitwort für das Pontifikat. Es bezog sich auf alle, die am Rand der Gesellschaft leben, genauso wie auf Länder, Völker und Konflikte, die übersehen oder ignoriert werden. Durch Franziskus wurde auch deutlich, wie sehr die katholische Kirche heute eine Weltkirche ist. Ob beim Synodalen Prozess oder durch seine Kardinalsernennungen - nie war die Kirche der südlichen Hemisphäre so präsent und einflussreich.

 

Wachsende Polarisierung

 

Im Inneren der Kirche war die Amtszeit von Franziskus geprägt von einer wachsenden Polarisierung zwischen Reformern und Konservativen. Zudem war sie überschattet von der Krise um sexuellen Missbrauch, den er mit schärferen Kirchengesetzen einzudämmen versuchte. Die vom Papst gebilligte Erlaubnis zur Segnung von Menschen in homosexuellen Beziehungen löste neben Zustimmung auch scharfe Kritik in der Kirche aus, vor allem in Afrika.

 

Mit seinem Fokus auf Umwelt und Solidarität über die Grenzen der Religionen hinweg lenkte Franziskus den Blick der Kirche auf neue Schwerpunkte. Sein Lehrschreiben "Laudato si" von 2015 war die erste echte Umwelt-Enzyklika eines Papstes. In ihr machte er sich die wissenschaftliche Hypothese einer drohenden Klimakatastrophe zu eigen und rief zu einer radikalen Umkehr in Politik und Wirtschaft auf.

 

Schon bei seiner ersten Reise als Papst besuchte Franziskus, der selbst ein Sohn italienischer Migranten war, 2013 die Mittelmeerinsel Lampedusa und verurteilte die Abschottung Europas gegen Geflüchtete. In seinen Lehrschreiben prangerte er die "Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht" und die Ungerechtigkeit als "Wurzel der sozialen Übel" an.

 

"Niemals Gewalt im Namen Gottes"

 

Immer wieder rief Franziskus zu Frieden und Abrüstung auf. Er versuchte, Russland und die Ukraine zu Verhandlungen zu bewegen. Im Gaza-Krieg nach dem 7. Oktober 2023 nahm er eine mittlere Position zwischen Israelis und Palästinensern ein. Den Abschottungskurs von Donald Trump gegen illegale Migranten attackierte er in dessen beiden Amtszeiten scharf. Mehrfach war er im Gespräch für den Friedensnobelpreis.

 

Die Enzyklika "Fratelli tutti" von 2020 entwarf Visionen für eine solidarische und ökologisch handelnde Menschheit, die gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen sollte. "Niemals Gewalt im Namen Gottes": Dieses religionsübergreifende Credo erhielt durch Franziskus und durch seine interreligiösen Bemühungen vor allem in Richtung Islam eine nie dagewesene Qualität und Aktualität erhalten.

 

Hart beschnitt er die Sonderrechte der traditionalistischen Minderheit in der katholischen Kirche, die an der alten Form der lateinischen Messe festhalten will. Nicht nur in der Kirche im deutschsprachigen Raum lösten seine Erneuerungsimpulse Hoffnung auf grundlegende Veränderungen aus. Eine Folge war das Projekt liberaler Katholiken, mit dem "Synodalen Weg" Gestalt und Lehre der Kirche zu modernisieren. Der Papst kritisierte dies jedoch als einen Versuch, "eine weitere evangelische Kirche in Deutschland" zu schaffen.

 

Den Armen zugewandt

 

Papst Franziskus, bürgerlich Jorge Mario Bergoglio, wurde am 17. Dezember 1936 als ältestes von fünf Kindern italienischer Einwanderer in Buenos Aires geboren. 1958 trat er in die Gesellschaft Jesu (Jesuitenorden) ein. 1973 wurde er Oberer der argentinischen Ordensprovinz. Es waren die Jahre der Militärdiktatur (1976-1983). Im Foltergefängnis inhaftierte Ordensbrüder warfen ihm Schwäche im Umgang mit dem Regime vor. Später revidierten sie diese Einschätzung.

 

Johannes Paul II. ernannte Bergoglio 1998 zum Erzbischof der argentinischen Hauptstadtdiözese. Als Bischof zeigte er seine Zugewandtheit zu den Armen, lebte bescheiden und warb für eine Konzentration auf den Kern der christlichen Botschaft.

 

Bereits beim Konklave 2005 spielte Bergoglio eine wichtige Rolle. Er soll damals rund 40 Stimmen auf sich vereint haben; doch er steckte zurück, um den Weg für die Wahl von Joseph Ratzinger freizumachen. Erst als dieser am 28. Februar 2013 vom Papstamt zurücktrat, lief die Wahl auf den Argentinier hinaus. Als Papst musste sich sich Franziskus zehn Jahre lang die öffentliche Aufmerksamkeit mit seinem Vorgänger teilen. Auch das war eine Premiere in der Papstgeschichte.

 

Am Ostermontag, 21. April - einen Tag nach dem letzten von ihm erteilten Segen "Urbi et Orbi", ist er im Vatikan verstorben.

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Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.

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