Sollen wir uns blind die Mentalität des Schneller, Mehr und vor allem Billiger zu Eigen machen, wo ohnehin genug von allem da ist? Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger
Ausgabe: 2014/28, Leitartikel
08.07.2014
- Matthäus Fellinger
Wir werden uns „warm anziehen“ müssen, um mit Asiaten mithalten zu können – deren Fleiß, ihr Ehrgeiz und ihre Lernbereitschaft werde unsere Wirtschaft gehörig unter Druck setzen, hört man. Halten wir nicht mit, sieht es schlecht aus mit dem Wirtschaftsstandort Österreich, oder überhaupt: mit Europa. Es ist Sommer, und obwohl – Tourismusrouten ausgenommen – deutlich weniger Verkehr auf den Straßen zu bemerken ist, in den Betrieben ein Drittel des Personals auf Urlaub weilt, ist alles zu haben in den Geschäften. Niemand muss hungern bloß deshalb, weil die Wirtschaft gemächlicher läuft. Was also? Sollen wir uns blind die Mentalität des Schneller, Mehr und vor allem Billiger zu Eigen machen, wo ohnehin genug von allem da ist? Noch ein bisschen mehr Angebot, noch ein bisschen mehr Auswahl vom ohnehin viel zu Vielen? Wir werden uns warm anziehen müssen, wenn es nicht gelingt, diesen Kreislauf des globalen Wettbewerbs zu durchbrechen. Das hält die Welt mit ihren begrenzten Ressourcen nicht aus. Vor allem: Das halten die Menschen nicht aus. Um sich des Lebens erfreuen zu können – soll man sich nicht eigens Urlaub nehmen müssen.