In der Reihe „Kunst & Geschichte_n“ stellt Experte Lothar Schultes Persönlichkeiten vor, die in Kunst und Geschichte wichtige Spuren in Oberösterreich hinterlassen haben.
Die abschlossene Reihe "alt & kostbar" finden sie hier.
Am 8. August 1091 starb einer der bedeutendsten Vertreter der hochmittelalterlichen Kirchenreform: Bischof Altmann von Passau. Er war adeliger Herkunft und besuchte die berühmte Domschule von Paderborn, deren Leiter er später wurde. Außerdem soll er gem
einsam mit den Heiligen Adalbero und Gebhard in Paris studiert haben.
Kaiser Heinrich III. berief ihn als Hofkaplan und Propst des Marienstifts in Aachen. Als Heinrich 1056 starb, regierte seine Witwe Agnes für ihren minderjährigen Sohn, den späteren Heinrich IV. Sie war es, die 1065 die Berufung Altmanns zum Bischof von Passau erwirkte.
Während Kaiserin Agnes das Einvernehmen mit den Päpsten suchte, kam es unter ihrem Sohn zum sogenannten Investiturstreit (von lat. investire = bekleiden, einkleiden). Dabei ging es vor allem um das Recht der weltlichen Herrscher auf Einsetzung der Bischöfe und Äbte. Der Streit gipfelte 1076 in der Exkommunikation Heinrichs IV. durch Papst Gregor VII. und der Wahl Rudolfs von Schwaben zum Gegenkönig.
In der Folge wurde Bischof Altmann (als Parteigänger Rudolfs) aus Passau vertrieben und die Stadt von Anhängern Heinrichs verwüstet. Er flüchtete daraufhin nach Rom und kehrte 1080 als päpstlicher Legat zurück. Obwohl inzwischen in Passau ein Gegenbischof im Amt war, wirkte Altmann weiterhin im Osten seiner Diözese. Dort gelang es ihm 1081, den ursprünglich kaisertreuen Markgrafen Leopold II. von Österreich für die päpstliche Seite zu gewinnen. Wahrscheinlich war er sogar einer der Erzieher Leopolds III. (des Heiligen).
Ein Hauptanliegen war Bischof Altmann die Reform des Klerus und die Durchsetzung des Zölibats, was auf heftigen Widerstand stieß und ihn sogar in Lebensgefahr brachte. Er gründete daraufhin als Musterklöster die Chorherrenstifte St. Nikola in Passau und Göttweig. Außerdem reformierte er die Stifte Kremsmünster und St. Florian, wo angeblich „Geistliche […] lebten, welche auf Heiraten und weltlichen Gewinn bedacht waren, den Gottesdienst aber vernachlässigten“.
Noch ärger waren die Zustände im Stift St. Pölten, in dem es angeblich zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den vertriebenen alten und den von Altmann berufenen neuen Chorherren kam. Ein Anliegen waren ihm auch die vielen aus Holz erbauten Kirchen, die er neu aus Stein errichten ließ und selbst weihte. Er starb im Passauer Hof in Zeiselmauer und wurde in der Krypta von Stift Göttweig beigesetzt, wo seine Gebeine in einem Reliquienschrein ruhen. Hier entstand um 1140 seine Lebensgeschichte, die Vita Altmanni, die später um zahlreiche Wundertaten ergänzt wurde.
Obwohl nie heiliggesprochen, darf er dank der Initiative Bischof Rudigiers in den Diözesen Linz, St. Pölten und Passau als Heiliger verehrt werden.
In der Reihe „Kunst & Geschichte_n“ stellt Experte Lothar Schultes Persönlichkeiten vor, die in Kunst und Geschichte wichtige Spuren in Oberösterreich hinterlassen haben.
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