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„Man muss die Leute mögen“

Kirche OÖ

Jeder fünfte Priester in Oberösterreich kommt aus dem Ausland. Die große Herausforderung für viele ist, mundart-fähig zu werden. 
 

Ausgabe: 2018/26
26.06.2018
- Matthäus Fellinger
© Willi Fleischberger

Nein. Angst habe er keine, sagt Maximus Oge Nwolisa mit einem Lächeln auf den Lippen. Am Freitag, 29. Juni wird er durch Bischof Manfred Scheuer im Linzer Mariendom zum Priester geweiht. Er hat schon in Österreich studiert, spricht gepflegt Deutsch. Schwierigkeiten, so sieht er es, könnten 
einen weiterbringen. Das „Ausländer-Gefühl“ habe er im ständigen Umgang mit den österreichischen Studienfreunden, im letzten Jahr beim Pastoralkurs in Oberösterreich und bei seinem Einsatz in Perg, hinter sich gelassen. Manchmal, sagt er, muss er es sich sogar ins Bewusstsein rufen.
Insgesamt 86 Welt- und 47 Ordenspriester, die im Ausland geboren wurden, stehen in Oberösterreich im Einsatz, gab Martin Für­eder – Leiter der Abteilung für Priester und Diakone in der Diözese Linz – bei einem Pressegespräch Auskunft. 34 von ihnen wurden von der Diözese Linz übernommen, gelten also als Linzer Diözesanpriester. 41 weitere gehören zu einer anderen Diözese und werden möglicherweise dorthin zurückkehren. 
Als man im Zuge des Priestermangels in Österreich begann, vermehrt ausländische Priester einzusetzen, kamen die meisten aus den ehemals kommunistischen Ländern. Mit 51 Priestern stammen die meisten ausländischen Seelsorger aus Polen. 
Die zweitgrößte Gruppe kommt aus Afrika mit derzeit 27 Priestern, 17 davon aus Nigeria. Aus Deutschland wirken ebenfalls 17 Priester in Oberösterreich. Insgesamt kommt rund ein Fünftel der Priester in Oberösterreich aus dem Ausland.

 

Sprachkurs am Anfang

Die Sprachausbildung ist das Erste, worauf die Diözese Linz Wert legt. Ein zweijähriger Einführungskurs soll sie auf den Einsatz in den Pfarren vorbereiten. Der Sprachausbildung gilt dabei das Hauptaugenmerk. Für künftige ausländische Seelsorger ist es von Vorteil, wenn sie bereits das Studium in Österreich absolvieren. Das Jahr vor der Weihe verbringen sie dann mit allen anderen, die Seelsorgeberufe anstreben, in einem gemeinsamen pastoralen Praxisjahr. Dieses Miteinander soll ein gemeinsames Grundverständnis der unterschiedlichen Seelsorge-Berufe fördern.

 

Seelsorge in Mundart

Paulinus Anaedu aus Nigeria ist schon acht Jahre Priester gewesen, ehe er 2004 nach Österreich kam. Heute ist er Seelsorger in Hartkirchen, Haibach ob der Donau und Aschach. 
Für Pfarrer Paulinus Anaedu war es vor allem die Mundart, mit der er in den ersten Jahren zu kämpfen hatte. Komplizierten Vorlesungen auf der Universität, die er mit dem Philosophie-Doktorat abschloss, konnte er problemlos folgen – aber die Mundart im Pfarr-Alltag bereitete ihm erhebliche Probleme, auch wenn sich alle um Verständlichkeit bemühten. Kommenden Herbst wird es erstmals für ausländische Priester einen Kurs „Dialekt besser verstehen“ geben.

 

Mentalitäten verstehen

Slawomir Dadas ist heute Generaldechant in der Diözese. Er kommt aus Polen und wollte als Priester dort arbeiten, wo es weniger Priester gibt – und ging in die Diözese Linz. Der Schlüssel, ob das Zusammenfinden gelingt, ist für ihn: „Die Leute muss man mögen.“ Genauso wichtig wie die sprachliche Verständigung ist, dass man auch in den unterschiedlichen Mentalitäten zusammenfindet. 

 

Manche tun sich schwer

Für einen Polen ist es zunächst schwer zu verstehen: Warum gehen hier fast keine Leute beichten? Warum kommen überhaupt so wenige in die Kirche? Und für Afrikaner: Warum gibt es hier in den Kirchen so wenige junge Leute?  „Egal wie die Umstände sind – ich versuche die Botschaft zu leben“, sagt Slawomir Dadas. Es gibt Priester, weiß er als Generaldechant, die sich mit Integration schwertun. Sie fühlen sich dann nicht wohl in ihrer Haut. Doch „zerknirschte Männer“ könnten schwer die Frohe Botschaft vermitteln. 
Aus den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte wird auf solche Dinge geachtet. „Wir nehmen nicht jeden, der anklopft“, betont Für­eder. Man achtet darauf, dass die Priester aus einzelnen Ländern sich treffen können und Austausch untereinander haben. 
Im Sommer werden in Oberösterreichs Pfarren 67 „Ferienkapläne“ als Aushilfspriester tätig sein. Vor allem sind dies Studierende anderer Länder. Der eine oder andere könnte später wiederkommen.

Maximus Oge Nwolisa kommt aus Nigeria, Slawomir Dadas aus Polen.
Maximus Oge Nwolisa kommt aus Nigeria, Slawomir Dadas aus Polen.
© Diözese Linz
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