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Wie Bischof Pilgrim ins Nibelungenlied kam

KUNST_GESCHICHTEN

In der Reihe „Kunst und Geschichten_n“ widmet sich Lothar Schultes einem der bedeutendsten Bischöfe der Diözese Passau, zu der bis 1784 auch das heutige Oberösterreich gehörte.

Ausgabe: 25/2026
16.06.2026
- Lothar Schultes
Bischof Pilgrim empfängt Kriemhild und ihr Gefolge, um 1400, ­Hundeshagensche Handschrift, Ms. germ. fol. 855, Staatsbibliothek zu ­Berlin – Preußischer Kulturbesitz.
Bischof Pilgrim empfängt Kriemhild und ihr Gefolge, um 1400, ­Hundeshagensche Handschrift, Ms. germ. fol. 855, Staatsbibliothek zu ­Berlin – Preußischer Kulturbesitz.
© Berlin, Staatsbibliothek

Pilgrim wurde zunächst im Kloster Niederaltaich und dann von seinem Onkel, dem Salzburger Erzbischof Friedrich, erzogen. Mit dessen Unterstützung wurde er 971 Bischof von Passau. Er selbst war maßgeblich an der Berufung des hl. Wolfgang zum Bischof von Regensburg beteiligt. Ein besonderes Anliegen war ihm die Reorganisation der Diözese und des geistlichen Lebens. Sie fand Ausdruck in den Synoden von Lorch, Mautern und Mistelbach bei Wels. 

 

Die Lorcher Fälschungen 


Außerdem versuchte Pilgrim, Passau zu einem von Salzburg unabhängigen, eigenen Erzbistum zu erheben. Dabei scheute er nicht davor zurück, sechs Papsturkunden und mehrere Briefe zu fälschen. Diese sollten belegen, dass die Diözese Passau der Rechtsnachfolger des antiken Erzbistums Lauriacum (Lorch) war, doch hatte er damit keinen Erfolg. Als Passau infolge der Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser und den Herzögen von Bayern und Kärnten zerstört wurde, erhielt er u. a. die Ennsburg und Landbesitz in Lorch als Entschädigung. 

 

Die Missionierung Ungarns


Besonders wichtig war Pilgrim die Missionierung der heidnischen Magyaren. Sie gipfelte in der Taufe des Großfürsten Géza und seines Sohnes Vajk, der als Christ den Namen Stephan (István) erhielt und heute als Nationalheiliger Ungarns verehrt wird. Stephans Gattin, die bayerische Herzogstochter Gisela, war eine Schülerin des hl. Wolfgang. Sie stiftete in ihrer neuen Heimat mehrere Kirchen und Klöster, so auch den Dom von Veszprém. Nach dem Tod Stephans kehrte sie nach Bayern zurück. Sie starb als Äbtissin des Stiftes Niedernburg in Passau, wo ihr Grab bald zu einer Wallfahrtsstätte wurde.

 

„Meister Konrad“


Um 1200 wurde unter Bischof Wolfger von Erla, dem Förderer Walthers von der Vogelweide, das Nibelungenlied verfasst. Im Anhang, der Nibelungenklage, wird allerdings ein „Meister Konrad“ genannt, der die Ereignisse im Auftrag Pilgrims nach den Angaben eines Augenzeugen aufgeschrieben habe. Tatsächlich setzt das Nibelungenlied die Kenntnis Passaus und der politischen Situation zur Zeit Pilgrims voraus. So wird berichtet, dass Kriemhild hier von ihrem Onkel, Bischof Pilgrim, empfangen und beherbergt wurde. Der Empfang Kriemhilds und ihres Gefolges wird in einer reich illustrierten Handschrift der Zeit um 1400 dargestellt. Für Passau war das Ereignis offenbar so wichtig, dass es sogar auf einem Kolossalgemälde Ferdinand Wagners im Großen Saal des Rathauses zu sehen ist. 

 

In der Reihe Kunst & Geschichte_n stellt Lothar Schultes Persönlichkeiten – besonders Frauen – vor, die in Kunst und Geschichte wichtige Spuren in unserem Land hinterlassen haben. 

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In der Reihe „Kunst & Geschichte_n“ stellt Experte Lothar Schultes Persönlichkeiten vor, die in Kunst und Geschichte wichtige Spuren in Oberösterreich hinterlassen haben. 

 

Die abschlossene Reihe "alt & kostbar" finden sie hier.

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