Das Osterevangelium rückt neben dem Auferstandenen eine Frau in den Mittelpunkt: Maria von Magdala. Sie ist die Frau, die – nachdem sie durch die Begegnung mit Jesus Heilung erfahren und ihn auf seinem Weg begleitet hat – als erste dem Auferstandenen begegnet und von ihm den Auftrag erhält, die Frohe Botschaft von seiner Auferstehung zu verkünden.Wenn wir selbst die Sehnsucht in uns tragen, dem Auferstandenen zu begegnen und Ostern zu erfahren, lädt uns Maria von Magdala ein, an diesem Ostermorgen mit ihr aufzubrechen. An ihrem Verhalten fällt einiges auf, was auch uns den Zugang zu Ostererfahrungen eröffnen könnte: Nach dem Tod Jesu macht sie sich trotz ihrer Verzweiflung auf den Weg zum Grab und konfrontiert sich mit der Realität. Sie verdrängt ihren Schmerz nicht und weint um den Menschen, den sie liebt, sie läßt sich vom Auferstandenen bei ihrem Namen rufen und erkennt ihn, sie hält Jesus nicht fest und sie geht und verkündet . . .
Halt mich nicht fest Zwischen diesen Ereignissen kommt aber von Jesus der Satz, der auch für uns nur schwer verständlich ist und abweisend wirkt: „Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen.“ Maria von Magdala wünscht sich wahrscheinlich, daß alles nur ein böser Traum war, und möchte den Auferstandenen berühren. Statt dessen muß sie aber hinnehmen, daß Jesus nicht zurückgeholt und festgehalten werden kann. Sie muß den, der ihr so wertvoll geworden ist, gehen lassen, ohne ihn weiterleben.Diese Erfahrung des Loslassens machen wir sehr oft in unserem Leben: wenn Beziehungen und Freundschaften auseinanderbrechen, wenn wir uns von einem Wohnort oder einem Arbeitsplatz trennen müssen, wenn Kinder langsam erwachsen werden, wenn liebgewordene Menschen sterben, oder wenn sich unser Glaube oder unser Gottesbild verändern. Alle diese Erfahrungen können schmerzhaft für uns sein, doch wenn wir wie Maria von Magdala erkennen, daß wir Altes loslassen müssen, damit Neues entstehen kann, kann auch in unserem Alltag Ostern werden.Nachdem Maria von Magdala Jesus nicht nur gesehen, sondern auch verstanden hat, läßt sie ihn gehen und nutzt den Auftrag des Auferstandenen als Chance für einen Neubeginn. Nach Hoffnungslosigkeit, Angst, Trauer und Abschied kehrt sie zurück zu den Jüngern und Jüngerinnen und tut, was Jesus ihr aufgetragen hat. Sie berichtet ihnen, daß Jesus lebt und von den Toten auferstanden ist, und sie bringt die Zusage Jesu, daß sein Vater ihr aller Vater und sein Gott auch ihr aller Gott ist.
Geh und verkünde So wird Maria von Magdala – jene Frau, die oft so negativ und verfälscht dargestellt wird – zur ersten Zeugin der Auferstehung, zur Verkünderin der Frohen Botschaft und zur „Apostelin der Apostel“, wie sie von Augustinus genannt wird. Genau diese Maria von Magdala bringt auch uns heute die Frohe Botschaft vom Auferstandenen und ermutigt uns, ihren Weg am Ostermorgen in unserem Leben nachzuahmen.