In einer von gedämpftem Optimismus geprägten Atmosphäre hat am Sonntag die Bischofssynode zum Thema ,,Ehe und Familie“ begonnen. Bis 19. Oktober werden rund 250 Synodale über ,,die pastoralen Herausforderungen im Blick auf die Familie im Kontext der Evangelisierung“ diskutieren.
Eröffnet wurde die außerordentliche Bischofssynode durch ein Pontifikalamt im Petersdom. In seiner Predigt verwies Papst Franziskus auf das biblische Bild vom Weinberg des Herrn. Dieser Weinberg, Symbol für das Volk Gottes, sei sein „Traum“. Doch dieser Traum werde vereitelt. Im Evangelium würden die Winzer den Plan verderben, weil sie nur ihre Eigeninteressen im Sinn haben. Gleichwohl bleibt es, so Franziskus, „die Aufgabe der Führenden im Volk, den Weinberg mit Kreativität und Fleiß zu pflegen“. Genau diese Aufgabe stelle sich auch die Synode. Denn es gehe nicht darum, „schöne, originelle Ideen zu diskutieren“, sondern darum, den Weinberg des Herrn besser zu pflegen“. Im aktuellen Fall verlange Gott, „dass wir uns um die Familie kümmern, die von Anfang an ein wesentlicher Bestandteil seines Liebesplans für die Menschheit war“. Aber, so betonte Franziskus, der Traum Gottes kollidiere stets mit der Heuchelei einiger seiner Diener. „Um den Weinberg zu pflegen, ist es nötig, dass unsere Gedanken in der Gemeinschaft mit Jesus Christus bewahrt sind.“
Papst: Alles muss gesagt werden
Die Synode findet auf Wunsch des Papstes statt, weil in den Fragen von Ehe, Familie, Sexualität die Lebensrealität unzähliger Katholiken und die Kirchenlehre immer mehr auseinanderdriften. Bei der ersten Synodensitzung am Montag mahnte der Papst: „Keiner soll sagen: ‚Das kann man nicht sagen, sonst könnte ja jemand von mir so oder so denken...‘ Alles muss ausgesprochen werden, was jemand sich zu sagen gedrängt fühlt!“ Franziskus ergänzte: „Gleichzeitig sollte man auch mit Demut zuhören und mit offenem Herzen aufnehmen, was die Brüder sagen. Mit diesen beiden Haltungen (offenem Reden und bereitem Hinhören) übt man die Synodalität aus.“
Schönborn: Niemand spricht von den Kindern
Schon im Vorfeld der Synode kam es zu heftige Polemik, etwa um das Problem „Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene“. Es gab aber auch, wie der Vatikan hervorhob, Zeugnisse für die „Schönheit einer kirchlich geschlossenen und stabilen Ehe“. So kam es auf dem Petersplatz zu einer Gebetsvigil für die Synode.
Kardinal Lorenzo Baldisseri, der zum Reformerflügel um Franziskus gehörende Generalsekretär der Synode, hob den „herausfordernden Charakter“ der Versammlung hervor. „Wir müssen wie Bulldozer sein und den Weg freimachen. Dabei dürfen wir aber die christliche Barmherzigkeit nicht vergessen.“ Auch Kardinal Christoph Schönborn nimmt an der Synode teil. Er erregte Aufsehen durch ein TV-Interview in Rom, in dem er das heiße Eisen der „Scheidungskinder“ anpackte. „Ich selber bin das Kind geschiedener Eltern“, sagte er. „Ich finde es skandalös, dass in dieser ganzen Debatte niemand von den Kindern spricht.“
StenogrammSynode packt heißes Eisen Verhütung an