„In meiner Klasse passiert fast jeden Tag was Lustiges“, schrieb Sedef 2012 als Schülerin der 3. Klasse der Neuen Mittelschule der Europaschule Linz. Die Europaschule setzt auf ein vielfältiges Miteinander. Ihr Direktor Stefan Giegler betont das Bemühen, eine angstfreie Schule zu sein.
„Angst ist kein guter Lernbegleiter“, ist Giegler überzeugt. „Wenn ein Schüler einen Blödsinn macht, soll er nach dem Gespräch nicht als Geschlagener von mir weggehen“, erklärt er eine Bedingung der Angstfreiheit. Konsequenzen müsse es geben.
Pionierschule. Die Europaschule Linz ist eine Pionierschule. Sie war die erste Neue Mittelschule Oberösterreichs. Im Schulversuch konnte sie einige Jahre eine Schule ohne Noten sein. Die Schuldemokratie und Mitsprache der Schüler/innen ist fest verankert und nicht bloß eine unverbindliche Übung. Natürlich gibt es auch Probleme. Doch will man an der Europaschule nicht problemorientiert, sondern in Herausforderungen denken.
Herausforderungen, keine Probleme. So ist es kein Problem, Schüler/innen aus 24 verschiedenen Nationen mit 17 unterschiedlichen Muttersprachen zu unterrichten, sondern eine Herausforderung. Und es ist kein Problem, dass in der Schule eine bunte Vielfalt an Religionen und Ethnien vertreten ist, sondern eine Bereicherung. Da ist es auch selbstverständlich, die schulische Infrastruktur immer wieder verschiedensten Gruppen zur Verfügung zu stellen. „Schule muss sich öffnen!“, betont der Direktor. Eine Konsequenz dieses Öffnens sind die Schulfeste, die schon Stadtteilfest-Charakter haben. – Das diesjährige Schulschlussfest findet am Mittwoch, 3. Juli, ab 16 Uhr statt (Lederergasse, Linz).
Kein Werturteil über die Person. „Angst tritt dann auf, wenn Gefahr des Versagens besteht und man Gefahr läuft, gedemütigt oder beschämt zu werden“, führt Direktor Giegler sein Plädoyer für eine angstfreie Schule weiter. „Angstfreiheit ist mit dem Bewusstsein verbunden, dass jeder und jede scheitern kann, dass ich scheitern nicht zum Negativen mache.“ Schule muss natürlich Rückmeldung geben. Diese dürfe jedoch nur die Leistung betreffen, nicht zum Werturteil über die Person werden! Am Ende der Schullaufbahn sollen die Jugendlichen das Gefühl haben, für sich und ihre Entwicklung das Optimale herausgeholt zu haben. „Das ist eine Vision“, an ihr arbeiten in der Europaschule etwa 70 Lehrer/innen, unterstützt von interessierten Eltern – zum Wohl von 400 Schüler/innen.