Seitenbereiche:
  • zum Inhalt [Alt+0]
  • zum Hauptmenü [Alt+1]

Startseite
ePaper
Hauptmenü schließen Hauptmenü schließen
  • Standardfarben: Standardfarben
  • Weiß auf Schwarz: Standardfarben
  • A: Schriftgröße: normal
  • A: Schriftgröße: groß
  • A: Schriftgröße: sehr groß
  • THEMEN
    • LEBENS_WEISE
      • LIEBESERKLAERUNGEN
      • REZEPTE_
      • FÜR_DICH
    • GESELLSCHAFT_SOZIALES
      • GEDENKJAHR_2025
    • MENSCHEN_MEINUNGEN
      • TEXTE VON LESER:INNEN
    • KULTUR_LAND
      • KUNST_GESCHICHTEN
      • BÜCHER_FILME_MUSIK
  • KIRCHE_
    • KIRCHE_OÖ
      • Jubiläum 80 Jahre
      • Blog Rom Wallfahrt
    • KIRCHE_ÖSTERREICH
    • WELTKIRCHE_
    • GLAUBENS_GUT
      • FRIEDENSTUGENDEN
      • MEIN WEG NACH ROM
      • KLOSTER ZUM KOSTEN
      • GLAUBE KONKRET
      • FRIEDEN_SUCHEN
      • BETEN_
      • FREIHEIT
      • KRAFTVOLL_LEBEN
      • LEIB_SEELE
    • SONNTAG_
  • VERANSTALTUNGEN
    • TERMINE
    • KLASSIK AM DOM
    • LESERINNEN_REISE
  • VORTEILE
  • Newsletter
  • Glossar
  • Pfarreninfo
  • Kontakt
  • Anzeigen
  • ABO
  • Facebook
  • Instagram
  • YouTube
  • RSS
Startseite
  • Facebook
  • Instagram
  • YouTube
  • RSS
  • Standardfarben: Standardfarben
  • Weiß auf Schwarz: Standardfarben
  • A: Schriftgröße: normal
  • A: Schriftgröße: groß
  • A: Schriftgröße: sehr groß
  • Newsletter
  • Glossar
  • Pfarreninfo
  • Kontakt
  • Anzeigen
  • ABO
Startseite
Hauptmenü:
  • THEMEN
    • LEBENS_WEISE
      • LIEBESERKLAERUNGEN
      • REZEPTE_
      • FÜR_DICH
    • GESELLSCHAFT_SOZIALES
      • GEDENKJAHR_2025
    • MENSCHEN_MEINUNGEN
      • TEXTE VON LESER:INNEN
    • KULTUR_LAND
      • KUNST_GESCHICHTEN
      • BÜCHER_FILME_MUSIK
  • KIRCHE_
    • KIRCHE_OÖ
      • Jubiläum 80 Jahre
      • Blog Rom Wallfahrt
    • KIRCHE_ÖSTERREICH
    • WELTKIRCHE_
    • GLAUBENS_GUT
      • FRIEDENSTUGENDEN
      • MEIN WEG NACH ROM
      • KLOSTER ZUM KOSTEN
      • GLAUBE KONKRET
      • FRIEDEN_SUCHEN
      • BETEN_
      • FREIHEIT
      • KRAFTVOLL_LEBEN
      • LEIB_SEELE
    • SONNTAG_
  • VERANSTALTUNGEN
    • TERMINE
    • KLASSIK AM DOM
    • LESERINNEN_REISE
  • VORTEILE

ePaper
Kirchenzeitung Logo
Login
  • » Passwort vergessen
  • » Gratis-ePaper-Abo bestellen
Hauptmenü anzeigen
Kirchenzeitung:
  • Archiv

Inhalt:

Gespräch über „Jägerstätter“

Nachlese eines Podiumsgespräch zum Theaterstück über Franz Jägerstätter am 5. Juli 2013 in der Pfarrkirche Stadt Haag. Das Stück wird ab 14. September im Theater in der Josefstadt in Wien aufgeführt.
Ausgabe: 2013/37, Podiumsgespräch, Jägerstätter, Haag, Theatersommer
05.09.2013
Im Rahmen des Theatersommers Haag hat die KirchenZeitung am 5. Juli in die Pfarrkirche zu einem Podiumsgespräch eingeladen. Thema war das Stück "Jägerstätter". Der Autor Felix Mitterer, der Intendant des Theatersommers und Jägerstätter-Darsteller Gregor Bloéb sowie Gerti Drassl in der Rolle der Franziska erzählten von ihren Erfahrungen und Begegnungen mit Franz Jägerstätter. Elisabeth Jungmeier von der Friedensbewegung Pax Christi berichtete über die Bedeutung Jägerstätters für die Friedensbewegung in den USA und für Pax Christi International. KirchenZeitungsredakteur Josef Wallner moderierte das Gespräch. (Fotos unter Theatersommer Haag/Podiumsdiskussion.) Das Stück wird ab 14. September 2013 im Theater in der Josefstadt in Wien aufgeführt.
Herr Mitterer, die Kritiken Ihres Stückes sind sensationell. Können Sie uns Ihr Rezept verraten: Wie schreibe ich ein Erfolgsstück?
Mitterer: Es gibt natürlich kein Rezept. Nachdem ich mit dem Stück fertig war, dachte ich, dass es nichts Besonderes ist. Ich glaube das nach wie vor, aber mit Hilfe der Darsteller und der Regisseurin ist es gut ausgegangen. Die Voraussetzungen für das Stück waren nicht einfach: Man schreibt eine wahre Geschichte über eine wirkliche Person und man hat eine unglaubliche Verantwortung auch der Familie gegenüber. Die drei Töchter und die Enkelkinder müssen am Ende damit einverstanden sein. Ich war voll Sorge, ob sie zur Aufführung kommen werden und war dann sehr erleichtert, als sie zugestimmt haben. Die Zustimmung von Pfarrer Sepp Steinkellner war mir ebenfalls wichtig. So leidet man doch einige Qualen. Sie haben – so erzählten Sie einmal – recht spontan zugesagt, das Stück zu schreiben? Mitterer: Ich habe nur zugesagt, weil Gregor mich gefragt hat. Dann dachte ich: Um Gottes Willen, welch eine schreckliche Geschichte, wie soll ich das schreiben, damit nicht jeder Zuseher komplett erschlagen hinausgeht. Wie haben Sie Ihren Weg zu Franz Jägerstätter gefunden? Mitterer: Durch die Briefe. Das sind die authentischen Zeugnisse von Franz und Franziska, vom Untersuchungsgefängnis in Linz nach St. Radegund und retour, von Berlin nach St. Radegund und retour. Die Briefe musste ich vorkommen lassen, weil sie authentisch sind. Gleichzeitig habe ich mich davor geschreckt. Es kann ja kein Briefroman-Theaterstück werden und ich habe fleißig gestrichen. Am Anfang habe ich mich sehr schwer getan. Ich dachte, Franz Jägerstätter ist ein junger, sturer Innviertler Brüter, in sich verschlossen, und fast so, wie die Gendarmerie von Ostermiething ihn nach dem Krieg beschrieben hat, als es um die Witwenrente von Franziska Jägerstätter ging: als depressiven Menschen mit Selbstmordgedanken. Aber alles falsch. Die Besuche bei der Familie und bei Frau Jägerstätter waren wichtig, um zu sehen, wie sie gelebt hat. Da sind wir auf die unglaubliche Liebesgeschichte zwischen Franz und Franziska gestoßen. Das war für mich eine große Erleichterung. Es ist alles gut ausgegangen und wir sitzen hier. Ich bin glücklich. Sie konnten noch mit Franziska Jägerstätter sprechen. Welche Bedeutung hat der Ort St. Radegund für Ihre Vorbereitung auf das Stück gehabt? Mitterer: St. Radegund ist ein sehr merkwürdiger Ort, da man kein richtiges Dorfzentrum findet, so wie es in vielen Orten der Fall ist. Das Kirchlein ist nicht der Kern des Zentrums, sondern es steht unten. Es war sehr bedeutsam, den Jägerstätter-Hof zu besuchen, der mit Hilfe von Pfarrer Steinkellner gerettet wurde. Dort zu sein, wo sie gelebt haben, war sehr wichtig, um alles begreifen zu können. Interessant fand ich auch, dass es in St. Radegund keine illegalen Nazi gab. Die Bewohner sind sehr stur und lassen sich nicht gerne von jemandem von außen sagen, was sie zu denken haben. Spannend und wichtig. Franz Jägerstätter war kein einfacher Mensch, er hat es weder sich noch den anderen einfach gemacht. Was ist das Schwierige an ihm? Gregor Bloéb: Ich glaube, genau das ist das Schwierige. Wir erahnen es ja nur. Ich verwende den Text von Felix für meine Figur und versuche auf diese Weise, Jägerstätter zu erfassen. Ein Mensch, der so direkt, so klar seinen Weg geht und die Konsequenz trägt, ist kein Einfacher. Das auf die Bühne zu bringen, ist natürlich schwierig. Wenn man genau schaut, läuft alles auf die Frage zu: Jägerstätter opfert sein Leben. Seine Familie lässt er dadurch alleine. Ist das zu verstehen? Bloéb: Verstehen ist schwierig, nachvollziehen - ja. Ich bin für mich selber zu dem Entschluss gekommen: Jägerstätter war ein Mensch, der sehr an die Liebe und das Leben geglaubt hat, und in einer Gemeinschaft sein wollte, wo das gelebt wird. Nur so ein Mensch kann und muss diese Konsequenz ziehen und sagen: Dann bringt mich lieber um, bevor ich in einer Gesellschaft lebe, in der alle Dinge, an die man glaubt, für nichtig erklärt worden sind. In einem Interview mit der KiZ haben Sie gemeint: Jägerstätter konnte diese Entscheidung nur treffen, weil er geliebt hat. Können Sie das noch etwas ausführen? Bloéb: Ja, Jägerstätter war liebesfähig. Er war ein lebensbejahender Mensch. Nur wer an die Liebe glaubt, kann so handeln. Was gibt man seinen Kindern weiter? Ich glaube nicht an Erziehung, sondern daran, dass wir Kindern etwas vorleben. Wenn ich ein g’rader Michl bin und an etwas glaube, dann kann ich meinen Kindern nicht etwas anderes vorleben. Franz Jägerstätter als der große Liebende. Frau Drassl, Ihre Rolle als Franziska ist sehr delikat. Viele Radegunder haben Frau Jägerstätter noch gekannt, sind mit ihr befreundet gewesen. Wie geht man an so eine Rolle heran? Gerti Drassl: Sehr behutsam, von Anfang an. Ich hatte das große Glück, Franziska letztes Jahr noch kennenlernen zu dürfen. Das war ein großes Geschenk für mich und für diese Rolle. Ich habe sie nur ganz kurz getroffen, aber was da an Lebensfreude und Offenheit auf mich zugekommen ist, hat mich vom ersten Moment an gefesselt. Das war das Wichtigste für mich. Und dann gab es die Briefe der beiden, in denen sie so offen und herzlich auch uns ihre Liebe schenken. Das war für mich auch ein ganz wichtiger Schritt in der Annäherung an diese Figur. Ich habe St. Radegund natürlich besucht. Mit meiner kleinen Tochter – sie heißt Rosa wie die älteste Tochter Jägerstätters – bin ich nach St. Radegund hingefahren und als erstes in die Kirche gegangen. Wir hatten dort viel Zeit, weil wir auf Gregor und seine Familie gewartet haben. Die Kirche und die ganze Atmosphäre haben mir von Anfang an Zuversicht geschenkt. Bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Theaterstücks haben Sie gesagt, dass Ihre Rolle mit einer eigenen Dynamik verbunden ist, wenn man eine Tochter im damaligen Alter der Jägerstätter-Kinder hat. Was geht Ihnen da durch den Kopf? Drassl: Jeder, der Kinder hat, kann das sicher verstehen, dass es einem nicht durch den Kopf geht, sondern durch Mark und Bein – so wie uns bei den Proben. Wir alle sind im Laufe der Probenzeit irgendwann zusammengebrochen. Jeder einzelne von uns, in jeder Figur. Wir haben offen voreinander geweint. Das war möglich bei Steffi Mohr (der Regisseurin), um den tiefen Zugang zu der Geschichte zu finden. Wir haben uns voreinander wie nackt gefühlt, weil das, was wir da erzählen, so eine tiefgehende Geschichte ist.
Bezüglich Ihrer Frage mit den eigenen Kindern: Natürlich trifft mich das dann doppelt und dreifach, weil ich dabei an meine Tochter denke. Das kann man nicht ausschalten, das geht nicht. Ich habe immer die drei Töchter von der Franziska vor Augen. Wer das Stück noch nicht gesehen hat, die Kinder werden durch Puppen dargestellt, aber ich sehe halt immer die Rosi, die Maridl und die Loisi vor mir. Das ist so, das kann ich nicht wegdenken. Herr Bloéb, sind Ihnen die Proben auch so nahegegangen? Bloéb: Ja. Uns war allen klar, dass das eine sehr schwere Probenzeit werden wird, als wir das Stück bekommen haben. Natürlich geht man da ganz tief und es bleibt einem auch nichts anderes übrig. Jeder einzelne Schauspieler lag irgendwann mal in einer Ecke und hat zwei Stunden geweint. Das ist wichtig für das Stück, dieser Probenprozess. Den braucht es zum Ersten, damit man sich als Schauspieler selbst schützen kann. Nachdem man einmal geweint hat, kann man bei den Vorstellungen dann professionell als Schauspieler agieren. Dieser persönlich intensive Probenprozess ist auch für das Publikum wichtig: Denn wir wollen den Menschen das Stück zeigen und dabei die Möglichkeit geben, diese Gefühle und diese Tiefe auch zu spüren. Das ist unsere Aufgabe. Elisabeth Jungmeier, Franz Jägerstätter wird im Theater lebendig, aber er ist auch auf ganz andere Weise lebendig, nämlich bei friedensbewegten Menschen. Vor allem in den USA ist er eine große Inspiration, seit seiner Entdeckung in den 1960er Jahren durch Gordon Zahn. Kannst du uns Einblick geben, wie Jägerstätter in den USA deine Freunde bewegt? Elisabeth Jungmeier: Nicht nur in den USA, ich komme gerade aus Berlin von der Tagung von Pax Christi International. Dort habe ich erlebt, wie Pax Christi Flandern von Franz Jägerstätter inspiriert ist, wie sie sich einsetzen gegen die Nuklearwaffen der USA, die in Belgien stationiert sind. Sie sagen: Wir können das mit unserem Gewissen nicht vereinbaren. Oder Pax Christi Neuseeland und England. Diese Gruppen starten derzeit Aktionen gegen die Verwendung von Drohnen, die unbemannten Killerwaffen, die zum Beispiel in Somalia, in Pakistan und im Jemen eingesetzt werden. Also Pax Christi ist insgesamt von Franz Jägerstätter beeinflusst.
In den USA gibt es die Gruppe „Friends of Franz“ bei denen ich inzwischen auch Mitglied bin. Sie wollen, dass die katholischen Bischöfe der USA endlich den Krieg im Irak und in Afghanistan verurteilen. Sie haben Briefe an 300 Bischöfe geschrieben, damit diese ihr Schweigen brechen.
Die „Friends of Franz“ setzen sich ebenfalls gegen Drohnen ein. Im April war die jüngste Demonstration vor der Hancock Air Base. Aktivistinnen und Aktivisten haben sich vor dem Gelände hingelegt, wurden eingesperrt und auf Kaution freigelassen. Die Gerichtsverhandlung folgt im Herbst. Franz Jägerstätter ist das Herzstück ihres Einsatzes gegen Militarismus. Sie treffen sich alle sechs Wochen.
Und an einem ganz neuen Projekt sind die „Friends of Franz“ dran: Sie möchten einen Kriegsdienstverweigerer aus dem 1. Weltkrieg, Ben Salmon, nach dem Vorbild Jägerstätters seligsprechen lassen. Sie wollen wissen, wie wir das in Österreich gemacht haben, dass ein Kriegsdienstverweigerer seliggesprochen wurde, und hoffen auf unsere Hilfe. Herr Mitterer, ich komme noch einmal auf den großen Erfolg der Premieren in Wien und Haag zu sprechen. Gab es in den letzten Tagen interessante Rückmeldungen, mit denen Sie nicht gerechnet hätten? Der damalige Bischof von Linz hat Jägerstätter nicht verstehen können oder wollen, bei der Premiere ihres Jägerstätter-Stücks in Wien waren nun vier Bischöfe und haben applaudiert, an der Spitze Kardinal Schönborn. Zur Premiere in Haag kamen drei Bischöfe, einer davon aus den USA, der seine Reise durch Europa eigens auf die Jägerstätter-Premiere abgestimmt hat.

Jungmeier:
Tomas Gumbleton aus Detroit ist Pax Christi Bischof in den USA. Das Stück hat ihm sehr gut gefallen. Mitterer: Ich habe immer Vorurteile gegenüber den Mächtigen, so auch gegen manche Bischöfe. Vor der Vorstellung in Wien hat mir Bischof Maximilian Aichern etwas Interessantes erzählt. Als er in den 1980er Jahren angefangen hat, sich um Franz Jägerstätter zu kümmern, hat ihm der Kameradschaftsbund gedroht: Wenn er das nicht bleiben lässt, dann treten die alle geschlossen aus der Kirche aus. Das muss man sich einmal vorstellen. Er hat dann ganz klug reagiert: Er hat die Pfarrer und die Religionslehrer beauftragt, den Kindern von Jägerstätter zu erzählen: Nach ein paar Jahrzehnten ist es besser geworden, und die Kameradschaftsbündler sind nicht geschlossen aus der Kirche ausgetreten. Also es gibt den einen Bischof und den anderen, der eine, der es wirklich schwer hatte in der Nazizeit, der im Stück auch vorkommt und der versucht die Kirche und die Gläubigen zu schützen. Jägerstätter sagt im Stück, dass ihm sein Heimatpfarrer Karobath, der verhaftet wurde, lieber ist. Wir verurteilen in diesem Stück niemanden, wirklich niemanden, weil Franz Jägerstätter auch kein selbstgerechter Mensch war. Er hat die anderen nicht verurteilt, er sagt im Stück: Ich kann nicht anders. Dass Kardinal Schönborn nach der Vorstellung kommt und mich umarmt –  da war ich tief berührt. Ich habe vor kurzem mit einem Bischof anstrengende Gespräche über eine Passion geführt. Die Aufgabe des Bischofs war zu schauen, dass nicht zu viel herumgerührt wird, dass man vorsichtig ist. Und das Schlimmste ist – ich muss das noch einmal wiederholen –, wenn man in der Kirche die Frauen ins Gespräch bringt, vor allem, wenn es die Passion Christi betrifft. Dann weichen die Herren immer wieder zurück. Es ist schön, dass es uns gelingt, den Franz Jägerstätter den Leuten näher zu bringen, denn wie wir soeben gehört haben, man kennt ihn in Amerika und weiß Gott wo. Aber bei uns in Österreich ist er ein Unbekannter geblieben. Die Gründe dafür werden im Stück genannt. Der  Film von Axel Corti 1971, der noch mit vielen Zeitzeugen sprechen konnte und dem es geglückt ist, diesen Bann des Schweigens zu brechen, war ganz wichtig. Und wir probieren es auf unsere Weise noch einmal, mit mehr Wissen über den Franz und Franziska Jägerstätter. Es ist ein Wunder, dass Franziska nie verbittert wurde. Ich kann beide verstehen. Da ist dieser unschuldige, kluge Bauer, der sich nichts weismachen lässt, aber der Obrigkeit grundsätzlich sehr gehorchen will. Darum geht er auch zum Bischof und ist bereit zu gehorchen. Aber alle sagen das Falsche und er kann nicht anders als nicht mitmachen. Ebenso verhält es sich mit Franziska, der man Jahrzehnte lang vorwirft, sie hätte ihn mit ihrer Bigotterie in den Tod getrieben. Davor war er ein toller Bursch gewesen. Franziska verbittert nicht und bleibt ein froher Mensch. Wir haben Sie kennengelernt. Irgendwie ist etwas Wundersames um die beiden. Frau Drassl, lassen Sie uns bitte ein wenig  Anteil nehmen an dem Feedback, das Sie nach den beiden Vorstellungen bekommen haben. Was hat die Leute angesprochen? Drassl: Ganz stark die Liebensgeschichte zwischen Franz und Franziska. Mir wurde oft die Frage gestellt, ob ich ihren Schritt verstehen könnte. Das war für viele ein großes Thema, die Entscheidung Franz Jägerstätters anzunehmen. Ich habe durchwegs positive Rückmeldungen erhalten und gespürt, dass diese Geschichte im Herzen ankommt und zum Nachdenken anregt. Es ist eine sehr ambivalente Geschichte. Franz Jägerstätter ist kein reiner Held, er befindet sich immer im Zwiespalt und er denkt sehr viel darüber nach. Ich glaube, dass das die Menschen zum Nachdenken bringt und dass man sich damit identifizieren kann. Bloéb: Interessant ist die Tatsache, dass wir das Stück in der Stadt und am Land spielen können, also im urbanen Raum in einem Stadttheater und hier als Sommertheater. Ich bin froh und glücklich, dass wir das machen dürfen, weil wir natürlich auch mit dem Thema etwas zündeln. Wir bringen etwas hervor und haben auch eine gewisse Verantwortung. Das ist sehr schön, dass man das hier so direkt fühlen darf. Nach den Voraufführungen sind sehr viele Menschen stehen geblieben und haben auf einen Schauspieler gewartet. Aber ganz anders als in der Josefstadt, wo man Autogramme gibt: In Liebe dein Gregor. Hier ist das anders, gerade bei der älteren Generation: da geht etwas ab, da kommt etwas hervor, es bricht etwas auf. Man steht oft nur da und hört zu. Bei der Voraufführung habe ich eineinhalb Stunden von der Bühne bis zum Gasthof Wagner gebraucht, wo ich ein Bier trinken wollte: Die Menschen wollen dir ihre Geschichte erzählen. Jeder hat natürlich in seiner Familie grauenhafte Geschichten und Erlebnisse. Das bricht alles wieder auf, aber es ist gut.

Ich freue mich sehr, dass das Stück berührt, so viel Applaus bekommt, aber mich macht der Applaus auch etwas stutzig, weil Jägerstätter nicht streichelweich ist, sich nicht weich spülen lässt. Wenn man nur an den Umschwung denkt: 1946 verbietet der Bischof, dass man über Jägerstätter schreibt, weil es nicht opportun ist, die Kriegsheimkehrer vor den Kopf zu stoßen.  ­– Jetzt applaudieren plötzlich alle, Herr Bloèb.
Bloéb: Ich glaube, dass der Applaus der Aufführung gilt. Es ist ein ganz toller Theaterabend und ein tolles Stück. Dass wir jetzt in Zeiten leben, wo der Verweigerer des Kriegsdienstes zum Helden wird und nicht der, der schießt, ist ein sehr großer Fortschritt und einen große innere Befriedigung. Deswegen kann man die unmittelbare Nachkriegszeit mit heute nicht vergleichen. Wenn ich meinen Kindern einen Ausschnitt aus einer Rede von Adolf Hitler zeige, meinen sie, das ist ein Komiker. Sie können nicht verstehen, dass man diesem „Kasperl“ gefolgt ist. Aber wenn du achtzig Jahre alt bist, weißt du, wie die Zeit war, und darum hinkt jeder Vergleich. Drassl: Ich glaube, dass Theater und Geschichten immer etwas freisetzen können. Was uns an Reaktionen entgegenkommt, ist immer sehr ehrlich. Ich denke, dass der Applaus nach der Vorstellung nicht weichspülend ist, sondern im Gegenteil: Er setzt etwas frei. Das kann man direkt spüren, und was Gregor meint: Er setzt auch das frei, was man selbst erlebt hat, vielleicht in seiner Kindheit. Bei Leuten meiner Generation setzt der Applaus vielleicht das Nachdenken über Fragen frei: Wie gehe ich in einer Partnerschaft mit Entscheidungen um? Wie stehe ich in unserer aktuellen Weltsituation zu kritischen Themen? Mit dem Theaterstück wollen wir eine Geschichte erzählen, und ich hoffe, wir erzählen sie so gut, dass sie auch etwas freisetzen kann. Mitterer: Mir war wichtig, dass viele Menschen in Österreich Franz Jägerstätter endlich kennen lernen. Und dass wir öfter auch Nein sagen, uns kostet es nicht den Kopf. Wir leben in Frieden hier, aber überall auf der Welt gibt es Katastrophen, Hunger und Krieg und wir sind daran beteiligt, in dem wir die Waffen liefern und gute Geschäfte machen usw. Es ist nicht vorbei und insofern ist dieser unbeugsame Mensch aus dem Innviertel ein gutes Beispiel, um einfach einmal NEIN zu sagen. Elisabeth Jungmeier, du hast das Stück bereits zweimal gesehen. Was ist bei dir der Stachel von Franz Jägerstätter? Mich stört, wenn man Franz Jägerstätter als Vorwand hernehmen will und sich in seiner Argumentation vorschnell auf Jägerstätter und das Gewissen beruft. Ich erlebte das in den USA, dass auch Kirchenprobleme, zum Beispiel die Frage des Zölibats usw. mit Franz Jägerstätter in Verbindung gebracht werden. Dazu soll man ihn nicht heranziehen. Man darf nicht leichtfertig abtun, was im Stück der Bischof Jägerstätter fragt: ob das wirklich eine Eingebung von oben ist. Ich möchte jetzt die Runde freigeben für Fragen aus dem Publikum: Warum werden die drei Töchter Jägerstätters mit Puppen dargestellt? Mitterer: Am Theater kann man nicht 3 bis 4 Jahre alte Kinder vorkommen lassen. Das ist nicht möglich. Herr Bloéb, Sie sind ein begeisterter Motorradfahrer. Stimmt es, dass Sie sich dieselbe Maschine wie Franz Jägerstätter gekauft haben?

Bloéb:
Das stand so in der Zeitung. Es gibt noch den originalen Motor, von der 220 Puch Sport. Den hat allerdings der Pfarrer von St. Radegund, und ich habe ihm den nicht abluchsen können. Ich habe mich aber für ein Werbefoto auf eine 220 Puch Sport gesetzt. Also, dass ich das richtig verstehe, es gibt noch den original Motor und dieselbe Type. Bloéb: Ja, es gibt noch einige von diesen Typen, die man restauriert hat, aber den originalen Motor von Jägerstätters Motorrad, den hat der Herr Pfarrer, aber er gibt ihn nicht her. Herr Mitterer, was verstehen Sie als Botschaft, als Vermächtnis, das Franz Jägerstätter uns 70 Jahre nach seinem Tod geben kann? Mitterer: Jeder, der in das Stück geht, nimmt das mit, was er mitnehmen kann. Was Franz Jägerstätter getan hat, ist unbegreiflich. Der, der seine Familie sehr liebt, lässt sich lieber umbringen, als an die Front zu gehen, um den Feind zu erschießen. Mein Anliegen ist, dass viele Menschen Jägerstätter kennen lernen. Mir war er am Anfang völlig fremd und zu katholisch war er mir auch, jetzt habe ich ihn liebgewonnen. Und über den Gregor lieb’ ich ihn jetzt noch viel mehr. Haben Sie eine Absicherung gehabt, sollte das Publikum bei diesem Stück nicht mitziehen? Bloéb: Nein, die hat man nie. Man kann nicht auf Anhieb einen Hit schreiben. Ich habe immer eine Linie verfolgt, als künstlerischer Leiter: Ich glaube an die Qualität. Gute Schauspieler, gute Stücke, gute Regisseure. Alles andere ist für das Publikum egal. Je nach Wunsch geht man in ein lustiges oder trauriges Stück und wenn die Aufführung gut ist, dann geht man hin und hat ein volles Haus. Ich hatte Glück, dass die letzten Jahre immer alle Vorstellungen ausverkauft waren.
Ich finde, das Jägerstätter-Stück ist mein persönlicher Höhepunkt hier in Haag. Es ist schön, ein Ei zu legen, aber viel schöner noch, ein wichtiges Ei zu legen, das auch noch befruchtet ist, und dass daraus ein paar Hendln herausschlüpfen. Jägerstätter ist eine sehr sensible Figur, als Autor hat man da wenig Freiheiten, weil man genau sagen kann, so war er, oder so war er nicht. Wie geht man damit um? Mitterer: Bei mir war das nicht so einfach, ich konnte am Anfang nicht sagen, so war er, oder so war er nicht. Ich musste viel lernen über ihn. Wir sehen gleich auf der Bühne den Gregor, wie er es macht. Franz Jägerstätter war ein eigentümlicher Mensch, ein ganz wunderbarer, unglaublicher und sehr seltener. Ich mag jetzt nichts mehr dazu sagen. Ich möchte damit diese Runde abschließen. Ich erlaube mir, eine Frage zu stellen an Pfarrer Josef Steinkellner aus St. Radegund im Publikum: Du kennst Franziska Jägerstätter gut, die ganze Familie und bist mit Franz Jägerstätter sehr vertraut. Mit welchem Gefühl bist du heute hierher gekommen? […] Josef Steinkellner: Ich freu mich darauf! Alles andere werden wir erleben. Du hast viel zu diesem Stück beigetragen, ... Steinkellner: Als die Halsbacher Theatergruppe in Altötting ihr Jägerstätter-Stück gespielt hat, da ist Franziska (Jägerstätter) mit mir anonym hingefahren. Beim Schluss hat sie sehr geweint. Ich wünsche mir, dass wir auch so berührt werden.

Mitterer: Ich bin mit Pfarrer Steinkellner gemeinsam am Grab von Franz Jägerstätter gestanden und habe ihn gefragt, ob ich Jägerstätter auch etwas fragen kann. Josef Steinkellner meinte, natürlich, er ist ja seliggesprochen. Man soll ihn sogar etwas fragen. Darauf bat ich Franz Jägerstätter um Beistand. Möge jeder entscheiden, der das Stück heute sieht, ob er mir wirklich beigestanden ist. Ich glaube schon. Herr Mitterer, das war das Schlusswort. Es bleibt nicht mehr zu sagen als Danke Ihnen allen. (Der Text ist eine leicht redigierte Tonbandabschrift.)
zurück
Weitere Artikel zum Themenbereich

Der blutige Anfänger

07.03.2018   -  
In der Schule empfand er die Übungen an Reck und Barren als Strafe. Heute versucht sich Redakteur...

Denk Mal: Wörter und Minister

07.03.2018   -  
Wörtern ergeht es manchmal wie Ministern: Eine Zeit lang sind sie in aller Munde. Doch nur wenige...

Sehr mutig

07.03.2018   -  
Ein Artikel im Magazin der Vatikanzeitung „L‘Osservatore Romano“ ließ vor ein paar Tagen die...

Personen, Dank & Ehrung

07.03.2018   -  
Die Personen, Danksagungen und Ehrungen der Woche 10/2018

Kulturland

07.03.2018   -  
Meditation mit Musik und Wort in Wilhering --- Operettenkonzert in Enns --- Konzert des...

BRIEF_KASTEN

IHRE MEINUNGEN DER WOCHE 17/2026

22.04.2026

IHRE MEINUNGEN DER WOCHE 17/2026

22.04.2026

IHRE MEINUNGEN DER WOCHE 16/2026

14.04.2026
GRATIS_ABO nutzen!

Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch.   >>

MEIST_GELESEN

Mit Extremsport gegen die Ohnmacht

21.04.2026 Mit enormen Ausdauerleistungen will Denis Holub Kinder vor dem Hungertod retten. Dazu hat der...

Sr. Verena Maria Haselmann SDS: „Kein Selbstläufer“

21.04.2026 Zum Weltgebetstag für geistliche Berufungen erzählt Sr. Verena Maria Haselmann von ihrem Weg zu...

Gedenk- und Befreiungsfeiern 2026

21.04.2026 Österreich wurde im Mai 1945, vor 81 Jahren, vom Nationalsozialismus befreit. Gedenk- und...

Sichtbar machen in der Pfarrkirche Hl. Ägidius in Schenkenfelden

21.04.2026 Von der Gotik bis in die Gegenwart: Die Pfarrkirche Hl. Ägidius in Schenkenfelden beeindruckt...

Neuer Erzbischof nun auch in Prag

21.04.2026 Am Samstag wird Stanislav Přibyl als Erzbischof von Prag ins Amt eingeführt. Weihe gibt es keine,...
Logo der Kirchenzeitung Diözese Linz
  • Facebook
  • Instagram
  • YouTube
  • RSS
Footermenü:
  • THEMEN
    • LEBENS_WEISE
    • GESELLSCHAFT_SOZIALES
    • MENSCHEN_MEINUNGEN
    • KULTUR_LAND
    • SERIEN
  • KIRCHE_
    • KIRCHE_OÖ
    • KIRCHE_ÖSTERREICH
    • WELTKIRCHE_
    • GLAUBENS_GUT
    • SONNTAG_
  • VERANSTALTUNGEN
    • TERMINE
    • KLASSIK AM DOM
    • LESERINNEN_REISE
    • SOLI_PREIS
  • VORTEILE
  • Pfarreninfo
    • WUNSCHLISTE
    • EXKLUSIVES
    • DOWNLOAD
    • KOOPERATION
    • REDAKTIONELLES
  • Archiv

  • Newsletter
  • Glossar
  • Über uns
  • Impressum
  • AGB
  • Datenschutz
  • Kontakt
  • Anzeigen
  • ABO
  • Archiv
  • Logo Download

KIRCHENZEITUNG Diözese Linz, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz
Tel: 0732/7610-3944, Fax: 0732/7610-3939, E-Mail: office@kirchenzeitung.at

Diözese Linz
nach oben springen