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Zufriedene Familien – und „es brodelt trotzdem“

Die Oberösterreicher/innen sind mit den Familienleistungen sehr zufrieden, wurde durch die „Familienbefragung 2013“ bestätigt. Trotzdem besteht großer Handlungsbedarf an die Politik, meint die Chefin des Katholischen Familienverbandes, Wilma Steinbacher.
Ausgabe: 2013/40, Familie, Familienleistungen, Familienbefragung, Katholischer Familienverband, Steinbacher
30.09.2013
- Matthäus Fellinger
„Ja, ich war auch überrascht“, kommentiert Wilma Steinbacher die guten Ergebnissen der Familien-Zufriedenheitsbefragung. Am 19. September haben Familienminister Reinhold Mitterlehner und Landes-Familienreferent Franz Hiesl diese gemeinsam vorgestellt. „Unser Bundesland wird von den Familien als kinderfreundliches Land gesehen“, fassen sie das Ergebnis in einen Satz. Rund 90 Prozent der Befragten sehen es so. Die Befragten, das waren 1000 Mütter und 500 Väter mit Kindern unter 15 Jahren, die mit der Oö. Familienkarte Unterstützungsleistungen des Landes in Anspruch nehmen.
Damit wurden Familien, die armutsgefährdet oder arm sind, kaum erreicht, vermutet die Vorsitzende des Katholischen Familienverbandes Oberösterreich, Wilma Steinbacher. Kinder und Jugendliche aus armen Familien können aus Spargründen gar nicht etwa ­einen Ausflug, Schikurs genießen, denn diese haben keine Familienkarte. Ihr Schluss: Bei Familien, die unter halbwegs geregelten Verhältnissen leben, herrscht hohe Zufriedenheit. „Es brodelt trotzdem“, sagt Steinbacher – und vermutet, dass die Bedingungen für viele Familien noch schwieriger werden. Die steigenden Mietkosten zum Beispiel seien ein Riesenproblem für Familien – besonders für alleinerziehende Mütter oder Väter. Sie fressen oft die Hälfte des Familienbudgets. Das Thema Armut von Frauen sei überhaupt noch nicht in der Sozialpolitik angekommen.

Spannung Beruf – Familie


Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist auch im Untersuchungsergebnis des Landes eine der heißesten Fragen. 40 Prozent der Befragten haben hier Probleme. Steinbacher plädiert dafür, echte Wahlfreiheit für Eltern zu fördern: Sowohl die Möglichkeit, selbst bei den Kindern zu bleiben, soll besser gefördert werden – für Frauen wie auch für Männer – als auch, dass genügend Krippen- und Hortplätze zur Verfügung stehen. „Ich bin ein Fan der Wahlfreiheit“, bekennt sie. Verschiedene Lösungsansätze solle man nicht gegeneinander ausspielen. Auf die Zeit mit ihrem Sohn daheim blickt sie dankbar zurück.

Auch die Alten sind Familie


Mit dem Katholischen Familienverband möchte Steinbacher das Augenmerk ebenso auf alte Menschen richten. Auch sie sind Familie. Vor allem geht es ihr darum, dass die Generationen miteinander in Verbindung bleiben, besonders im Zeitalter der Kleinfamilien. Gemeinschaftliche Lebensformen etwa in Landregionen zu fördern, sei eine Herausforderung an die Politik. Beispiele gibt es. Den gemeinsamen Mittagstisch zum Beispiel, den Steinbacher in einem italienischen Dorf kennengelernt hat. „Durch dieses Umdenken im Sinne von Innenentwicklung statt Außenentwicklung ist ­neues Leben ins Dorf gekommen, insbesondere für die jungen Leute, die dadurch eine Dorferneuerung erleben.“ Denn: „Wenn Kinder keine alten Menschen in der Kinderbetreuung erleben, können sie auch nicht generationenübergreifend lernen“ – so Steinbacher.
An eine neue Regierung meldet Steinbacher einen Wunsch an: Eine Steuerreform muss zumindest für eine Wertanpassung bei den Familienleistungen sorgen. Und: Familienarbeit muss finanziell abgegolten werden.

Zum Thema

Familien in Oberösterreich



Familienleistungen.
Besonders zufrieden sind die oberösterreichischen Familien mit der Gratisschikarte bei Schulschikursen, mit dem Kinderbetreuungsbonus, mit Mutter-Kind-Zuschuss und der Familienbeihilfe.

Kinder kommen teuer.
Die meisten Befragten geben an, dass Kinder zu haben „sehr teuer“ ist. Trotzdem würden sich 97 Prozent wieder für eine Familie und Kinder entscheiden.

Familienzahlen. In Oberösterreich leben zurzeit 396.900 Familien, davon 181.100 mit unversorgten Kindern. 
92.800 Ehepaare haben Kinder unter 15 Jahren, 15.000 Mütter und 1800 Väter sind Alleinerziehende.

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