Bei der Begegnung des Auferstandenen mit den Jüngern am See von Tiberias fällt einiges auf, was sich auf ähnliche Art und Weise auch in unserem Leben ereignet. So wird berichtet, daß die Jünger nach dem Tod Jesu wieder zu ihrer ehemaligen Beschäftigung zurückkehren und fischen gehen. Daß sie dasselbe tun wie vor der Begegnung mit Jesus, erweckt den Eindruck, daß sich für sie wenig geändert hat. Auch uns geht es manchmal wie diesen Jüngern. Wir haben Christus kennengelernt und wissen um seine Botschaft und seinen Auftrag an uns. Trotzdem gelingt es uns nicht immer, unser Leben und unseren Alltag mit dem Glauben zu verbinden. Während die Jünger am Fischen sind, steht Jesus am Ufer und ist gegenwärtig als der Jesus, den sie während der letzten Jahre kennengelernt haben. Gleichzeitig ist Jesus auch ein anderer, den sie mit ihren Augen nicht erkennen können. Auffallend am Erscheinen des Auferstandenen ist, daß er einfach da ist und genau auf das eingeht, womit die Jünger gerade beschäftigt sind und was sie im Moment vielleicht gerade bedrückt – ihre leeren Netze.
Jesus steht am Ufer Dieser Jesus, der den Jüngern am See von Tiberias erscheint, ist auch in unserer Nähe und begegnet uns in unserem konkreten Alltag. Manchmal geschieht dies unbemerkt. Aber es gibt auch Situationen, in denen wir spüren, daß er da ist, daß er am Ufer unseres Lebens steht. Besonders Begegnungen mit anderen Menschen lassen uns seine Nähe erahnen und ermöglichen uns ein Bild vom Auferstandenen – so z. B. wenn mir jemand Zeit schenkt, wenn mir jemand geduldig zuhört und versucht, mich zu verstehen, wenn ich in einer schwierigen Situation unerwartet Hilfe bekomme, wenn mir jemand zeigt, daß sie oder er mir verziehen hat oder wenn ich traurig bin und von jemandem aufgemuntert werde. Diese Erfahrung, daß uns Christus in unseren Mitmenschen begegnet, stellt auch eine große Herausforderung an jede/n einzelne/n von uns dar. Durch ein Leben in seiner Nachfolge können wir den Auferstandenen für andere sichtbar machen. Letztendlich kommt es darauf an, daß die Jünger, die am Fischen sind, den erkennen, der am Ufer steht. Vielleicht braucht es sein Zeichen, weil sie nicht mit seiner Auferstehung und einer Begegnung mit ihm rechnen. Auch für uns ist entscheidend, daß wir an seine Gegenwart glauben und uns für eine Begegnung mit ihm öffnen. Christus gibt sich nicht immer leicht zu erkennen. Die Begegnung mit ihm ist sein Entgegenkommen, das wir annehmen oder ablehnen können.
Ostern geschieht heute Diese Erfahrung der Jünger am See von Tiberias kann nicht nur als ein vergangenes Ereignis betrachtet werden, das mit uns nichts zu tun hat. Sie betrifft uns, weil sie sich in ähnlicher Form in unserem Leben wiederholt. Wenn wir Auferstehung verstehen als Jesu Zugegensein bei den Menschen, ist sie etwas, was sich immer wieder ereignet. Auferstehung war nicht nur damals in Galiläa, sondern ist auch in unserem Leben erfahrbar.