Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Menschen leisteten Widerstand in seinen unterschiedlichsten Formen und Ausfaltungen in der Zeit des Nationalsozialismus. Das zu tun war immer lebensgefährlich.
Zu einem berührenden Gehdenken 2022 an die Ermordeten der Todesmärsche von Mauthause/Gusen nach Gunskirchen mit dem Thema „Politischer Widerstand“ luden am 27. April das Mauthausenkomitee Ansfelden-Traun, die Plattform Wider das Vergessen, Treffpunkt mensch & arbeit Nettingsdorf, ÖGB Linz-land, Stadtgemeinde Ansfelden, MS Ansfelden ein.

Auch Schüler/innen der 4. Klassen der Volksschule Ansfelden waren mit dabei beim Gehdenken. Im Vorfeld setzen sie sich im Rahmen der Menschenrechtsbildung mit der lokalen Geschichte auseinander. "Es ist not.wendend über den Frieden zu reden und aus der Geschichte zu lernen", betonen die Pädagog/innen der Volksschule Ansfelden.
"Um menschenwürdige Verhältnisse zu schaffen, dazu braucht es immer wieder das Einmischen mutiger Menschen", schreiben die Veranstalter/innen.

Bei der Feier wurde eine Brücke von widerständigen Menschen damals und heute geschlagen. Erzählt wurde vom Widerstand Einzelner, aber auch gemeinschaftlich organisiertem Widerstand. „Nie zusehen, wenn Unrecht geschieht“, das gibt uns Rosa Jochmann, deren Leben in der Feier vorgestellt wurde, für unser Leben mit. Denn unsere Menschlichkeit prägt das Gesicht der Gesellschaft.
Mit einem Auszug aus den Aufzeichnungen von Peter Kammerstätter wurde die Brücke in die Vergangenheit geschlagen. Die Zeitzeugin Frau Anna P. wurde zitiert: „In Ansfelden sind sie ja durchmarschiert und viele haben versucht zu helfen, wie die Frau vom Wagnermeister. Die hat gleich einen Kartoffelzuber voll gekochter Kartoffel hinausgestellt. Und die SS ist ihr gleich ins Haus nachgelaufen. Wie die SS aus dem Haus herausgekommen ist, war natürlich der Zuber leer. … In der Zeit, in der die KZler in Ansfelden durchzogen, vertraute die Frau Lugmayr Maria mir an, dass sie einen KZler auf dem Heuboden versteckt habe.“
Das Radioprogramm war in dieser Zeit vorgegeben. Johann Brunner aus Ansfelden bekam 14 Monate Arrest wegen Aufforderung zum Feindsenderhören.

Das ist für uns heute schwer vorstellbar. Ein Schüler der MS Ansfelden erzählte einige der sogenannten Flüsterwitze, wie zum Beispiel folgenden: "Es wird erwogen, ob die Zeitungen enger gedruckt werden sollen, damit man nicht so viel zwischen den Zeilen lesen kann".
Ein Satz der italienischen Journalistin Franka Magnani, 1925-1996 stellte die Verbindung zu den heutigen Verhältnissen in Europa her: „Je mehr Bürger mit Zivilcourage ein Land hat, desto weniger Helden wird es einmal brauchen“.
Als über die Gehdenkfeier hinaus sichtbares Zeichen der Sehnsucht nach einer friedlichen Welt und Gesellschaft wurden bei der Gedenktafel an der Brücke Friedenstauben von den Teilnehmer*innen angebunden.

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
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