Ausnahme? Die Zeitschrift „Civiltà Cattolica“ hat die Debatte über die Unauflöslichkeit der Ehe angeheizt: Der Kirchenhistoriker Giancarlo Pani SJ schreibt, dass das Trienter Konzil (1545–1563), das die Unauflöslichkeit der Ehe definierte, eine regional begrenzte Ausnahme für Christen zuließ, die auf venezianischem Territorium lebten, aber orientalischen Riten angehörten. Ihnen sollte die Möglichkeit einer zweiten Eheschließung erhalten bleiben. Kein Konzil habe dies je verurteilt, schreibt Pani. Allerdings hätten damals die Befürworter der Ausnahme die Unauflöslichkeit der Ehe nicht in Frage stellen wollen.
Scharfe Kritik. Die Kritik an dem vorsichtigen Vorschlag von Walter Kasper, wiederverheiratete Geschiedene unter Umständen zur Kommunion zuzulassen, wird heftiger. Nach einem Buch mit Beiträgen von fünf Kardinälen erscheint nun ein weiteres Werk von zwei Professoren des „Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie“. Der Titel der deutschsprachigen Ausgabe lautet: „Das wahre Evangelium der Familie“ – Kaspers Vorschlag war unter dem Titel „Das Evangelium von der Familie“ erschienen. Bei der Buchvorstellung sprach Kurienkardinal George Pell: Manche würden sich von der katholischen Kirche wünschen, dass sie „Rettungsboote“ für jene auswerfe, die durch eine Scheidung Schiffbruch erlitten hätten, doch: „Barmherzigkeit ist nicht alles“, sagte Pell.
Papst will bei Familiensynode eine offene Debatte