In der Reihe „Kunst & Geschichte_n“ stellt Experte Lothar Schultes Persönlichkeiten vor, die in Kunst und Geschichte wichtige Spuren in Oberösterreich hinterlassen haben.
Die abschlossene Reihe "alt & kostbar" finden sie hier.
Wer heute die herrliche Barockkirche des einstigen Stiftes Garsten besucht, findet im Chor zwei Grabmäler mit Liegefiguren, die zu den bedeutendsten der Hochgotik gehören. Das ältere erinnert an den ersten Abt, den hl. Berthold, das jüngere an Otakar II., der hier 1082 als Markgraf von Steier ein Kollegiatstift gründete. Als er es 1107 in ein Benediktinerkloster umwandelte, zwang er einen Teil der dort lebenden Priester, Mönche zu werden. Nicht ohne Widerstand, denn es wird berichtet, dass er einen von ihnen sogar anbinden und prügeln ließ, bis er mürbe wurde und nachgab.
Das Kloster war zunächst der Abtei Göttweig unterstellt. Von dort kamen mehrere Mönche und der Prior Wirnt (Bernhard), der kurz darauf als Abt nach Vornbach am Inn (südlich von Passau) berufen wurde. Dies war die Stunde des hl. Berthold, der zunächst in St. Blasien im Schwarzwald und dann in Göttweig wirkte. 1111 wählten ihn die Mönche und der Markgraf(!) zum ersten Abt von Garsten. Gleich nach Amtsantritt musste er sich im Konflikt zwischen Papst und Kaiser bewähren. So gewährte er dem Salzburger Erzbischof Konrad I. von Abenberg in seinem Kloster Schutz, als dieser mit Kaiser Heinrich V. brach und deshalb aus seiner Diözese fliehen musste. Als Abt gelang es Berthold, die Spannungen zwischen dem Stammkonvent und den aus Göttweig hinzugekommenen Benediktinern beizulegen.
Unter seiner Leitung erlebte Garsten einen großen geistlichen Aufschwung und wurde zu einem Zentrum der Klosterreform nach dem Vorbild von Cluny (Burgund). Mehrere Mitglieder des Konvents wurden Äbte anderer Klöster, so in St. Lambrecht, Gleink und Kremsmünster. Ein wichtiges Anliegen war ihm aber auch die Rodung und Besiedelung des Enns- und Steyrtales, in denen das Stift eine Reihe von Kirchen errichtete. Es erhielt zahlreiche Schenkungen, darunter Besitzungen im niederösterreichischen Traisen- und Gölsental, wohl aus der Mitgift von Otakars Gattin Elisabeth, die als Tochter des Babenbergers Leopold II. eine Schwester des heiligen Leopold war. Sie starb bereits 1107 und wurde als Mitgründerin in der Krypta bestattet, während Otakar 1122 in der Laurentiuskapelle eine einstweilige Ruhestätte fand. Erst 1347 wurden beide in einem Grab vereint.
Abt Berthold starb in der Nacht vom 27. auf den 28. Juli 1142 und wurde in der Mitte „seiner“ Kirche bestattet. Das zunächst als Tumba und später als Mausoleum bezeichnete Grabmal wurde 1219 beschädigt, als das brennende Kirchendach darauf stürzte. Die Heiligsprechung Bertholds erfolgte 1236, und zwar durch den Bischof von Passau und nicht durch den Papst. Die Anerkennung durch Rom fand erst 1970 statt. Der Grund seiner Verehrung lag vor allem in seiner außergewöhnlichen Fürsorge für die Armen. Die etwa 30 Jahre nach seinem Tod entstandene Lebensbeschreibung („Vita“) hebt zudem seine seelsorgliche Tätigkeit hervor, insbesondere als Beichtvater. Sie berichtet jedoch auch von übertriebener Askese und jenem wunderbaren Fischfang, dem er sein Attribut, die beiden Fische, verdankt. Um 1280 wurde ein Neubau der Klosterkirche begonnen und 1333 geweiht. Damals entstanden die beiden erhaltenen Grabmäler, die mehrfach versetzt wurden, ehe sie 1686 an die heutige Stelle im Chor der barocken Stiftskirche kamen. Während der Stifter und der erste Abt damit bis heute präsent sind, erinnert in Garsten an die Mitstifterin Elisabeth nichts mehr.
In der Reihe „Kunst & Geschichte_n“ stellt Experte Lothar Schultes Persönlichkeiten vor, die in Kunst und Geschichte wichtige Spuren in Oberösterreich hinterlassen haben.
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