„Ich habe den Herrn gesehen“. Von Maria aus Magdala, jener Frau, die als erste dem Auferstandenen begegnet war, bekamen die Jünger Jesu die Botschaft zu hören. In der Grabkammer, in die man den Leichnam Jesu gelegt hatte, geschah die Begegnung. „Halte mich nicht fest“, sagte Jesus zu Maria, „denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen“. Jesus festzuhalten, das ist eine ständige Versuchung der Frommen. Auch dem Auferstandenen gegenüber gilt, was schon den Gläubigen des Ersten Testamentes aufgetragen war: Du sollst dir kein Bild von Gott machen. Was sich festhalten läßt von Jesus wurde auch festgehalten, sein angreifbares Leben ausgelöscht, sein Körper zermartert, getötet. Dennoch lebt er und dennoch wirkt er. Der Wiener Künstler Leo Pfisterer hat auf einer Grabanlage für die Franziskus-Schwestern in Graz die Begegnung der Maria Magdalena mit dem Auferstandenen dargestellt. Die Hände, die einander greifen, umarmen wollen, prägen die Skulptur. Die Hand Jesus ist es, die auf dieser Welt spürbar bleibt. Nicht greifbar, aber sie begleitet dennoch. Nicht festhaltbar, aber sie hält dennoch. Nicht sichtbar, aber sie wirkt dennoch, hinterläßt diese Spur auf der Welt, in der Menschen Ziel und Hoffnung finden. Als diese Hände das Brot teilten, erkannten auch jene beiden in Trauer und Verzweiflung gefangenen Jünger von Emmaus: Er ist es.