Sie sitzen hinter mir im Bus und unterhalten sich, zwei junge Frauen, zinnoberrotes Haar und schwarzumrandete Lippen – Menschen der heutigen Zeit eben. „Mein LAP ist ein Supertyp!“, so die eine. Der LAP, mit dem sie später Kinder haben möchte, müsse blond sein und blaue Augen haben, ist sich die andere sicher. Langsam begreife ich, LAP ist keine Abkürzung für Laptop aus der Computersprache, es muß ein anderes Wort für Partner sein, blicke aber noch nicht ganz durch. Ich gestehe, zunächst habe ich bei LAP ja an eine Abkürzung für Waschlappen gedacht, eine Bezeichnung, die früher für eine bestimmte Spezies von Menschen stand. Auch mit „lab“ habe ich das Wort assoziiert. Inzwischen weiß ich es besser: Ein LAP ist ein Lebensabschnittspartner. „Und wenn sie alt sind, suchen sie sich dann einen neuen LAP?“ „Na, daran denken sie heute noch nicht!“, klärte mich meine Freundin auf, die den Begriff LAP als Pädagogin schon kannte. Wenn sie nur glücklich werden, die Menschen von heute mit ihren Lebensabschnittspartnern, die sie so locker wechseln wollen. Aber so heiß wird ohnehin nicht gegessen wie gekocht wird... Was ist nämlich, wenn Kinder da sind? Man kann diese ja nicht samt dem LAP in die Wüste oder vielleicht nach Lappland schicken. Da würde manches ordentlich überlappen...Man könnte nun grundsätzlich über die Gründe einer solchen Entwicklung sinnieren, die gewiß bereits wissenschaftlich erforscht wurden: Sind es Bindungsängste nach Enttäuschungen, eine falsch verstandene Freiheit oder einfach das schlechte Vorbild der Elterngeneration, daß man sich Partner nur auf Zeit suchen will? Gehören Menschen wie wir, die die Silberhochzeit erreichen, schon bald zur Gattung der aussterbenden Dinos?