92-Jähriger wurde in der Pension zum Computerprofi
Josef Mayrs Hobby ist – für sein Alter – alles andere als alltäglich. Der 92-Jährige verbringt viele Stunden, um historische Texte zu übersetzen und in den Computer zu tippen. Gelernt hat er den Umgang mit PC, iPad und Co gemeinsam mit seinem Enkel Robert.
Ausgabe: 2013/42, Mayr
15.10.2013
- Paul Stütz
Josef Mayr ist ein gefragter Mann. Schon so mancher aus der Nachbarschaft hat bei ihm angeklopft, damit er alte Texte übersetzt. Es gibt nicht mehr viele Menschen, die die alte Kurrentschrift erfassen können. Für den 92-jährige Altbauern ist das kein Problem. Noch ungewöhnlicher ist aber seine Vorliebe für moderne Technik. So digitalisiert er historische Urkunden mit dem Scanner, tippt Übersetzungen direkt in den Computer. Wie er zum versierten Techniknutzer wurde? „Ich habe dem Umgang mit dem Computer gemeinsam mit meinem Enkel Robert gelernt“, erzählt er. Das war Mitte der Neunziger und Josef Mayr war da bereits 75 Jahre alt.
Pfarrchronik digitalisiert
Während Enkel Robert die Pfarr-Homepage von Attnang laufend betreut, kümmert sich Josef Mayr um die Übersetzung und Digitalisierung der Pfarrchronik. Ein Dreivierteljahr lang hat er sie in akribischer Kleinarbeit aufbereitet. Spannend fand er es, in der Geschichte seiner Heimat zu forschen und neue Details ans Tageslicht zu bringen. Etwa dass es in Attnang-Puchheim einmal für kurze Zeit einen Galgen gab, der dann nach Schwanenstadt übersiedelte. „Häufig bin ich für die Übersetzungen bis spät am Abend dabeigesessen“, sagt Josef Mayr, dem man sein Alter nicht wirklich ansieht.
Der älteste iPad-Leser Österreichs
Manchmal hadert er damit, dass er aufgrund seiner Schwerhörigkeit Gesprächen mit mehreren Personen nur schwer folgen kann. Das Interesse für seine Umwelt ist jedoch ungebrochen groß. Josef Mayr, der 20 Jahre lang Bürgermeister von Pilsbach war, ist für Neues stets offen. So liest er seine Tageszeitung mittlerweile online und ist damit der vielleicht älteste iPad-Zeitungsleser Österreichs. Wenn er schnell etwas wissen will, wird er im Internet fündig. „Ich geb dann den Begriff einfach bei Google ein“, sagt er. Wie er neue Techniken erlernt, unterscheidet sich wohl wenig von dem jüngerer Nutzer. So verriet er erst kürzlich dem Attnanger Pfarrblatt: „Einiges am PC bringe ich mir auch selber bei, weil ich lange Gebrauchsanleitungen nicht mag.“