Partnerschaften mit getrennten Haushalten als neue Familienformen?
Ausgabe: 1999/03, LAP
20.01.1999
- Maria Haunschmidt
Pendelnde Väter hat es schon immer gegeben. Jetzt gibt es für schon bekannte Beziehungsformen neue Namen und darüberhinaus ungewöhnliche Formen des Zusammenlebens. Deutsche Wissenschafter untersuchten die unkonventionellen neuen Formen von „Liebe auf Distanz“. Die Rede ist von „Teilzeitehen“ oder verheirateten Singles, „Pendlern“ zwischen den Haushalten. In der Fachsprache werden sie als commuter, shuttles oder marriage singles bezeichnet. Es handelt sich um Lebensformen jenseits konventioneller Familienbilder, um halb Paar und halb Alleinwohnende – oder wenn Kinder vorhanden – halb Elternpaar und halb Alleinerziehende. Im „Hotel Mama“ Sarah lebt in einer Wohngemeinschaft, ihr Freund Stefan noch im „Hotel Mama“. Vor dem Hintergrund verlängerter Ausbildungszeiten und einem angespannten Arbeitsmarkt dehnt sich die getrennte Haushaltsführung als Phase der Beziehungsklärung heute wie bei Sarah und Stefan bei vielen jungen Erwachsenen zeitlich aus. In der ersten Phase im gemeinsamen Lebenslauf – der Phase des Kennenlernens und dem Beginn der Beziehung – leben die Partner so gut wie immer in getrennten Haushalten, oft noch im Elternhaus. Bei der ersten festen Partnerschaft heiratet die Mehrheit innerhalb von sechs Jahren. Klassischer PendlerSusi lebt mit den Kindern in einem Haus am Land und Peter hat in der Stadt eine Garconniere. Diese ist eine Art Ableger oder Satellit und wird nur von Peter phasenweise genutzt, weil er daheim keine passende Arbeit fand und den Kindern ein Ortswechsel erspart bleiben sollte. Was schon früher Wochenendpendler praktizierten, hat heute den Namen Shuttle-Beziehung. Karriere im VordergrundAgnes und Andreas leben in einer Dual-carrier-shuttle-Beziehung. Sie sind ein doppelberufstätiges Paar mit zwei Haushalten. Der Beruf hat einen hohen Stellenwert. Sie versuchen berufliche Karrieren beider Partner mit den Beziehungswünschen zu vereinbaren. Eine solche Form ist geprägt von einem flexiblen Rollenverständnis und z. B. hohen finanziellen Ressourcen.Kinder pendelnIm Gegensatz zu den „Shuttles” leben Sandra und Tobias am selben Ort und in ihrem Fall sogar in der selben Straße in getrennten Wohnungen. Die Living-apart-together-Beziehung liegt am stärksten jenseits traditioneller Rollenverständnisse. Die Haushalte werden bewußt nicht zusammengelegt, um sich einen möglichst großen Freiraum zu bewahren. Ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig: Wenn Kinder vorhanden sind, entstehen zwei Ein-Eltern-Familien, zwischen denen die Kinder pendeln.