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„Das geht so schnell und auf einmal ist man alt“

Kirche OÖ

Ludwig Mayr ist mit seinen 102 Jahren noch immer sehr aktiv und verkauft seine selbstgebundenen Palmbesen im Einkaufszentrum. Ein Leben ganz ohne Arbeit ist für ihn kaum vorstellbar.
 

Ausgabe: 12/2021
23.03.2021
- Paul Stütz
Verkauf im Einkaufszentrum. Ludwig Mayr lässt es sich nicht nehmen, seine gebundenen Palmbuschen selbst an den Mann und die Frau zu bringen. Dass er bereits gegen Corona geimpft wurde, erleichtert seine Tätigkeit.
Verkauf im Einkaufszentrum. Ludwig Mayr lässt es sich nicht nehmen, seine gebundenen Palmbuschen selbst an den Mann und die Frau zu bringen. Dass er bereits gegen Corona geimpft wurde, erleichtert seine Tätigkeit.
© Franz Litzlbauer

„Sie sind zu bewundern.“ Ein älterer Herr zieht mit diesen Worten anerkennend seinen Hut vor Ludwig Mayr, bevor er seine Bestellung aufgibt: „Drei Palmbuschen bitte“. Tatsächlich ist es mehr als ungewöhnlich, dass Ludwig Mayr an diesem Montagmorgen etwa 80 selbstgebundene Palmbesen vor dem Winkler-Markt in Linz zum Verkauf anbietet. Immerhin ist er 102 Jahre alt. Trotz seines hohen Alters ist Ludwig Mayr, der in Altenberg bei Linz lebt, immer noch sehr aktiv. Neben den guten Genen mag seine Umtriebigkeit ein Grund für seine gute Verfassung sein. „Ich habe nie viel Alkohol getrunken und 1992 endgültig mit dem Rauchen aufgehört“, sagt Mayr, der vor Kurzem gegen Corona geimpft wurde.

 

Handarbeiten im Hobbykeller

Immer etwas zu tun zu haben, ist für ihn sehr wichtig, ein Leben ganze ohne Arbeit eigentlich unvorstellbar. Schon bald nach dem Aufstehen in der Früh beginnt er mit dem Handarbeiten in seinem Hobbykeller. In den letzten Wochen waren es vorwiegend die Palmbuschen, mit denen er beschäftigt war. Daneben stellt er in seiner Werkstätte aber auch Brotkörbe, Besen und Holzschuhe her. Besonders das Korbflechten ist viel aufwändiger, als es die meisten Menschen erahnen würden. Vier bis fünf Tage dauert es, bis die Strohhalme, geputzt, gespalten, eingeweicht und zuletzt geflochten werden. 

 

Vom Bruder gelernt

„Das Handwerk hat mir mein älterer Bruder Anton beigebracht“, erzählt er. Während Anton im Krieg starb, hatte Ludwig Mayr mehr Glück. Als Soldat musste er mithelfen, Nachschub zu den Truppen zu bringen. Nur knapp entging er im Jahr 1943 der Schlacht von Stalingrad. „Als wir dort hinwollten, sind wir nicht mehr reingekommen, weil die Stadt schon eingekesselt war.“ Später war Mayr in Ostfriesland in Kriegsgefangenschaft, um dann im September 1946 endlich freigelassen zu werden und nach vielen Jahren wieder heimatlichen Boden betreten zu können. 

 

Versicherungsvertreter und „Friseur“

Es folgten die Jahre, in denen Ludwig Mayr seine um 15 Jahre jüngere Frau Franziska heiratete und eine Familie begründete, die heute fünf Kinder, zehn Enkel und zwölf Urenkel umfasst. Er arbeitete als Versicherungsvertreter und kümmerte sich nebenbei an den Wochenenden um die Frisuren der Männer aus der Umgebung, weil er das Haareschneiden beim Militär gelernt hatte. Seit 1979 ist er im Ruhestand. „Das geht so schnell und auf einmal ist man alt“, sagt Ludwig Mayr. Weil es ihm sonst zu langweilig geworden wäre, hat er in der Pension das Handarbeiten wieder aufgenommen. Jahrzehntelang hat er seine Körbe auf Handwerksmärkten verkauft, ist dabei viel herumgekommen. Noch als Hundertjähriger hat er sich dafür selbst hinter das Steuer seines Autos gesetzt. Während die Märkte wegen der Coronapandemie und aus Altersgründen mittlerweile kein Thema mehr sind, ist beim vorösterlichen Palmbesenverkauf noch nicht das letzte Wort gesprochen. „Er kündigt zwar jedes Jahr an, dass er damit aufhört, aber ich glaube, wenn es seine Gesundheit erlaubt, wird er auch nächstes Jahr wieder hier sein“, wagt sein Sohn Manfred eine Prognose. « 
 

Die guten Gene und immer etwas zu tun zu haben. Für Ludwig Mayr sind das die Gründe, wieso er so alt geworden ist.
Die guten Gene und immer etwas zu tun zu haben. Für Ludwig Mayr sind das die Gründe, wieso er so alt geworden ist.
© Franz Litzlbauer
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