Wenn er darauf schaue, wie in unserer Gesellschaft mit Tieren umgegangen werde, dann sei das so etwas wie ein Spiegel für vieles andere, meint P. Oliver Ruggenthaler. Auf der einen Seite gebe es eine unglaubliche, geradezu peinlich verkitschte „Tierliebe“ – von den Pferdeträumen junger Mädchen über Tiere als „Ersatzgefährten“ (lieber als jeder Mensch) bis zu Glitzerweihnachten in Tierasylen; auf der anderen Seite haben wir Fleisch-, Eier- oder Milchfabriken, die immer mehr von Kategorien der Geldwirtschaft regiert werden. Das Tier werde nur noch als Produktionsfaktor und Konsumartikel gesehen, als möglichst gewinnbringende Rendite des eingesetzten Kapitals. Wie hältst du es mit dem Tier – auch das ist eine Frage des rechten Maßes. Und dort, wo es überschritten wird, beschädigen wir uns selber. Überzogene „Tierliebe“ geht oft auf Kosten des Mitgefühls und der Achtung für Mitmenschen; fehlende Erfahrung mit Tieren oder mangelnder Respekt für sie führen oft in eine Verhärtung. „Und dann haben Tiere keine Namen mehr, sondern sind nur noch Nummern, was zählt ist die entsprechende Größe und Masse; und dann haben Menschen keine Namen mehr, was zählt ist Rentabilität und Effizienz. Zeithaben und Zuwendung zählen nicht dazu“, sagt der erfahrene Krankenhauspater Oliver.
Nächste Woche: Gelsen und andere Plagegeister.