Im Kosovo brennen Dörfer, Serbien erbebt unter Bombenangriffen. Viele Gegenden der Welt leiden ärgste Not und Bedrängnis. Doch der Lauf der Jahreszeiten paßt sich dem nicht an. Auch unter einem Himmel voller Kampfflugzeuge grünt das Land, besiegen junge Pflanzen den Winter, bringen die Bäume Knospen hervor. Seit einigen Jahren ist der unumstritten gute Ruf der Natur dahin. Warum sonst müßten hochbezahlte Wissenschafter genetische Manipulationen an ihr vornehmen? Und auch sogenannte Naturkatastrophen erschüttern das Vertrauen der Menschen in die Kraft der Erde. Dabei sind der Einsturz von Lassing oder die Lawine von Galtür, Überschwemmungen infolge der Erderwärmung oder Wirbelstürme wegen des Klimawechsels nur die Antwort der Natur auf das Werk des Menschen. Andererseits erwacht Sehnsucht nach Natur. Wer gesund leben will, sucht nach naturnah zubereiteter Nahrung. Die Bio-Welle ist ungebrochen. Wer kann, flüchtet aus der Großstadt – oder den verstädterten Dörfern – ins Grüne.Blumen, Sträucher, Bäume sind die augenfälligsten Boten, wenn die Natur nach dem Winter erwacht. Aus der Tiefe der Erde tauchen die grünen Spitzen auf, wachsen und blühen. Was tot schien, kommt zu neuer Blüte. Jahr für Jahr ein gigantischer Sieg des Lebens, ein Wunder. Auch wenn die Botanik das ganz anders beschreiben würde, es sind vor allem zwei Eigenschaften, die Pflanzen im Frühling zu einer Art Auferstehung verhelfen. Zwei Eigenschaften, die auch für Menschen bedeutsam sind: Sterben können und Offenheit für den Himmel. Die Natur erlebt jeden Herbst eine Art Tod, sie wirft allen Ballast ab und verkümmert. Das Weizenkorn ist ein besonderer Lehrmeister: Wenn es in der Erde stirbt, bringt es reiche Frucht (Joh 12, 24). Oft wurde dieses Bild auf Jesu Tod und Auferstehung zu Ostern angewandt. Der Tod als Wurzel neuen Lebens. Wer nicht nachgeben kann und nicht bereit ist, in die Erde zu fallen, kennt nicht die Erfahrung des Neubeginns. Die zweite entscheidende Eigenschaft der Pflanzen ist die Hinwendung zum Licht, ist ihr Leben unter offenem Himmel. Im kleinsten Garten, und sei er hoch umzäunt, blühen und gedeihen Blumen, wenn sie genug Licht von oben haben. Genauso benötigen Menschen den Blick über das eigene Leben hinaus, brauchen sie ihr Stück Himmel.