Wege aus tiefer Depression - Kerzenbilder erzählen vom Glauben
Ausgabe: 1999/13, Pfanzagl
30.03.1999
- Maria Haunschmidt
Die Welserin Christine Pfanzagl hat über Umwege zu einem tiefen Glauben gefunden, nämlich in einem jahrelangen Leidensweg von Krankheit und Depression. Nach dem Dunkel kam das Licht. In den 80er Jahren war Christine Pfanzagl als junge Mutter jede freie Minute überall da in der Pfarre tätig, wo sie gebraucht wurde, in allen nur möglichen Funktionen – von der Büroaushilfe über Firmhelferin bis zur Pfarrgemeinderätin. Kurz nach dem Tod ihrer Mutter wurde sie krank. Mit der ersten von insgesamt fünf schweren Operationen – die letzte war im Jahr 1994 – begann ein jahrelanger Leidensweg von Schmerzen und – was fast noch schlimmer war – tiefer Depression. Sie mußte sich aus dem Pfarrleben zurückziehen, wegen Angstneurose und Panikattacken bei Menschenansammlungen. Dazu kamen Schlaflosigkeit, Alpträume, große Traurigkeit, und krankheitsbedingt immer wieder Schmerzen und Todesängste. Das anfängliche Getragensein durch Freunde wich bald einer großen Hilflosigkeit. Der eigene Rückzug war ein Absturz in Einsamkeit und Verzweiflung, die sie vor den damals noch relativ jungen Kindern – heute sind sie 27 und 25 Jahre alt – so gut es ging verbarg, um sie nicht zu belasten. Im Leiden fand sie zu einer heilsamen Stille und Kontempla- tion mit spirituellen Erfahrungen. Sie las viel, vor allem in der Bibel, beschäftigte sich mit theologischen Fragen und bedingt durch ihre eigene Todesnähe in der Krankheit mit den Büchern über die Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross und Karin Leiter. Klassische Musik und die Natur spendeten viel Trost.„Auf diesem steinigen Weg fand ich vom Banalen zum Eigentlichen, und im Glauben vom äußeren Praktizieren zu innerer Betroffenheit“, stellt sie rückblickend fest. Aufwärts ging es, als sie begann ihre Krankheit anzunehmen und sich vertrauensvoll in die Hände Gottes fallen zu lassen. Christine Pfanzagl: „Wenn ich mein Leben in den Kartagen anschaue, heißt es zu bejahen, daß mich eine Krankheit getroffen hat. In sie gezwungen zu sein, heißt sich mit dem Tod und der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Mahlhalten heißt, es ist jemand, da, der mich stärkt!“ Ostern empfindet die zweifache Großmutter als „wunderbares Geschenk“ von Licht und neuem Bewußtsein.
Richtet Sterbende auf Heute sieht sie eine große Aufgabe darin, Kranke und Leidende mit den Erfahrungen aus dem Erlittenen zu stärken und zu ermutigen. Sie ist Hoffnungsschimmer – Licht – für andere Menschen, und begleitet betagte und krebskranke Menschen bis zum Tod und bringt ihnen die Krankenkommunion. Sie ist offen für Gespräche, und hat einen glaubhaften Zugang zu deren Ängsten und Nöten. „Man muß sich mit der Finsternis auseinandersetzen – auch Trauerarbeit zulassen – um zum Licht zu kommen!“ so die Erfahrung. Bei ihr war das Licht lange Zeit durch die Depression verstellt. „Suche das Licht nicht draußen, in Hyperaktivität und leeren Hülsen, sondern in dir drinnen“, rät sie. Sie befürchtet, man könnte sonst allzuleicht übersehen, wenn die Sonne wieder aufgeht.In ihrem Leben hat sie „neue Schienen“ gelegt und erkannt, daß sie selber für Körper und Geist verantwortlich ist. Sie hat die Ernährung total umgestellt. Es hängt auch viel von der Macht der eigenen Gedanken ab. „Ich bin jetzt dankbar für jeden Tag und sehe das Positive“ erzählt sie von ihrer neuen Lebensfreude. Diese zeigt sich nicht nur im Umgang mit Menschen, die es schwer haben, sondern auch durch religiöse Bilder – bildhafter Ausdruck lyrischer religiöser Texte. Seit drei Jahren beschäftigt sie sich mit dem Schmücken von Kerzen als äußere Bilder für ihre innere Lebenshaltung. Die Lieblingsmotive spiegeln ihre Erkenntnisse: gespaltener Baum, aus dem knospendes neues Leben wird, Sonnenstrahlen, oder das vollkommene Bild der Gottesmutter. All die festlichen sakralen Bilder entstehen an ihrem Lieblingsplatz im Wohnzimmer. Ihr Mann freut sich, daß es ihr wieder gutgeht und damit der ganzen Familie.