Die Kirchenzeitung stellte dem Agrarreferenten der oö. Landesregierung, Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer, Bauernbundobmann Hannes Herndl und Landesbäuerin Hermine Ziegelböck gleiche Fragen:1. Angesichts von Agenda 2000, Weltmarktphilosophie, stetigem Preisdruck auf landwirtschaftliche Produkte, Arbeitsdruck, . . . – was könnte/sollte Bauern heute noch dankbar sein lassen?LH Dr. Pühringer: Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfergott für ein Jahr mit relativ guter Witterung, für eine gute Ernte, ein Jahr ohne große Katastrophen und zugleich die Bitte, daß auch nach der Agenda 2000 (sie ist ja derzeit nicht gültig, es gibt nur einen Entwurf) die Existenz des bäuerlichen Familienbetriebes in der österreichischen Größenordnung und Struktur möglich ist.Obmann Hannes Herndl: Der ursprüngliche Hintergrund zum Erntedankfest ist der Dank an den Schöpfer für die Fruchtbarkeit unseres Landes. In Richtung Welthandelspolitik und Europapolitik hält sich die Dankbarkeit der Bauern momentan in Grenzen. Landesbäuerin Hermine Ziegelböck: Wir sagen Dank aus Freude am Leben und der Natur, für die Gemeinsamkeit von Arbeits- und Wohnplatz (unsere Kinder erleben Vater und Mutter bei der Arbeit, sie erlernen spielerisch Lebensbewältigung). Grund und Boden gibt in Krisenzeiten Sicherheit.2. Die Probleme der Bauern sind oft weit weg von der Wahrnehmung der Konsumenten. Was könnte für sie Erntedank heißen?Dr. Pühringer: Es soll ein doppeltes Dankeschön sein: Gott und den Bauern gegenüber, die in harter Arbeit unseren Tisch mit hochwertigen Lebensmitteln decken.Hannes Herndl: Bei jedem Kauf eines Lebensmittels soll der Konsument abwägen, welches Produkt für ihn den größten Gesamtnutzen bringt. Ist es das billige Produkt von irgendwoher oder das österreichische? Mit dem heimischen Produkt kauft der Konsument kurze Transportwege, hohe Umweltschutz- und Tierschutzstandards, Arbeitsplätze auf dem Land u. v. m..Hermine Ziegelböck: Weltweite Verflechtung des Handels, geringe Energiekosten und moderne Konservierungsmittel machen es in Europa möglich, alles zu jeder Zeit zu bekommen. 15 Millionen Menschen hungern dennoch weltweit. Also ist die Fülle an Lebensmitteln bei uns keine Selbstverständlichkeit.3. Was könnte die Kirche zum Ertedankfest zeitgemäß tun? Dr. Pühringer: Erntedank kann Verständnis wecken, daß die „zahlenmäßige Minderheit“ der Bauern für alle wertvolle Gemeinwohlleistungen erbringt.Hannes Herndl: Die Christen viel mehr darauf hinweisen, daß die Erhaltung der bäuerlichen Familienbetriebe mehr ist als Einkommenspolitik für die Bauern. Es sollte uns zu denken geben, daß Katzenfutter teurer ist als das beste Schweineschnitzel. Hermine Ziegelböck: Erntedank gibt uns die Chance, dem Kirchenvolk die Landwirtschaft näherzubringen. Begleitend kann ein Bauernhof besucht werden mit Diaschau: Dank an die Bauern für Lebensmittelproduktion und Landschaftspflege.