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Gewöhnliches und Gewohntes - Serie Von Jesus leben lernen Teil 2/4

GLAUBENS_GUT

Jesus hat durch das Beispiel seines Lebens gezeigt, wie menschliche Lebensführung gelingen kann. Clemens Sedmak wirft einen tieferen Blick auf das Leben Jesu als „Lebensschule“.
 

Ausgabe: 16/2026
14.04.2026
- Clemens Sedmak
Gute Gewohnheiten sind wie ein Stiegengeländer, sie geben Halt und weisen den Weg – unaufgeregt.
Gute Gewohnheiten sind wie ein Stiegengeländer, sie geben Halt und weisen den Weg – unaufgeregt.
© Yogendra/Adobe Stock

Mitunter ist in kleinen Nebensätzen Tiefsinniges zu finden. Am Anfang des zehnten Kapitels des Markus-evangeliums heißt es: „Er lehrte sie“ – und dann der Zusatz: „wie er es gewohnt war“ (Markus 10,1). Ähnlich lesen wir im Lukasevangelium: „Jesus ging am Sabbat in die Synagoge“ – und der Zusatz, gleich nach den ersten beiden Worten: „wie gewohnt“ (Lukas 4,16). Die Kraft aus dem Unscheinbaren gilt wohl auch für unser Leben: Unscheinbare Gewohnheiten bilden, auf oftmals wenig sichtbare Weise, ein stabiles Fundament, eine Kraftquelle, Rückhalt und Rückgrat im Leben. Unsere Gewohnheiten sind wie Stiegengeländer, die uns den Weg weisen und Sicherheit geben. Das klösterliche Leben ist in der christlichen Tradition der Inbegriff der gewohnheitsgegründeten Lebensform. Die Tage wiederholen sich, die Tagesstruktur ist vorgegeben. Wann wird aufgestanden, wann sind die Gebetszeiten und Mahlzeiten, wann sind die Arbeitsstunden und wann ist Zeit für Muße und Erholung? 


Verlässliche Gewohnheiten


Auf diese Weise wird das Leben in kleine Wegstrecken aufgeteilt. Auf das Beten folgt das Essen, auf das Essen das Arbeiten, auf das Arbeiten folgt das Beten, gefolgt von der Zeit zur Erholung. Dadurch verliert der Tag an Spontaneität, gewinnt aber an einer verankerten Verlässlichkeit, die Lebenssicherheit schenken kann. Gewohnheiten lassen uns in unserem Leben wohnen, sie bauen ein Haus, in dem wir Halt finden. Wer es sich zur Gewohnheit gemacht hat, zu einer bestimmten Zeit aufzustehen, muss nicht lange überlegen, wie der Tag beginnt. Das reduziert den Aufwand, der mit Entscheiden und Planen verbunden ist, und schenkt Freiheit für anderes. Zugleich entsteht durch die Gewohnheiten „Gewöhnliches“, Vertrautes, Nichtaufregendes.

 

Was man sich angewöhnen kann


So wundervoll das Aufregende und Außergewöhnliche auch ist – es kostet Kraft und ist kein Lebensfundament. Jesus hat in vielerlei Hinsicht ein gewöhnliches Leben gelebt. Wir wissen nichts über sein Leben zwischen dem 12. und dem 30. Lebensjahr, er muss unauffällig gelebt haben. Danach haben Gewohnheiten seinem Leben Struktur gegeben: Wir lesen etwa, dass Jesus zum Ölberg ging, „wie er es gewohnt war“ (Lukas 22,39). Jesus hätte auch andere Gewohnheiten aufbauen können, er hat seinem Leben durch diese Gewohnheiten eine ganz bestimmte Form gegeben. Gutes Leben ist vergleichbar mit einem Fluss, der in einem Flussbett fließt. So ist es gut und sinnvoll, sich zwei Fragen zu stellen: Welche Gewohnheiten prägen mein Leben? Welche Gewohnheiten möchte ich oder sollte ich ändern – aufnehmen oder loslassen?


Die Osterzeit ist eine Einladung, über österliche Gewohnheiten nachzudenken. Wir Christinnen und Christen sind österliche Menschen. Wir sind Menschen, die aus jener Freude leben, wie sie nur der Glaube an die Auferstehung schenken kann. An diesem Glauben hängt alles, schreibt Paulus im ersten Korintherbrief: „Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube“ (1 Korinther 15,13–14). 

 

Für den Alltag


Welche österlichen Gewohnheiten können wir uns aneignen?

 

Buchtipp:


Clemens Sedmak, Wie leben? Von Jesus lernen.
40 Bibelstellen, die zeigen, wie Menschsein gelingen kann, Tyrolia 2025, 200 Seiten, Hardcover 20.00 €, eBook 16.99 €

 

Clemens Sedmak
Clemens Sedmak
© University of Notre Dame
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