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Dominikanerhaus Steyr: „Es ist unser Herzenswunsch, etwas weiterzugeben“

KIRCHE_OÖ

Der öffentliche Betrieb der Bildungseinrichtung Dominikanerhaus Steyr wird mit Juli 2026 eingestellt. Dies werde eine große Lücke hinterlassen, sagen viele Stimmen aus Steyr und darüber hinaus. Dennoch wird etwas bleiben – wie etwa die „Dankbar leben“-Runden. 

Ausgabe: 13/2026
24.03.2026
- Lisa-Maria Hammerl
Ein Blick in den Seminarraum beim „Dankbar leben“-Wochenende 2025. Die „Dankbar leben“-Runden werden nach der Schließung des Dominikanerhauses fortgesetzt.
Ein Blick in den Seminarraum beim „Dankbar leben“-Wochenende 2025. Die „Dankbar leben“-Runden werden nach der Schließung des Dominikanerhauses fortgesetzt.
© Dagmar Grünwald

Ein festes, starkes Fundament, ein Haus mit dicken Mauern und unverrückbaren christlichen Werten – und gleichzeitig ein offenes Haus für alle Menschen und Meinungen, für Begegnung und Perspektivenwechsel: So beschreibt Sabine Gamsjäger das Dominikanerhaus in Steyr und wofür es steht. Sie leitet die seit 46 Jahren bestehende Bildungseinrichtung seit 2010. Diese entstand aus der Zusammenlegung vom Bildungszentrum Dornhaus mit dem Treffpunkt der Frau und hat, zusammen mit dem einstigen Kloster, eine bewegte Geschichte (ein Auszug davon s. im Kasten unten). Das Angebot reicht von Spiritualität, Gesellschaft und Lebensorientierung über Kommunikation und Gesundheit bis hin zu Kultur und Kreativität. Gamsjäger hat besonders den gesellschaftspolitischen Bereich stark ausgebaut, mit Vernetzungen in Steyr, mit NGOs, Personen aus und Kooperationen mit anderen Einrichtungen. 

 

Schließung im Sommer


Mit Juli 2026 soll das Dominikanerhaus nun geschlossen werden. Als sie die Nachricht erfuhr, konnte sie es zunächst nicht glauben, sagt Gamsjäger. „Es war für mich eine tiefe Verletzung und Wunde, das möchte ich nicht schönreden.“ Auch wenn seitens der Diözese betont würde, es liege nicht an der geleisteten Arbeit, sei dies für sie und alle Betroffenen kaum ein Trost. Dennoch sei ihr durch die Bekanntmachung der Schließung bewusst geworden, welche Bedeutung das Dominikanerhaus für viele Menschen hatte: „Wir bekommen viele positive Rückmeldungen und es wird oft erwähnt, wie wertvoll dieser neutrale Ort gerade in Zeiten der Polarisierung ist. Er wird als Haus wahrgenommen, wo man trotz verschiedener Meinungen respektvoll miteinander umgeht und wo eine gute Dialogkultur vorherrscht. Als dieser werden wir fehlen.“ Es sei stets Ziel gewesen, mit den verschiedenen Formaten „ins Tun zu kommen und nicht nur zu reden“. Jährlich fanden im Dominikanerhaus rund 200 Eigenveranstaltungen mit rund 2.5000 Teilnehmer:innen statt, zudem gab es ca. 150 Einmietungen. Viele schätzten das Programm und die Atmosphäre dort und könnten sich Steyr gar nicht vorstellen ohne Dominikanerhaus, sagt Sabine Gamsjäger. „Wir sind kein klassisches Bildungshaus, wo man etwas zahlt und sich Veranstaltungen anschauen kann, sondern es geht um Bildung und Begegnung, Gespräche, um eine Beheimatung für die Leute.“ Das für den 2. Juli geplante Abschiedsfest soll daher dazu genutzt werden, „uns zu feiern und das, was war, mit einem Blick auf das Positive“, sagt Gamsjäger.

 

„Dankbar leben“-Runden


Was mit dem Haus letztendlich geschehen soll, ist zwar noch offen, fest steht aber, dass einige Initiativen weiter fortbestehen sollen. Dazu gehören die „Dankbar leben“-Runden, die sich seit 2023 im Haus etabliert haben. Bisher durchgeführt vom Verein „Dankbar leben Begegnungsräume“, hat sich mittlerweile eine eigene Gruppe aus Steyr gebildet, die diese Runden weiterführen wird. Ingrid Kräter ist eines der Mitglieder dieses neuen Teams. Sie ist seit 30 Jahren ehrenamtlich im Dominikanerhaus tätig, als „Mädchen für alles“ , wie sie selbst sagt. „Wir sind alle sehr motiviert“, sagt Kräter. „Es ist etwas so Positives, deshalb ist es unsre Herzenswunsch, das an die Menschen weiterzugeben, die versuchen möchten, bewusst dankbar zu leben.“ Auch ihr habe es „sehr wehgetan“, zu erfahren, dass das Dominikanerhaus schließen wird. „Es hinterlässt eine große Lücke.“ Es sei eine große Bereicherung für sie gewesen, wie dort miteinander umgegangen, gemeinsam gefeiert und gearbeitet wurde: „Ich glaube nicht, dass es das ein zweites Mal irgendwo gibt.“ 

 
Im Fluss des Lebens


Die „Dankbar leben“-Runden basieren auf der Lehre von Bruder David Steindl-Rast. Es gibt eine gestaltete Raummitte, oft einen (spirituellen) Impuls am Anfang, gefolgt von einem Spiraldialog, in dem die Teilnehmer:innen, ohne unterbrochen zu werden, erzählen können, was sie beschäftigt. „Es geht darum, mit dem Herzen nach innen zu horchen, die Verbundenheit mit den Menschen und Gott zu erleben und eine tiefe Wertschätzung für alles zu spüren. Hier kann und darf alles so sein, wie es ist – auch man selbst“, erklärt Undine Dellisch vom Verein „Dankbar leben Begegnungsräume“. „Das hat nichts mit Passivität zu tun, sondern es ist ein grundsätzliches Ja-Sagen und Sich-Hineinbegeben in den Fluss des Lebens, und in Verbindung mit etwas Größerem zu gehen.“ 
Das Team von „Dankbar leben Begegnungsräume“ wird heuer auch noch einmal ein „Dankbar leben“-Wochenende organisieren. Diesmal ist das Thema „Lebensvertrauen, Lebensmut, Lebensfreude“, basierend auf einem Zitat von Bruder David Steindl-Rast, wo es heißt: „Lebensvertrauen ist die Grundlage, ihr entspringt Lebensmut, und dieser blüht auf in Lebensfreude.“ Um genau dieses Aufblühen gehe es an dem Wochenende, sagt Dellisch.  


„Dankbar leben“-Wochenende, 1.–3. 5., Anmeldung unter www.dankbar-leben-begegnungsraeume.net; Dankbar leben – ein einfacher Weg zum Glücklichsein, 10. 4., 8. 5., 12. 6., jew. 16:30–18:30 Uhr, Infos und Anmeldung unter www.dominikanerhaus.at

 

 

 

 

Auszug aus der Geschichte des Dominikanerhauses

 

1472–1478: Bau Kirche und Kloster, 1478 zu Ehren der „Verkündigung Mariens“ geweiht
1522: Bau brennt nieder, Dominikaner verlassen wegen der Reformation Steyr
1559: Wiederaufbau Klostergebäude, Unterbringung einer protestantischen Lateinschule
1572: Zerstörung des Trakts an der Enns durch Hochwasser
1624/25: Gegenreformation, Rückgabe von Kirche und Kloster an den Dominikanerorden
1785: Josef II. hebt das Kloster auf, Kauf durch Textilfabrikant Daniel Pellet und Anton Schaitter 
1865: Übergabe Dominikanerkirche samt Chorgebetsräumen an die Jesuiten
1974: Kauf durch Diözese Linz und Übertragung ins Eigentum der Stadtpfarre
1980: Feierliche Segnung, Eröffnung Bibliothek und Dominikanerhaus

 

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