Abtreibung ist Tötung menschlichen Lebens. Daher müsse der/die einzelne und die Gesellschaft alles tun, um Abtreibungen möglichst zu verhindern und Frauen zu helfen, die durch eine Schwangerschaft in eine Notlage geraten. Das betont der Innsbrucker Moraltheologe Hans Rotter im Kirchenzeitungsgespräch. Entschieden sprach sich Rotter dagegen aus, den Beginn des menschlichen Lebens erst mit der Phase der Ausbildung des Gehirns anzusetzen, wie dies der Gynäkologe und Theologe Hans Huber in der Fernsehsendung „Zur Sache“ getan habe. Die Tatsache, daß heute allgemein angenommen wird, daß der Tod des Menschen mit dem Erlöschen der Gehirnfunktionen eintritt, lasse nicht den Rückschluß auf den Beginn des Lebens zu. Auch unter Naturwissenschaftern sei unbestritten, daß spätestens mit der Einnistung der Eizelle in die Gebärmutter das biologische „Versuchsstadium“, ob aus einer befruchteten Eizelle personelles Leben entsteht, abgeschlossen ist; die Erbanlagen sind entwickelt. Auch jemand, der nicht die kirchliche Lehre teile, daß menschliches Leben mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginne, könne nicht so tun, als ob eine frühe Abtreibung noch nicht Tötung menschlichen Lebens wäre, betont Rotter.Trotz dieser klaren Position ersucht Rotter die Kirche dringend um eine differenziertere moralische Bewertung. Wer Abtreibung immer wieder mit Mord gleichsetze, tue unrecht. Denn in den allermeisten Fällen sei ein großer Unterschied zwischen einer Frau, die – oft aus einer Notlage heraus – abtreiben lasse, und jemandem, der bewußt und vorsätzlich einen anderen Menschen tötet.Zur Diskussion um die Abtreibungspille Mifegyne meint Rotter: „Zur moralischen Bewertung ist entscheidend, ob durch diese Methode die Zahl der Abtreibungen zunimmt, weil der Eingriff medizinisch ,einfacher‘ wird und weil die Entscheidungszeit für Frauen und damit auch die Zeit, Hilfe und Beratung in Anspruch zu nehmen, deutlich verkürzt wird.“ Derzeit gebe es darüber wenig gesicherte Unterlagen. Mifegyne einzuführen ohne das Angebot für Beratung und Hilfe deutlich zu verbessern, halte er allerdings für ziemlich problematisch, meint Rotter.