Am 29. Juni feiert das größte Bildungshaus der Diözese das 60-jährige Bestehen. 50.113 Menschen besuchten 2012 eine der 1664 Veranstaltungen in Schloss Puchberg. Seit 1995 wird es von Dr. Wilhelm Achleitner geleitet.
Ausgabe: 2013/26, Interview, Schloss Puchberg, Achleitner, Bildung
25.06.2013
- Matthäus Fellinger
Woran merkt man, dass man sich in Puchberg auf kirchlichem Boden befindet? Dr. Wilhelm Achleitner: Im gesamten Gebäude sind weit über 100 Kruzifixe angebracht, in allen Zimmern. Wenn man beim Foyer hereinkommt, sieht man sofort die Aufschrift, wo es zur Kapelle geht. Bei der Rezeption findet man eine Darstellung der Emmaus-Geschichte: Im Gespräch und im Unterwegssein ist man Jesus nahe, kommt hier zum Ausdruck. Und an unserem Programm merkt man es natürlich auch.
Die katholische Kirche durchlebte in den letzten Jahren eine Vertrauenskrise. Wie geht es Ihnen damit als Direktor von Schloss Puchberg? Ich bin nie versucht gewesen, mich mit meiner Kirchlichkeit zu verstecken. Ich habe eine Freude daran, mich als Katholik zu zeigen. Katholisch sein ist interessant, modern und zukunftsfähig. Das wollen wir in Puchberg zeigen. Ich bilde mir ein, dass ich mit meiner Diskussionsfähigkeit zeigen kann: Wir Katholiken sind keine Zurückgebliebenen. Im Gegenteil: Ich fühle mich als Christ der Avantgarde zugehörig.
Manche werfen dem Bildungshaus vor, hier würden Inhalte geboten, die wenig oder nicht „katholisch“ sind, wie zum Beispiel Yoga. Kirche heißt, an allem teilhaben, was dem Leben dient. Da braucht es eine große Weite. Da gehört das Herz dazu, die Bewegung, die Musik, die Meditation. Es wäre zu eng, wenn wir nur den Verstand gelten ließen oder wenn in Puchberg nur Bibel gelesen würde.
Yoga ist gefragt, weil Menschen heute sehr vielen Spannungen ausgesetzt sind und weil es ungemein entspannt. Ein Bischof müsste uns kritisieren, wenn wir zu schmal im Programm wären, wenn wir also nicht weit genug wären. Welche Inhalte sind derzeit besonders gefragt? Zuletzt hatten wir bei einem Vortrag von Gehirnforscher Gerald Hüther 500 Leute, weiteren 200 mussten wir absagen. Hüther ist einer, der – wie auch Anselm Grün – den Menschen zeigt: Glaube ist etwas Schönes. Wir können neue Wege gehen. Das Leben hat Sinn, man muss es in die Hand nehmen.
Auch Angebote mit Tanz, Malen und Singen sind sehr nachgefragt. Alles, was die Seele erhebt. Puchberg ist auch ein Wirtschaftsbetrieb. Merkt man da etwas Kirchliches? Wir halten uns an die Dienstordnungen der Diözese – und diese ist sehr arbeitnehmer/innenfreundlich.
Merkt man es auch beim Essen? Wir bemühen uns um saisonale und regionale Produkte. Kein Apfel ist mehr als fünf Kilometer entfernt geerntet worden. Wir wollen gesunde regionale Produkte anbieten. Salat und Kräuter kommen im Sommer aus unserem eigenen Garten.
Die Konkurrenz des Internet macht Bildungseinrichtungen zu schaffen. Spürt das Puchberg? Bei uns melden sich Leute an, weil sie entweder ein Thema interessiert oder weil sie einen Referenten oder eine Referentin schätzen. Ganz oft passiert es aber, dass ein Erlebnis dazukommt, mit dem sie gar nicht gerechnet haben: Hier lernt man Menschen kennen, man erfährt Gemeinschaft.
Oft erlebe ich, dass nach einer Arbeitswoche Menschen mit müdem Gesicht am Freitag zu uns hereinkommen und am Sonntag Mittag das Haus mit einem lachenden, entspannten Gesicht verlassen. Dazwischen haben sie etwas Wunderbares erlebt. Gemeinschaft – das ist etwas, was wir Christen und Katholiken gut können.
Manche sprechen vom „Geist von Puchberg“. Worin besteht er? Erwachsenenbildung ist der Ort, wo Menschen eingeladen sind, für eine kurze Zeit eine Bindung mit anderen Leuten einzugehen. Man muss hier nicht gleich mitarbeiten. Die Offenheit, die für unsere Diözese so kennzeichnend ist, gehört von Anfang an zum Geist von Puchberg. Da gehört auch die ökumenische Offenheit dazu. Es ist ein Geist der Freiheit, den wir unseren Gründern verdanken, die damals gewirkt haben.