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Die vielen Verästelungen eines Baumes und die eine Wurzel

Widerstand und Veröhnung (6)
Ausgabe: 1998/34, Widerstand und Versöhnung
18.08.1998
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Monica aus Deutschland erzählt mit viel Schmerz über ihren Kampf, von Drogen und einer zerstörenden Beziehung loszukommen.Mein Problem ist, glaube ich, sehr verbreitet unter der Jugend. Oberflächlich betrachtet könnte man von Drogenproblemen sprechen, wobei damit eine Geschichte zusammenhängt, die auch für Mädchen sehr spezifisch ist – daß ich drei Jahre mit jemandem zusammen war, der sehr viel älter ist als ich und Drogenprobleme hatte. Da bin ich halt mit reingeraten. Es war ziemlich schwierig, ich konnte diese Beziehung einfach nicht verarbeiten und wußte nicht warum. Es war eine starke Abhängigkeit, ein sehr von Leid getragenes Verhältnis, so sehr ich mich dagegen gewehrt habe. Ein anderes Problem war, daß ich mich immer wieder psychischem Terror ausgesetzt habe, was Männer betrifft. Was während der Therapie auch rauskam, war, daß das Ganze seinen Ursprung wahrscheinlich in meiner Kindheit hat. Es ist doch sehr wahrscheinlich, daß ich als Kind mißhandelt wurde und keine Erinnerung daran habe. Da erlebe ich Unversöhntheit: wo ich betrogen werde, wo mein Vertrauen mißachtet wurde und ich einfach nicht davon loskommen kann, allein weil ich es nicht im Bewußtsein habe.Was mir in den Jahren nach der Beziehung voller Abhängigkeit geholfen hat, war in die Natur zu gehen, weil ich mich nicht ausdrücken konnte. Da habe ich erlebt, daß ich sehr weit in mich gehen konnte und sehr viel Trost gefunden habe in all dem Lebendigen. Die Natur ist so vielfältig, daß ich immer wieder auf etwas stoße, z. B. ein Baum der sich teilt: wo man die eigene Zerrissenheit darin erkennen kann. Dann merkt man, daß die Wurzeln dennoch gemeinsam sind, obwohl sich alles verästelt. Da kann wieder Hoffnung entstehen, daß das in Ordnung ist und eine Form des Seins sein kann, die auch harmonisch ist. Das war etwas, was mir sehr sehr viel Kraft gegeben hat. Was aussteht, ist die Versöhnung. Wir haben uns nie wieder gesehen, ich denke wir knacken beide daran. Ich weiß, daß er inzwischen heroinsüchtig ist. Ich glaube, ich kann es nicht für mich abschließen und als Erinnerung bewahren, ohne daß es immer wieder einmal wehtut, wenn ich daran denke, bevor ich nicht mit ihm einen Abschluß gefunden habe und mich einfach ausgesprochen habe. Das ist schwer für mich, daß ich es mit mir ganz allein ausmachen muß.
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