Der König steht im Scheinwerferlicht. Mit einem Wattestäbchen reibt Martina Markovska goldene Farbe von seiner Schulter. Darunter taucht ein gemalter Edelstein auf. Tagelang hat die Restauratorin die alte Farbschicht freigelegt. Nun steht die Wachsfigur wieder in ihrem originalen Gewand: ein Heiliger König aus dem Jahr 1870.
Aufgewachsen in Mazedonien
„Restaurieren hat mich schon mit zwölf Jahren interessiert“, sagt Martina Markovska. Aufgewachsen in Bitola in Mazedonien waren ihr die antiken Ausgrabungen im Land bald vertraut. Mit 19 Jahren ging sie nach Wien, um am Institut für Konservierung und Restaurierung an der Universität für Angewandte Kunst zu studieren. Erfahrungen mit Wachs machte sie im Wiener Josephinum. „Ich bin fasziniert von diesem Material“, sagt die Expertin, „weil man damit die Natur so gut nachbilden kann.“
Arbeiten vor Ort
Martina Markovska hat mehrere Sprachen gelernt. Offen für Neues zu sein kommt ihr auch bei ihrer Arbeit in den Pfarrgemeinden zugute. „Das Bewusstsein dafür, Altes zu erhalten, ist in Oberösterreich auf hohem Niveau“, so Martina Markovska. Sie schätzt das Interesse und dass ihre Ratschläge angenommen werden. „Die richtige Handhabung der Objekte nach der Restaurierung ist enorm wichtig“, sagt sie und erzählt von einem zerbrechlichen Metallobjekt in der Gedenkstätte Mauthausen. Gezeichnete Hände zeigten, wie es zu tragen sei.
Die richtige Ikonografie
Zurzeit arbeitet die freiberufliche Restauratorin an Krippenfiguren in Wartberg ob der Aist. Sie entfernt Kunstharze, Silikon und Acryllack, mit denen geklebt und übermalt worden war. Das Wachs wurde dadurch spröde oder zäh wie Kaugummi. Die Krippenfiguren wurden oft vor Weihnachten frisch bemalt. Dabei wurden sie ikonografisch verändert, wie Martina Markovska anhand des Mantels der Josefsfigur erklärt. Die ursprüngliche Farbe war mit goldenem Acryllack übermalt worden und ließ Josef nicht mehr in seiner Bescheidenheit erkennen.
Sich Zeit nehmen
„Den alten Figuren merkt man Kunstfertigkeit und handwerkliche Fähigkeiten an, und dass sich die Menschen früher viel Zeit dafür genommen haben“, sagt Martina Markovska. Manchmal sinniert sie über den Luxus, selbst einmal zwei Jahre Zeit für ein Projekt zu haben, ohne von Anrufen oder E-Mails unterbrochen zu werden. Und sei es nur, um in Ruhe zu stricken.