Hannah Bilgeri MA ist Pastoralassistentin in Ausbildung in der Pfarre Bruder Klaus in Dornbirn Schoren.
Am Freitag, 12. Juni, kehrt Papst Leo XIV. wieder in den Vatikan zurück. 7.000 Kilometer hat er in sieben Tagen zurückgelegt, 22 Ansprachen gehalten – darunter vor dem Königshaus und vor dem Parlament – und hunderttausende Menschen zumindest von Ferne gesehen, die ihn treffen wollten. Madrid und Barcelona besuchte er genauso wie Gran Canaria und Teneriffa. Hauptthemen der Reise waren, wenig überraschend und dennoch dringlich: Migration und Menschenrechte, Kirche und Kultur.
Das spanische Königspaar Felipe VI. und Letizia empfing Papst Leo nach seiner Ankunft Samstagmittag im königlichen Palast in der Hauptstadt Madrid. Sie zählen zu den wenigen katholischen Monarchen weltweit. Wie bei allen offiziellen Papst-Besuchen üblich, wandte sich Leo XIV. danach in einer Ansprache an Vertreter:innen aus Politik, Diplomatie und Zivilgesellschaft. Danach besuchte er eine Obdachloseneinrichtung der Caritas und hielt ein großes und stimmungsvolles Abendgebet mit Jugendlichen auf der Plaza de Lima.
Am Sonntag gab es einen Freiluft-Gottesdienst mit Fronleichnamsprozession. Anders als in Österreich wird Fronleichnam in Spanien sonntags begangen. Es folgte ein Treffen mit Angehörigen des Augustinerordens, den Leo XIV. früher leitete. Außerdem kam Leo XIV. in einer Sporthalle mit Vertretern aus Kultur, Kunst, Wirtschaft und Sport zusammen, unter anderem mit dem spanischen Hollywood-Star Antonio Banderas.
Der Montag stand noch einmal im Zeichen von Politik und Diplomatie. Zunächst begegnete der Papst mit dem sozialistischen Regierungschef Pedro Sánchez zusammen, allerdings nicht – wie üblich – an dessen Regierungssitz, sondern in der Vatikanbotschaft in Madrid. Danach folgte die Begegnung mit Abgeordneten im spanischen Parlament.
Am Dienstag reiste der Papst in die zweitgrößte Stadt des Landes weiter: nach Barcelona. Am Mittwoch stand ein Gefängnisbesuch auf dem Programm sowie eine Gedenkmesse zum 100. Todestag des Sagrada-Familia-Architekten Antoni Gaudí und die Einweihung des 172,5 Meter hohen Christus-Turms der Basilika Sagrada Familia.
Leo XIV. besucht gegen Ende der Reise die unter besonders hohem Migrationsdruck stehenden Kanarischen Inseln vor der Küste Afrikas. Dies sorgte bereits im Vorfeld der Reise für Konflikte zwischen Kirche und Vertretern der rechtspopulistischen Vox-Partei, die sich gegen Einwanderung ausspricht. Dennoch gibt es auf Gran Canaria Treffen mit Flüchtlingshelfer:innen und Kirchenvertretern der Insel. Am letzten Reisetag spricht Papst Leo auf Teneriffa mit Migrant:innen und mit Menschen, die sich für deren Integration einsetzen, bevor er am Abend nach Rom zurückfliegt.
Papst Leos 22 Ansprachen in Spanien waren wohlvorbereitet, spontan ergänzt und voll von inhaltsreichen Pointen.
In seiner Rede im Königspalast von Madrid warnte Papst Leo XIV. am ersten Tag der Spanienreise vor der „Versuchung, durch das Schüren von Polarisierungen an Popularität zu gewinnen“. Vor Politikerinnen und Diplomaten lud er dazu ein, „die spaltenden und polarisierenden Darstellungen der gesellschaftlichen Realität und Geschichte hinter sich zu lassen, um von fruchtlosen Vereinfachungen zu einer fruchtbaren Anerkennung der Komplexität zu gelangen.“ Es sei die Berufung Europas, die Vielschichtigkeit zu schätzen und zu ergründen und „jenen identitären Ansätzen zu entfliehen, die alles zu erklären scheinen, aber die Welt mit Gespenstern und Feinden bevölkern.“
Es brauche einen „Kurswechsel bei den Investitionen in Schulen, Hochschulen und Forschung, in lokale Gemeinschaften und in die Zivilgesellschaft“. Der Papst bezog auch den Islam ein und sagte: „Die Präsenz des Islam auf der Iberischen Halbinsel war eine langjährige politische, kulturelle und religiöse Gegebenheit. In dieser Zeit gab es nicht nur Konfrontation, sondern man versuchte auch, einen Raum für Begegnung, Gespräch und Dialog zwischen Christen, Muslimen und Juden über Sinn und Wahrheit zu schaffen.“ Die erste Rede des Papstes in Spanien wurde mit stehendem Applaus bedacht, König Felipe VI. erhob sich als erster.
Als Leitmotiv einer weiteren Begegnung in der Madrider Movistar Arena nannte Papst Leo das „Knüpfen neuer Netze“ zwischen Kultur, Kunst, Wirtschaft, Wissenschaft und Sport. Ziel müsse eine Gesellschaft sein, in der „die Zeit von der Ewigkeit durchdrungen“ werde, die Kultur das Gedächtnis bewahre und den Dialog fördere, die Bildung die Suche nach Wahrheit mit kritischem Geist unterstütze und die Kunst Staunen sowie edle Gefühle wecke.
Besondere Aufmerksamkeit widmete Leo XIV. der Sprache und Kommunikation. Diese sei „niemals neutral“, betonte er. Worte und Bilder könnten verletzen oder heilen, Erwartungen zerstören oder neue Horizonte eröffnen.
Auch dem Sport schrieb Papst Leo eine wichtige Rolle zu. Viele Menschen hätten Respekt vor dem Gegner eher auf dem Spielfeld gelernt als durch Vorträge, sagte er. Sportler lehrten, „zu verlieren, ohne zu hassen, zu gewinnen, ohne zu demütigen, und nach einem Sturz wieder aufzustehen“. Darin zeige sich eine Kultur der Fairness und des Miteinanders, die weit über den sportlichen Bereich hinaus Bedeutung habe.
Vor dem spanischen Parlament forderte Papst Leo die Achtung der Menschenwürde. In einer historischen Rede ging er auf das Lebensrecht von Ungeborenen und die Lage der Migrant:innen ein. Er rief zu einem zivilisierten Dialog zwischen den politischen Lagern auf und wandte sich gegen Aufrüstung. Die erste Rede eines Papstes vor dem spanischen Parlament hörten Mitglieder beider Kammern. Einige linke sowie baskische Abgeordnete hatten einen Boykott angekündigt. Abgeordnete aller Fraktionen quittierten die Rede mit minutenlangem stehenden Applaus.

Hannah Bilgeri MA ist Pastoralassistentin in Ausbildung in der Pfarre Bruder Klaus in Dornbirn Schoren.
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