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„Ich nehm' das Wetter wie es kommt“

Das Wetter bewegt Menschen – besonders, wenn es übel mitspielt. Marcus Wadsak präsentiert den Fernsehzuschauer/innen Wetterprognosen. In der KirchenZeitung erzählt er, wie es ihm selbst mit dem Wetter geht, und was es mit dem „Siebenschläfertag“ (27. Juni) auf sich hat.
Ausgabe: 2013/25, Markus Wadsak, Wetterprognosen, Wetter, Meteorologe, Klima
18.06.2013
- Matthäus Fellinger
Haben Sie das Ausmaß der jüngsten Überflutungen vorhergesehen – und ab wann?
Marcus Wadsak: Das Hochwasser hat sich rechtzeitig angekündigt! Im ORF haben wir bereits ab Dienstag die Warnsymbole in den Grafiken gehabt, am Mittwoch die Regionen gezeigt, wo der große Regen fällt – gekommen ist das Hochwasser am Sonntag.
Diese Warnung hat hoffentlich einigen noch geholfen, das Allerschlimmste zu vermeiden. Zuletzt waren Sie für viele der Überbringer „schlechter“ Nachrichten. Wie geht Ihnen damit?
Als Wetter-Redakteur und Meteorologe versuche ich immer die bestmöglichen Prognosen zu machen! Wir sagen oft sonniges Wetter vorher, ebenso auch regnerisches und frisches! Es ist unser Job, jedes Wetter so gut wie möglich vorherzusagen. Besonders vor den Wochenenden?
Natürlich spüren wir, besonders zu Feiertagen und langen Wochenenden, die Hoffnung der Menschen auf ‚schönes‘ Wetter oder Sonnenschein – das kann ich auch gut nachvollziehen! Natürlich ist es erfreulich, wenn wir den Zuseherinnen und Zusehern das Wetter vorhersagen können, das sie sich wünschen. Wenn das aber nicht möglich ist, versuchen wir alle Wetter-Interessierten eben auf das vorzubereiten , was sie wettermäßig erwartet.
Dazu gehören auch Warnungen vor Extrem-Wettererscheinungen. Damit helfen wir den Menschen, sich auf das, was da kommt, vorzubereiten und einzustellen. Und man darf bei aller Freude über Sonnenschein nicht vergessen, dass es andere Berufsgruppen gibt, etwa Landwirte, die vielleicht genau zu diesem Zeitpunkt Regen herbeisehnen. Sind Vorhersagen generell schwieriger geworden?
Nein, im Gegenteil. Die Technik entwickelt sich so schnell und damit auch die Güte der Prognosen. Blitze, die irgendwo in Österreich einschlagen, sehen wir in der selben Sekunde auf einige Meter genau auf unseren Bildschirmen. Satellitenbilder und Radar funktionieren deut-lich schneller als noch vor zehn Jahren und erleichtern uns genaue Punkt-Prognosen! Das meteorologische Messnetz wird laufend erweitert und liefert immer mehr und genauere Daten. Und natürlich hilft uns auch die rasende Entwicklung in der Computer-Welt, denn je mehr und schneller unsere Computersysteme rechnen können, desto besser werden unsere Prognosen. Sind ungewöhnliche Wettersituationen für Sie nicht irgendwie auch spannend?
Ja, natürlich fasziniert mich extremes Wetter sehr. Das Wetter ist immer spannend. Ein Gewitter das sich bildet, wo sich innerhalb einer Wolke Millionen Tonnen von Wasser auftürmen und dann mit Blitz und Donner niedergehen. In seltenen Fällen kann sich auch in Österreich dabei ein Tornado bilden, das ist schon sehr eindrucksvoll, aber eben auch gefährlich und kann großen Schaden anrichten! Davor wollen wir dann auch rechtzeitig warnen. Ich selbst beobachte das Wetter immer sehr genau, weil es spannend ist, was sich in der Atmosphäre abspielt, welche enormen Kräfte und Gewalten hier am Werk sind. Das Wetter wird nie langweilig. Was machen Sie persönlich bei Schlechtwetter?
Ich nehme jedes Wetter so wie es kommt. Es ist auch einmal schön bei Regen spazieren zu gehen, die saubere Luft danach einzuatmen und zu genießen. Ich betreibe auch Sport bei jedem Wetter, so lasse ich mich weder von Regen noch von Schnee vom Laufen abhalten. Und zum Surfen brauche ich nun mal starken Wind. Und bei solchen Wetter-Turbulenzen werfe ich selbstverständlich auch immer einen Blick auf unsere Computer, um zu erkennen, was da gerade läuft. Sie sind von Beruf Meteorologe, haben also auch den sehr langfristigen Blick auf das Thema Wetter gelernt. Wie glauben Sie, wird das mit dem Wetter und Klima bei uns weitergehen?
Das Wetter wird sich in den nächsten Jahren nicht oder nur wenig merkbar ändern. Das Klima tut dies aber bereits. Im Laufe der nächsten 100 Jahre werden die Gletscher in Österreich weiter zurückgehen, teilweise dramatisch schnell. In 30 bis 50 Jahren wird es noch heikler mit der Schneesicherheit in tief gelegenen Schigebieten. Im Sommer werden wir in Österreich davon profitieren, dass es am Mittelmeer allmählich zu heiß wird, mit den Folgen von Wasserknappheit und Waldbränden im Sommer. In anderen Teilen der Erde wird der Klimawandel extremere, sogar lebensbedrohende Veränderungen bringen. Was halten Sie von Wetterregeln – oder von so etwas wie dem „hundertjährigen Kalender“?
Bei Wetterregeln gibt es eine klare Unterscheidung, welche funktionieren und welche nicht. Wenn man von einem Tag auf eine Jahreszeit oder auf einen späteren Zeitpunkt Schlüsse ziehen will, bringt das nichts. Wenn aber eine Wetterregel vom Wetter an einem bestimmten Tag auf die darauffolgenden Tage schließt, hat das schon was. Das liegt an der Erhaltungsneigung unserer Atmosphäre. Wichtig ist bei Wetterregeln, dass man genau weiß, wo und wann diese Regeln erstellt wurden, und wo und wann sie gelten. So haben sich die Eisheiligen etwa durch die gregorianische Kalenderreform nach hinten verschoben, und kommen eigentlich um einige Tage später, als sie im Kalender stehen. Eine weitere Wetterregel, an der was dran ist, ist jene rund um den Siebenschläfer-Tag. Stellt sich nämlich rund um diesen Zeitpunkt das Azoren-Hoch über Europa ein, so deutet das auf einen überwiegend sonnigen und warmen Sommer hin. Tut das Azoren-Hoch dies nicht, bleibt aber dennoch alles offen. Also: Azoren-Hoch kommt: eindeutiger Trend zu ‚schönem‘ Sommer. Azoren-Hoch fehlt: alles ist möglich!

Ist das, was wir jetzt erleben, das Azorenhoch, das wir für den Siebenschläfertag erhoffen?
Nicht ganz – dieses Hoch und die erste Hitzewelle 2013 kommen direkt aus Afrika, aus der Sahara zu uns, das Azorenhoch ziert sich derzeit noch ein bisschen!

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