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Arbeit haben, Arbeit teilen

Gespräch mit AK-Präsident Freyschlag
Ausgabe: 1998/40, Freyschlag, Arbeiterkammer
29.09.1998
- Ernst Gansinger
Ein Gespräch mit Arbeiterkammerpräsident Fritz Freyschlag über Mindest-Einkommen, Jugendarbeitslosigkeit und ArbeitszeitverkürzungKIZ: In der Arbeiterkammer-Informationsschrift „News Letter“ vom September 1998 ist nachzulesen, daß acht Prozent der Arbeitnehmer/innen sagen, ihr Einkommen reicht nicht aus. Was ist ein ausreichendes, gerechtes Einkommen?Präsident Fritz Freyschlag: Das ist schwer zu sagen, es hängt von soviel ab. Etwa davon, ob der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin alleine lebt. Wir haben jedenfalls die Forderung erhoben, daß jeder Kollektivvertrag einen Mindestlohn von 13.000 Schilling vorsehen muß. Aber ob das wirklich die Grenze ist, ab der ein auskömmliches Leben zu führen ist?KIZ: Das Land Oberösterreich führt mit den Sopzialpartnern eine Lehrlings- und Ausbildungsoffensive. Wie erfolgreich ist diese?Freyschlag: Grundsätzlich liegt die Verantwortung für die Lehrausbildung bei den Unternehmen. Diese haben sich jahrzehntelang geweigert, die Arbeitnehmer mitreden zu lassen. Rund 2.000 Jugendliche suchen in Oberösterreich noch nach einem Ausbildungsplatz. Das bedeutet, daß plötzlich die Politik einspringen muß, um zu helfen. KIZ: Was schlägt die Arbeitnehmerseite vor?Freyschlag: Wir haben eine Reihe von Vorschlägen entwickelt. Etwa das Ausbildungsmodell „Triathlon“, das weit über das Maß der Lehrlingsausbildung hinausgeht – verstärkter Fremdsprachenunterricht, Vermittlung sozialer Kompetenz, EDV-Ausbildung. „Countdown“, eine eineinhalbjährige Ausbildung, wobei diese Ausbildung zu einem späteren Zeitpunkt auch für eine Lehre angerechnet werden kann, ist ein zweites Modell. Der nationale Aktionsplan für Beschäftigung (NAB) regelt das Problem erst für jene, die 1998 in den Arbeitsmarkt drängen. Aber wir haben aus 1997 noch 400 junge Leute, die wir jetzt versuchen unterzubringen. Ich habe mit Landeshauptmannstellvertreter Dr. Leitl vereinbart, daß 150 von ihnen in einem „Countdown“-Programm unterkommen. Auch sind aus 1997 noch 200 jugendliche Ausländer ohne Arbeit. Ein großes Problem. Grundsätzlich gilt für uns, daß wir eine breite Grundausbildung wollen statt immer weiterer Spezialisierung. Jedenfalls sehen wir keinen Sinn in den von der Wirtschaft beantragten (aber abgewehrten) neuen Berufsausbildungen ‘Trafikverkäufer’ und ‘Regalschlichter’. KIZ: Warum geht bei der Frage der Arbeitszeitverkürzung nichts weiter?Freyschlag: Weil die Unternehmen nicht bereit sind, dafür etwas zu tun. Eine Arbeitszeitverkürzung wäre aber dringend, durchaus in unterschiedlichen Formen.KIZ: Arbeitgebervertreter sagen, Arbeitszeitverkürzungen sind nur im internationalen Gleichschritt mit unseren wichtigsten Wirtschaftspartnern sinnvoll.Freyschlag: Nicht nur. Es wird von ihnen auch ein Klima erzeugt, in dem man das Gefühl bekommt, mehr arbeiten zu müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Sie sagen auch, wir hätten zu hohe Löhne. Das stimmt nicht, die Konkurrenzfähigkeit hängt von den Lohnstückkosten ab; und da liegen wir sehr gut.
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